Marshallplan

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Marshall-Plan
Great Seal of the United States
Langer TitelEin Gesetz zur Förderung des Weltfriedens und des allgemeinen Wohlergehens, des nationalen Interesses und der Außenpolitik der Vereinigten Staaten durch wirtschaftliche, finanzielle und andere Maßnahmen, die zur Aufrechterhaltung von Bedingungen im Ausland notwendig sind, unter denen freie Institutionen überleben können, und die mit der Erhaltung der Stärke und Stabilität der Vereinigten Staaten vereinbar sind.
In Kraft gesetzt durchden 80. Kongress der Vereinigten Staaten
Inkrafttreten3. April 1948
Zitate
Öffentliches Recht80-472
Gesetzestexte im Allgemeinen62 Stat. 137
Gesetzgebungsgeschichte
  • Eingeführt im Senat als S. 2202
  • Verabschiedet im Senat am 13. März 1948 (71-19)
  • Verabschiedung durch das Repräsentantenhaus am 31. März 1948 (333-78)
  • Bericht des gemeinsamen Konferenzausschusses am 1. April 1948; Annahme durch das Repräsentantenhaus am 2. April 1948 (321-78) und durch den Senat am 2. April 1948 (Annahme)
  • Unterzeichnung durch Präsident Harry S. Truman am 3. April 1948
Die Kennzeichnung der Hilfspakete, die im Rahmen des Marshall-Plans erstellt und verschickt wurden.
General George C. Marshall, der 50. Außenminister der Vereinigten Staaten

Der Marshall-Plan (offiziell European Recovery Program, ERP) war eine amerikanische Initiative aus dem Jahr 1948, um Westeuropa Auslandshilfe zu leisten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs überwiesen die Vereinigten Staaten mehr als 13 Milliarden Dollar (dies entspricht etwa 115 Milliarden Dollar im Jahr 2021) für Programme zur wirtschaftlichen Erholung an die westeuropäischen Volkswirtschaften. Er ersetzte einen früheren Vorschlag für einen Morgenthau-Plan und galt ab dem 3. April 1948 für vier Jahre. Die Ziele der Vereinigten Staaten waren der Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten Regionen, die Beseitigung von Handelsschranken, die Modernisierung der Industrie, die Verbesserung des Wohlstands in Europa und die Verhinderung der Ausbreitung des Kommunismus. Der Marshallplan verlangte den Abbau zwischenstaatlicher Schranken und die Abschaffung zahlreicher Vorschriften, während gleichzeitig eine Steigerung der Produktivität und die Einführung moderner Geschäftsverfahren gefördert wurden.

Die Marshallplan-Hilfe wurde unter den teilnehmenden Staaten ungefähr auf einer Pro-Kopf-Basis aufgeteilt. Ein größerer Betrag wurde den großen Industriemächten gewährt, da die vorherrschende Meinung war, dass ihre Wiederbelebung für den allgemeinen europäischen Aufschwung unerlässlich war. Etwas mehr Pro-Kopf-Hilfe erhielten auch die alliierten Länder, weniger die Länder, die zur Achsenmächte gehörten oder neutral blieben. Der größte Empfänger von Marshallplan-Geldern war das Vereinigte Königreich (rund 26 % der Gesamtmittel). Die nächstgrößeren Beiträge gingen an Frankreich (18 %) und Westdeutschland (11 %). Etwa achtzehn europäische Länder erhielten Leistungen aus dem Plan. Obwohl der Sowjetunion die Teilnahme angeboten wurde, lehnte sie die Leistungen des Plans ab und blockierte auch Leistungen für Ostblockländer wie Rumänien und Polen. Die Vereinigten Staaten stellten ähnliche Hilfsprogramme in Asien bereit, die jedoch nicht Teil des Marshallplans waren.

Die Rolle des Marshallplans bei der raschen Erholung ist umstritten. Aus der Buchhaltung des Marshall-Plans geht hervor, dass die Hilfe zwischen 1948 und 1951 etwa 3 % des Gesamteinkommens der Empfängerländer ausmachte, was eine Steigerung des BIP-Wachstums von weniger als einem halben Prozent bedeutet.

1947, zwei Jahre nach Kriegsende, verfasste der Industrielle Lewis H. Brown im Auftrag von General Lucius D. Clay einen Bericht über Deutschland, der als detaillierte Empfehlung für den Wiederaufbau des Nachkriegsdeutschlands diente und die Grundlage für den Marshallplan bildete. Die Initiative wurde nach dem Außenminister der Vereinigten Staaten George C. Marshall benannt. In Washington, wo die Republikaner den Kongress und die Demokraten das Weiße Haus mit Harry S. Truman als Präsident kontrollierten, fand der Plan parteiübergreifende Unterstützung. Der Plan wurde größtenteils von Beamten des Außenministeriums, insbesondere von William L. Clayton und George F. Kennan, mit Hilfe der Brookings Institution auf Wunsch von Senator Arthur Vandenberg, dem Vorsitzenden des Ausschusses für auswärtige Beziehungen des US-Senats, entwickelt. In seiner Rede an der Harvard University im Juni 1947 sprach Marshall von der dringenden Notwendigkeit, den Wiederaufbau Europas zu unterstützen. Ziel des Marshallplans war es, die wirtschaftliche Erholung der Länder nach dem Zweiten Weltkrieg zu unterstützen und den geopolitischen Einfluss der USA auf Westeuropa zu sichern. Um die Auswirkungen des Marshall-Plans zu bekämpfen, entwickelte die UdSSR ihren eigenen Wirtschaftsplan, der als Molotow-Plan bekannt wurde, obwohl große Mengen an Ressourcen aus den Ländern des Ostblocks als Reparationszahlungen für die Beteiligung an den Achsenmächten während des Krieges an die UdSSR gezahlt wurden.

Der Ausdruck "Äquivalent zum Marshallplan" wird häufig verwendet, um ein vorgeschlagenes groß angelegtes wirtschaftliches Rettungsprogramm zu beschreiben.

Im Jahr 1951 wurde der Marshallplan weitgehend durch den Mutual Security Act ersetzt.

Offizielles Logo, das bei Hilfsprojekten des Marshallplans verwendet wurde

Die Hilfsleistungen bestanden zu einem großen Teil aus Krediten sowie Lieferung von Rohstoffen, Lebensmitteln und Industriegütern. Das Programm verstand sich als Hilfe zur Selbsthilfe und war an Bedingungen geknüpft, wie dem Abbau von Handelshemmnissen, der Stabilisierung der eigenen Währung oder der zwischenstaatlichen Kooperation. Die Initiative ging vom damaligen US-Außenminister George C. Marshall (Amtszeit 1947 bis 1949) aus, nach dem das Programm benannt und der deshalb auch 1953 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Entwicklung und Einsatz

Der Wiederaufbauplan, der auf einem Treffen der beteiligten europäischen Staaten entwickelt wurde, wurde am 5. Juni 1947 ausgearbeitet. Er bot der Sowjetunion und ihren Verbündeten dieselbe Hilfe an, die diese jedoch auf sowjetischen Druck hin ablehnten (wie im Falle der Ablehnung Finnlands), da dies eine gewisse Kontrolle der USA über die kommunistischen Volkswirtschaften ermöglichen würde. Tatsächlich hinderte die Sowjetunion ihre Satellitenstaaten (d.h. Ostdeutschland, Polen usw.) daran, das Abkommen anzunehmen. Außenminister Marshall war überzeugt, dass Stalin kein Interesse daran hatte, zur Wiederherstellung der wirtschaftlichen Gesundheit in Westeuropa beizutragen.

Ausgaben für das European Recovery Program nach Ländern

Präsident Harry Truman unterzeichnete den Marshall-Plan am 3. April 1948 und gewährte 16 europäischen Ländern Hilfen in Höhe von 5 Milliarden Dollar. In den vier Jahren, in denen der Plan in Kraft war, stellten die Vereinigten Staaten 17 Milliarden Dollar (das entspricht 214,29 Milliarden Dollar im Jahr 2021) an wirtschaftlicher und technischer Hilfe zur Verfügung, um die Erholung der europäischen Länder zu unterstützen, die der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit beigetreten waren. Die 17 Milliarden Dollar standen im Zusammenhang mit einem US-BIP von 258 Milliarden Dollar im Jahr 1948 und wurden zusätzlich zu den 17 Milliarden Dollar an amerikanischer Hilfe für Europa zwischen dem Ende des Krieges und dem Beginn des Plans gewährt, die getrennt vom Marshallplan gezählt werden. Der Marshallplan wurde Ende 1951 durch den Mutual Security Plan (Plan für gegenseitige Sicherheit) ersetzt; dieser neue Plan stellte bis 1961 jährlich etwa 7,5 Milliarden Dollar zur Verfügung und wurde dann durch ein anderes Programm ersetzt.

Das ERP befasste sich mit jedem der Hindernisse, die dem Wiederaufbau nach dem Krieg im Wege standen. Der Plan blickte in die Zukunft und konzentrierte sich nicht auf die durch den Krieg verursachten Zerstörungen. Viel wichtiger waren die Bemühungen, die europäischen Industrie- und Geschäftspraktiken nach hocheffizienten amerikanischen Modellen zu modernisieren, künstliche Handelsschranken abzubauen und ein Gefühl der Hoffnung und des Selbstvertrauens zu vermitteln.

Bis 1952, als die Finanzierung endete, hatte die Wirtschaft jedes teilnehmenden Staates das Vorkriegsniveau übertroffen; für alle Marshallplan-Empfänger lag die Produktion 1951 um mindestens 35 % höher als 1938. In den folgenden zwei Jahrzehnten erlebte Westeuropa ein beispielloses Wachstum und einen beispiellosen Wohlstand, aber die Wirtschaftswissenschaftler sind sich nicht sicher, welcher Anteil direkt auf das ERP zurückzuführen ist, welcher Anteil indirekt, und wie viel ohne das ERP geschehen wäre. Eine gängige amerikanische Interpretation der Rolle des Programms beim europäischen Aufschwung wurde von Paul Hoffman, dem Leiter der Economic Cooperation Administration, im Jahr 1949 geäußert, als er dem Kongress erklärte, die Marshall-Hilfe habe den "kritischen Spielraum" geschaffen, von dem andere für den europäischen Aufschwung erforderliche Investitionen abhingen. Der Marshallplan war eines der ersten Elemente der europäischen Integration, da er Handelsschranken beseitigte und Institutionen zur Koordinierung der Wirtschaft auf kontinentaler Ebene schuf, d. h. er förderte den vollständigen politischen Wiederaufbau Westeuropas.

Der belgische Wirtschaftshistoriker Herman Van der Wee kommt zu dem Schluss, dass der Marshallplan ein "großer Erfolg" war:

Er gab dem Wiederaufbau in Westeuropa einen neuen Impuls und trug entscheidend zur Erneuerung des Verkehrssystems, zur Modernisierung der industriellen und landwirtschaftlichen Ausrüstung, zur Wiederaufnahme der normalen Produktion, zur Steigerung der Produktivität und zur Erleichterung des innereuropäischen Handels bei.

Kriegsbedingte Zerstörungen

Am Ende des Zweiten Weltkriegs war ein Großteil Europas verwüstet. Die anhaltenden Luftangriffe während des Krieges hatten die meisten großen Städte schwer beschädigt, und die Industrieanlagen waren besonders stark betroffen. Millionen von Flüchtlingen lebten in provisorischen Lagern. Die Handelsströme in der Region waren völlig unterbrochen worden; Millionen von Menschen lebten in Flüchtlingslagern von der Hilfe der Vereinigten Staaten, die von der United Nations Relief and Rehabilitation Administration und anderen Organisationen bereitgestellt wurde. Vor allem im strengen Winter 1946/47 herrschte große Lebensmittelknappheit. Von Juli 1945 bis Juni 1946 lieferten die Vereinigten Staaten 16,5 Millionen Tonnen Nahrungsmittel, hauptsächlich Weizen, nach Europa und Japan. Dies entsprach einem Sechstel der amerikanischen Nahrungsmittelversorgung und lieferte 35 Billionen Kalorien, genug, um 300 Millionen Menschen ein Jahr lang mit 400 Kalorien pro Tag zu versorgen.

Besonders beschädigt wurde die Verkehrsinfrastruktur, da Eisenbahnen, Brücken und Docks gezielt angegriffen und viele Handelsschiffe versenkt worden waren. Obwohl die meisten Kleinstädte und Dörfer nicht so stark beschädigt wurden, waren sie durch die Zerstörung der Verkehrswege wirtschaftlich isoliert. Keines dieser Probleme konnte leicht behoben werden, da die meisten am Krieg beteiligten Nationen ihre Staatskassen bereits aufgebraucht hatten.

Die einzigen Großmächte, deren Infrastruktur im Zweiten Weltkrieg keinen nennenswerten Schaden genommen hatte, waren die Vereinigten Staaten und Kanada. Sie waren viel wohlhabender als vor dem Krieg, aber die Exporte waren ein kleiner Faktor in ihrer Wirtschaft. Ein großer Teil der Marshallplan-Hilfe sollte von den Europäern für den Kauf von Fertigwaren und Rohstoffen aus den Vereinigten Staaten und Kanada verwendet werden.

Erste Nachkriegsereignisse

Langsamer Aufschwung

Die meisten europäischen Volkswirtschaften erholten sich nur langsam, da Arbeitslosigkeit und Nahrungsmittelknappheit in mehreren Ländern zu Streiks und Unruhen führten. Die Agrarproduktion lag bei 83 % des Niveaus von 1938, die Industrieproduktion bei 88 % und die Ausfuhren bei 59 %. Ausnahmen waren das Vereinigte Königreich, die Niederlande und Frankreich, wo die Produktion Ende 1947 bereits wieder das Vorkriegsniveau vor dem Marshallplan erreicht hatte. Italien und Belgien sollten bis Ende 1948 folgen.

In Deutschland herrschten 1945-46 schlechte Wohn- und Ernährungsbedingungen, da die Unterbrechung des Verkehrs, der Märkte und der Finanzen die Rückkehr zur Normalität verlangsamte. Im Westen hatten die Bombenangriffe 5.000.000 Häuser und Wohnungen zerstört, und 12.000.000 Flüchtlinge aus dem Osten drängten nach Deutschland.

Die Nahrungsmittelproduktion lag 1946-48 bei zwei Dritteln des Vorkriegsniveaus, während aus dem Osten keine normalen Getreide- und Fleischlieferungen mehr eintrafen. Der Rückgang der Nahrungsmittelproduktion ist auf eine Dürre zurückzuführen, die einen großen Teil der Weizenernte vernichtete, während ein strenger Winter im darauf folgenden Jahr den Großteil der Weizenernte zerstörte. Dies führte dazu, dass die meisten Europäer auf eine Ernährung von 1 500 Kalorien pro Tag angewiesen waren. Außerdem erreichten die großen Nahrungsmittellieferungen, die während des Krieges aus den besetzten Ländern gestohlen worden waren, Deutschland nicht mehr. Die Industrieproduktion ging um mehr als die Hälfte zurück und erreichte Ende 1949 das Vorkriegsniveau.

Während sich Deutschland von den Zerstörungen des Krieges nur mühsam erholte, begannen im Juni 1948 die Wiederaufbaubemühungen, die sich von der Nothilfe ableiteten. Die Währungsreform von 1948 stand unter der Leitung der Militärregierung und trug zur Wiederherstellung der Stabilität in Deutschland bei, indem sie die Produktion ankurbelte. Mit der Reform wurden die alte Währung und die Einlagen aufgewertet und eine neue Währung eingeführt. Außerdem wurden die Steuern gesenkt und Deutschland bereitete sich auf die Beseitigung wirtschaftlicher Hindernisse vor.

Während der ersten drei Jahre der Besatzung Deutschlands verfolgten das Vereinigte Königreich und die USA energisch ein militärisches Abrüstungsprogramm in Deutschland, teilweise durch den Abtransport von Ausrüstung, hauptsächlich aber durch ein Importembargo für Rohstoffe, das Teil des von Präsident Franklin D. Roosevelt genehmigten Morgenthau-Plans war.

Nicholas Balabkins kommt zu dem Schluss, dass sich die wirtschaftliche Erholung Europas verzögerte, solange die deutschen Industriekapazitäten nicht genutzt wurden. Im Juli 1947 erkannte Washington, dass die wirtschaftliche Erholung in Europa ohne den Wiederaufbau der deutschen industriellen Basis nicht vorankommen konnte, und beschloss, dass "ein geordnetes, blühendes Europa die wirtschaftlichen Beiträge eines stabilen und produktiven Deutschlands benötigt". Darüber hinaus beunruhigte die Stärke der von Moskau kontrollierten kommunistischen Parteien in Frankreich und Italien Washington.

Nach Ansicht des Außenministeriums unter Präsident Harry S. Truman mussten die Vereinigten Staaten auf der Weltbühne eine eindeutige Position beziehen, um nicht ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren. Die sich herausbildende Doktrin der Eindämmung (im Gegensatz zum Rollback) besagte, dass die Vereinigten Staaten den nichtkommunistischen Ländern in erheblichem Maße helfen müssten, um die Ausbreitung des sowjetischen Einflusses zu stoppen. Es gab auch eine gewisse Hoffnung, dass die Ostblockstaaten sich dem Plan anschließen und so aus dem entstehenden Sowjetblock herausgezogen werden würden, aber das geschah nicht.

Der Hungerwinter 1947, Tausende protestieren in Westdeutschland gegen die katastrophale Ernährungslage (31. März 1947). Auf dem Schild steht: Wir wollen Kohle, wir wollen Brot

Notwendigkeit des Wiederaufbaus Deutschlands

Im Januar 1947 ernannte Truman den pensionierten General George Marshall zum Außenminister. Im Juli 1947 hob Marshall die Direktive 1067 des Generalstabs auf, die auf dem Morgenthau-Plan beruhte, der angeordnet hatte, "keine Maßnahmen zu ergreifen, die auf den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands abzielen [oder] die darauf abzielen, die deutsche Wirtschaft zu erhalten oder zu stärken". Im neuen Plan JCS 1779 hieß es, dass "ein geordnetes und wohlhabendes Europa die wirtschaftlichen Beiträge eines stabilen und produktiven Deutschlands erfordert." Die Beschränkungen für die deutsche Schwerindustrie wurden teilweise gelockert; die zulässige Stahlproduktion wurde von 25 % der Vorkriegskapazität auf 50 % der Vorkriegskapazität angehoben.

Da ein kommunistischer, wenn auch nicht sowjetischer, Aufstand Griechenland bedrohte und Großbritannien finanziell nicht in der Lage war, seine Hilfe fortzusetzen, verkündete der Präsident am 12. März 1947 seine Truman-Doktrin, "freie Völker zu unterstützen, die sich der versuchten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch Druck von außen widersetzen", mit einem Hilfeersuchen zur Prüfung und Entscheidung, das Griechenland und die Türkei betraf. Herbert Hoover stellte fest, dass "die gesamte europäische Wirtschaft durch den Austausch von Rohstoffen und Fertigwaren mit der deutschen Wirtschaft verbunden ist. Die Produktivität Europas kann nicht wiederhergestellt werden, ohne dass Deutschland wieder zu dieser Produktivität beiträgt". Hoovers Bericht führte in Washington zu der Einsicht, dass eine neue Politik notwendig sei; "fast jede Maßnahme wäre eine Verbesserung der gegenwärtigen Politik." In Washington erklärten die Generalstabschefs, dass die "vollständige Wiederbelebung der deutschen Industrie, insbesondere des Kohlebergbaus" für die amerikanische Sicherheit nun von "höchster Bedeutung" sei.

Die Vereinigten Staaten gaben bereits eine Menge Geld aus, um Europa bei der Erholung zu helfen. Mehr als 14 Milliarden Dollar wurden in der Nachkriegszeit bis Ende 1947 ausgegeben oder geliehen, wobei diese Summe nicht als Teil des Marshallplans gezählt wird. Ein Großteil dieser Hilfe diente der Wiederherstellung der Infrastruktur und der Unterstützung von Flüchtlingen. Großbritannien zum Beispiel erhielt ein Notdarlehen in Höhe von 3,75 Milliarden Dollar.

Auch die Vereinten Nationen starteten eine Reihe von humanitären und Hilfsaktionen, die fast vollständig von den Vereinigten Staaten finanziert wurden. Diese Bemühungen hatten wichtige Auswirkungen, aber es fehlte ihnen an einer zentralen Organisation und Planung, und viele der grundlegenden Bedürfnisse Europas wurden nicht erfüllt. Bereits 1943 wurde die United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) gegründet, um die von Deutschland befreiten Gebiete zu unterstützen. Die UNRRA leistete Rehabilitationshilfe in Milliardenhöhe und half etwa 8 Millionen Flüchtlingen. Sie stellte 1947 den Betrieb von Vertriebenenlagern in Europa ein; viele ihrer Aufgaben wurden auf verschiedene UN-Organisationen übertragen.

Sowjetische Verhandlungen

Nach Marshalls Ernennung im Januar 1947 trafen sich Regierungsvertreter mit dem sowjetischen Außenminister Wjatscheslaw Molotow und anderen, um auf ein wirtschaftlich autarkes Deutschland zu drängen, einschließlich einer detaillierten Aufstellung der Industrieanlagen, Güter und Infrastruktur, die die Sowjets in ihrer Besatzungszone bereits entfernt hatten. Molotow verzichtete darauf, eine Bilanz der sowjetischen Vermögenswerte vorzulegen. Die Sowjets verfolgten einen strafenden Ansatz, drängten auf eine Verzögerung statt auf eine Beschleunigung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus, verlangten die bedingungslose Erfüllung aller früheren Reparationsforderungen und drängten auf Fortschritte bei der landesweiten sozioökonomischen Umgestaltung.

Nach sechswöchigen Verhandlungen lehnte Molotow alle amerikanischen und britischen Vorschläge ab. Molotow lehnte auch das Gegenangebot ab, das britisch-amerikanische "Bizonia" zu streichen und die sowjetische Zone in das neu errichtete Deutschland einzubeziehen. Marshall war besonders entmutigt, nachdem er persönlich mit Stalin zusammengetroffen war, um zu erklären, dass die Vereinigten Staaten ihre Position gegenüber Deutschland unmöglich aufgeben könnten, während Stalin wenig Interesse an einer Lösung der deutschen Wirtschaftsprobleme zeigte.

Marshalls Rede

Nachdem die Moskauer Konferenz nach sechs Wochen gescheiterter Gespräche mit den Sowjets über einen möglichen Wiederaufbau Deutschlands vertagt worden war, kamen die Vereinigten Staaten zu dem Schluss, dass eine Lösung nicht länger warten konnte. Um die amerikanische Position zu verdeutlichen, wurde eine große Rede von Außenminister George Marshall geplant. Marshall hielt die Rede am 5. Juni 1947 an der Harvard-Universität. Er bot amerikanische Hilfe an, um die Erholung und den Wiederaufbau Europas zu fördern. In der Rede beschrieb er die Dysfunktion der europäischen Wirtschaft und begründete die amerikanische Hilfe.

Das moderne System der Arbeitsteilung, auf dem der Austausch von Produkten beruht, droht zusammenzubrechen. ... Abgesehen von der demoralisierenden Wirkung auf die ganze Welt und der Möglichkeit von Unruhen, die sich aus der Verzweiflung der betroffenen Menschen ergeben, sollten die Folgen für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten allen klar sein. Es ist logisch, dass die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht Stehende tun sollten, um zur Wiederherstellung einer normalen wirtschaftlichen Gesundheit in der Welt beizutragen, ohne die es keine politische Stabilität und keinen gesicherten Frieden geben kann. Unsere Politik richtet sich nicht gegen irgendein Land, sondern gegen Hunger, Armut, Verzweiflung und Chaos. Jede Regierung, die bereit ist, beim Wiederaufbau zu helfen, wird die volle Unterstützung der Vereinigten Staaten finden. Ihr Ziel sollte die Wiederbelebung einer funktionierenden Wirtschaft in der Welt sein, um das Entstehen politischer und sozialer Bedingungen zu ermöglichen, unter denen freie Institutionen existieren können.

Marshall war davon überzeugt, dass wirtschaftliche Stabilität zu politischer Stabilität in Europa führen würde. Er bot Hilfe an, aber die europäischen Länder mussten das Programm selbst organisieren.

Die Rede, die auf Marshalls Wunsch und unter der Leitung von Charles Bohlen verfasst wurde, enthielt praktisch keine Details und keine Zahlen. Sie war eher ein Vorschlag als ein Plan und forderte die europäischen Staats- und Regierungschefs zur Zusammenarbeit und Koordinierung auf. Er forderte die Europäer auf, einen eigenen Plan für den Wiederaufbau Europas zu erstellen, und wies darauf hin, dass die Vereinigten Staaten diesen Plan dann finanzieren würden. Die Regierung war der Ansicht, dass der Plan bei vielen Amerikanern wahrscheinlich unpopulär sein würde, und die Rede war hauptsächlich an ein europäisches Publikum gerichtet. Um die Rede aus den amerikanischen Zeitungen herauszuhalten, wurden die Journalisten nicht kontaktiert, und noch am selben Tag berief Truman eine Pressekonferenz ein, um die Schlagzeilen zu vertreiben. Im Gegensatz dazu wurde Dean Acheson, ein Unterstaatssekretär, entsandt, um die europäischen Medien, insbesondere die britischen, zu kontaktieren, und die Rede wurde in ihrer Gesamtheit von der BBC verlesen.

Unter den Zuhörern in Harvard befand sich auch der Student des Internationalen Rechts und der Diplomatie, Malcolm Crawford, der gerade seine Magisterarbeit mit dem Titel "A Blueprint for the Financing of Post-War Business and Industry in the United Kingdom and Republic of France" geschrieben hatte. Crawfords Dissertation wurde vom zukünftigen Richter am Obersten Gerichtshof Abe Fortas gelesen und Präsident Truman als Lösung für Marshalls Vorschlag präsentiert. Es war Crawfords These, die den Schlüssel zum Verkauf des Marshall-Plans an den Kongress lieferte, indem sie die Idee der "strategischen Partnerschaften" darlegte. Anstatt dass die Bundesregierung Europa direkt Geld zur Verfügung stellt, würden amerikanische Unternehmen Europa als strategischer Partner Technologie, Fachwissen und Material zur Verfügung stellen, und im Gegenzug würde die Bundesregierung Aktien der amerikanischen Unternehmen kaufen, um sie zu entschädigen. Auf diese Weise würde Europa die benötigte Hilfe erhalten, amerikanische Unternehmen würden Kapitalinvestitionen erhalten, und die Bundesregierung würde beim Verkauf der Aktien einen Gewinn erzielen.

Ablehnung durch Stalin

Der britische Außenminister Ernest Bevin hörte die im Radio übertragene Rede Marshalls und setzte sich sofort mit dem französischen Außenminister Georges Bidault in Verbindung, um eine rasche europäische Antwort auf das Angebot (und dessen Annahme) vorzubereiten, was zur Gründung des Ausschusses für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit führte. Die beiden waren sich einig, dass die Sowjets als andere verbündete Großmacht eingeladen werden müssten. Marshall hatte in seiner Rede ausdrücklich eine Einladung an die Sowjets ausgesprochen, da er der Meinung war, dass ein Ausschluss der Sowjets ein Zeichen des Misstrauens gewesen wäre. Die Beamten des Außenministeriums wussten jedoch, dass Stalin mit ziemlicher Sicherheit nicht teilnehmen würde und dass jeder Plan, der den Sowjets große Mengen an Hilfe zukommen lassen würde, wahrscheinlich nicht die Zustimmung des Kongresses finden würde.

Erste Reaktionen

In seiner Rede auf der Pariser Friedenskonferenz am 10. Oktober 1946 hatte Molotow bereits die sowjetischen Befürchtungen dargelegt: "Wenn man dem amerikanischen Kapital in den vom Krieg ruinierten und geschwächten Kleinstaaten freie Hand ließe, würde es die örtlichen Industrien aufkaufen, sich die attraktiveren rumänischen, jugoslawischen ... Unternehmen aneignen und die Herrschaft in diesen Kleinstaaten übernehmen." Während der sowjetische Botschafter in Washington vermutete, dass der Marshallplan zur Schaffung eines antisowjetischen Blocks führen könnte, war Stalin für das Angebot offen. Er wies an, dass die Länder des Ostblocks bei den in Paris stattfindenden Verhandlungen über die Hilfe die ihnen auferlegten wirtschaftlichen Bedingungen nicht ablehnen sollten. Stalin änderte seine Haltung erst, als er erfuhr, dass (a) die Kredite nur unter der Bedingung wirtschaftlicher Zusammenarbeit gewährt würden und (b) die Hilfe auch Deutschland insgesamt zugute käme, was nach Stalins Ansicht die Einflussmöglichkeiten der Sowjets in Westdeutschland beeinträchtigen würde.

Anfänglich versuchte Stalin, den Plan durch eine destruktive Teilnahme an den Pariser Gesprächen über die Bedingungen zu verhindern oder zumindest zu behindern. Er erkannte jedoch schnell, dass dies unmöglich sein würde, nachdem Molotow nach seiner Ankunft in Paris im Juli 1947 mitgeteilt hatte, dass die Bedingungen für den Kredit nicht verhandelbar seien. Ein ebenso großes Problem war die Bereitschaft der Tschechoslowakei, die Hilfe anzunehmen, sowie Anzeichen für eine ähnliche Haltung Polens.

Obligatorische Ablehnung des Ostblocks

Der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow verließ Paris und lehnte den Plan ab. Danach wurden Erklärungen abgegeben, die auf eine künftige Konfrontation mit dem Westen hindeuteten und die Vereinigten Staaten sowohl als "faschisierende" Macht als auch als "Zentrum der weltweiten Reaktion und antisowjetischer Aktivitäten" bezeichneten, wobei alle mit den USA verbündeten Länder als Feinde gebrandmarkt wurden. Die Sowjets gaben den Vereinigten Staaten auch die Schuld an den Verlusten der Kommunisten bei den Wahlen in Belgien, Frankreich und Italien, die Monate zuvor, im Frühjahr 1947, stattgefunden hatten. Die "Marshallisierung" müsse mit allen Mitteln bekämpft und verhindert werden, und die kommunistischen Parteien Frankreichs und Italiens sollten alle Anstrengungen unternehmen, um die Umsetzung des Plans zu sabotieren. Darüber hinaus wurden die westlichen Botschaften in Moskau isoliert, und ihrem Personal wurde der Kontakt mit sowjetischen Beamten verweigert.

Am 12. Juli wurde eine größere Sitzung in Paris einberufen. Alle europäischen Länder waren eingeladen, mit Ausnahme von Spanien (das im Zweiten Weltkrieg neutral war und mit den Achsenmächten sympathisiert hatte) und den Kleinstaaten Andorra, San Marino, Monaco und Liechtenstein. Die Sowjetunion wurde unter der Voraussetzung eingeladen, dass sie wahrscheinlich ablehnen würde. Auch die Staaten des künftigen Ostblocks wurden angesprochen, und die Tschechoslowakei und Polen sagten ihre Teilnahme zu. Eines der deutlichsten Anzeichen für die straffe sowjetische Kontrolle und Vorherrschaft in der Region war, dass Jan Masaryk, der Außenminister der Tschechoslowakei, nach Moskau vorgeladen und von Stalin beschimpft wurde, weil er eine mögliche Beteiligung der Tschechoslowakei am Marshallplan in Erwägung gezogen hatte. Der polnische Ministerpräsident Józef Cyrankiewicz wurde von Stalin für die Ablehnung des Plans durch sein Land belohnt, indem ihm die Sowjetunion ein lukratives Handelsabkommen mit einer Laufzeit von fünf Jahren, einen Zuschuss in Höhe von umgerechnet etwa 450 Millionen Dollar (1948; 2014 hätte die Summe 4,4 Milliarden Dollar betragen) in Form von langfristigen Krediten und Darlehen sowie die Bereitstellung von 200 000 Tonnen Getreide, Schwer- und Produktionsmaschinen sowie Fabriken und Schwerindustrie für Polen anbot.

Die Teilnehmer des Marshallplans waren nicht überrascht, als die tschechoslowakische und die polnische Delegation an der Teilnahme an der Pariser Tagung gehindert wurden. Die anderen Staaten des Ostblocks lehnten das Angebot sofort ab. Auch Finnland lehnte ab, um die Sowjets nicht zu verärgern (siehe auch Finnlandisierung). Die "Alternative" der Sowjetunion zum Marshall-Plan, die angeblich sowjetische Subventionen und Handel mit Westeuropa vorsah, wurde als Molotow-Plan und später als Comecon bekannt. In einer Rede vor den Vereinten Nationen im Jahr 1947 erklärte der stellvertretende sowjetische Außenminister Andrej Wyschinski, dass der Marshallplan gegen die Grundsätze der Vereinten Nationen verstoße. Er warf den Vereinigten Staaten vor, sie versuchten, anderen unabhängigen Staaten ihren Willen aufzuzwingen, während sie gleichzeitig wirtschaftliche Ressourcen, die als Hilfe an bedürftige Nationen verteilt wurden, als politisches Druckmittel einsetzten.

Jugoslawien

Während alle anderen kommunistischen Länder Europas sich Stalin unterworfen und die Hilfe abgelehnt hatten, stimmten die Jugoslawen unter der Führung von Josip Broz (Tito) zunächst zu und lehnten den Marshallplan ab. Im Jahr 1948 brach Tito jedoch in anderen Fragen entschlossen mit Stalin und machte Jugoslawien zu einem unabhängigen kommunistischen Staat. Jugoslawien bat um amerikanische Hilfe. Die amerikanische Führung war intern geteilter Meinung, stimmte aber schließlich zu und begann 1949 damit, in geringem Umfang und 1950-53 in wesentlich größerem Umfang Geld zu schicken. Die amerikanische Hilfe war nicht Teil des Marshall-Plans.

Szklarska Poręba-Treffen

Ende September berief die Sowjetunion ein Treffen von neun europäischen kommunistischen Parteien in Südwestpolen ein. Zu Beginn wurde ein Bericht der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) verlesen, der einen stark antiwestlichen Ton anschlug: "Die internationale Politik wird von der herrschenden Clique der amerikanischen Imperialisten beherrscht", die die "Versklavung der geschwächten kapitalistischen Länder Europas" in Angriff genommen habe, und die kommunistischen Parteien sollten mit allen Mitteln, einschließlich Sabotage, gegen die US-Präsenz in Europa kämpfen. Weiter heißt es in dem Bericht, dass "reaktionäre imperialistische Elemente in der ganzen Welt, insbesondere in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien und Frankreich, besondere Hoffnungen auf Deutschland und Japan gesetzt haben, vor allem auf das Hitler-Deutschland als eine Kraft, die am ehesten in der Lage ist, der Sowjetunion einen Schlag zu versetzen".

In Bezug auf den Ostblock heißt es in dem Bericht, dass "die befreiende Rolle der Roten Armee durch einen Aufschwung des Befreiungskampfes der freiheitsliebenden Völker gegen die faschistischen Räuber und ihre Handlanger ergänzt wurde" und dass "die Bosse der Wall Street" "den Platz Deutschlands, Japans und Italiens einnahmen". Der Marshall-Plan wurde als "amerikanischer Plan zur Versklavung Europas" bezeichnet, und die Welt zerfalle nun "im Wesentlichen in zwei Lager - das imperialistische und antidemokratische Lager auf der einen Seite und das antiimperialistische und demokratische Lager auf der anderen".

Obwohl die Ostblockländer mit Ausnahme der Tschechoslowakei die Marshall-Plan-Hilfe sofort abgelehnt hatten, wurden die kommunistischen Parteien des Ostblocks dafür verantwortlich gemacht, dass sie im Vorfeld des Marshall-Plans auch nur einen geringen Einfluss von Nichtkommunisten in ihren jeweiligen Ländern zuließen. Der Vorsitzende des Treffens, Andrej Schdanow, der in ständigem Funkkontakt mit dem Kreml stand, von dem er seine Anweisungen erhielt, warf den kommunistischen Parteien in Frankreich und Italien auch Kollaboration mit den innenpolitischen Agenden dieser Länder vor. Schdanow warnte, dass es "äußerst schädliche Folgen für die Entwicklung der Arbeit der Bruderparteien" haben würde, wenn sie weiterhin keinen internationalen Kontakt mit Moskau aufrechterhielten, um sich über alle Fragen zu beraten.

Die kommunistischen Führer Italiens und Frankreichs wurden durch die Parteivorschriften daran gehindert, darauf hinzuweisen, dass es eigentlich Stalin war, der sie angewiesen hatte, 1944 keine oppositionelle Haltung einzunehmen, dass die französische kommunistische Partei, wie andere auch, ihre Mission auf die "Zerstörung der kapitalistischen Wirtschaft" ausrichten sollte und dass das sowjetische kommunistische Informationsbüro (Cominform) die Kontrolle über die Aktivitäten der französischen kommunistischen Partei gegen den Marshall-Plan übernehmen würde. Als sie Schdanow fragten, ob sie sich auf einen bewaffneten Aufstand vorbereiten sollten, wenn sie nach Hause zurückkehrten, gab er keine Antwort. In einem weiteren Gespräch mit Stalin erklärt er, dass ein bewaffneter Kampf unmöglich sei und dass der Kampf gegen den Marshallplan unter der Losung der nationalen Unabhängigkeit geführt werden müsse.

Verabschiedung im Kongress

Der Kongress, der von den konservativen Republikanern kontrolliert wurde, stimmte dem Programm aus mehreren Gründen zu. Der 20-köpfige konservative, isolationistische Senatsflügel der Partei, der im ländlichen Mittleren Westen beheimatet war und von Senator Kenneth S. Wherry (R-Nebraska) angeführt wurde, wurde von dem aufstrebenden internationalistischen Flügel unter Führung von Senator Arthur H. Vandenberg (R-Michigan) ausmanövriert. Die Opposition argumentierte, dass es keinen Sinn mache, den Kommunismus zu bekämpfen, indem man die sozialistischen Regierungen in Westeuropa unterstütze, und dass amerikanische Waren nach Russland gelangen und dessen Kriegspotenzial erhöhen würden. Vandenberg, der von Senator Henry Cabot Lodge Jr. (R-Massachusetts) unterstützt wurde, räumte ein, dass es keine Gewissheit gebe, dass der Plan erfolgreich sein würde, sagte aber, dass er das wirtschaftliche Chaos aufhalten, die westliche Zivilisation erhalten und die weitere sowjetische Expansion stoppen würde. Senator Robert A. Taft (R-Ohio) war in dieser Frage zurückhaltend. Er sagte, es gäbe keine wirtschaftliche Rechtfertigung, aber es sei "absolut notwendig" im "weltweiten Kampf gegen den Kommunismus". Am Ende stimmten am 13. März 1948 nur 17 Senatoren dagegen. Ein Gesetzentwurf, der zunächst 5 Milliarden Dollar vorsah, wurde vom Kongress mit starker parteiübergreifender Unterstützung verabschiedet. Der Kongress bewilligte schließlich 12,4 Milliarden Dollar für die vierjährige Laufzeit des Plans.

Der Kongress spiegelte die öffentliche Meinung wider, die sich dem ideologischen Argument anschloss, dass Kommunismus in Armut gedeiht. In ganz Amerika sahen verschiedene Interessengruppen, darunter die Wirtschaft, die Arbeiterschaft, die Landwirtschaft, die Philanthropie, ethnische Gruppen und religiöse Gruppen, den Marshallplan als eine kostengünstige Lösung für ein massives Problem an und wiesen darauf hin, dass er auch den amerikanischen Exporten helfen und die amerikanische Wirtschaft ankurbeln würde. Große Zeitungen, darunter auch konservative Blätter wie das Time Magazine, unterstützten den Plan in hohem Maße. Vandenberg sicherte sich die parteiübergreifende Unterstützung im Ausschuss für auswärtige Beziehungen des Senats. Der demokratisch geprägte Süden unterstützte den Plan sehr, der obere Mittlere Westen war zwar skeptisch, aber zahlenmäßig stark unterlegen. Der Plan wurde von den Konservativen im ländlichen Mittleren Westen abgelehnt, die jedes größere staatliche Ausgabenprogramm ablehnten und den Europäern gegenüber sehr misstrauisch waren. Der Plan hatte auch einige Gegner auf der Linken, allen voran Henry A. Wallace, der ehemalige Vizepräsident. Er sagte, der Plan sei feindselig gegenüber der Sowjetunion, eine Subvention für amerikanische Exporteure und würde die Welt zwischen Ost und West polarisieren. Der Widerstand gegen den Marshall-Plan wurde jedoch durch den Schock des kommunistischen Staatsstreichs in der Tschechoslowakei im Februar 1948 stark verringert. Die Ernennung des prominenten Geschäftsmanns Paul G. Hoffman zum Direktor beruhigte die konservativen Geschäftsleute, dass die gigantischen Geldsummen effizient verwaltet werden würden.

Verhandlungen

Um den Plan in die Tat umzusetzen, waren Verhandlungen zwischen den beteiligten Ländern erforderlich. Sechzehn Nationen kamen in Paris zusammen, um festzulegen, in welcher Form die amerikanische Hilfe geleistet und wie sie aufgeteilt werden sollte. Die Verhandlungen waren langwierig und komplex, da jede Nation ihre eigenen Interessen vertrat. Frankreichs größte Sorge war, dass Deutschland nicht wieder zu seiner früheren bedrohlichen Macht zurückkehren würde. Die Benelux-Staaten (Belgien, Niederlande und Luxemburg) hatten zwar auch unter den Nazis gelitten, waren aber lange Zeit eng mit der deutschen Wirtschaft verbunden und waren der Meinung, dass ihr Wohlstand von deren Wiederbelebung abhing. Die skandinavischen Länder, insbesondere Schweden, bestanden darauf, dass ihre langjährigen Handelsbeziehungen mit den Ostblockstaaten nicht unterbrochen und ihre Neutralität nicht verletzt werden.

Das Vereinigte Königreich bestand auf einem Sonderstatus als langjähriger Kriegsteilnehmer während des Krieges, da es befürchtete, dass es bei einer Gleichbehandlung mit den zerstörten Kontinentalmächten praktisch keine Hilfe erhalten würde. Die Amerikaner betonten die Bedeutung des Freihandels und der europäischen Einheit als Bollwerk gegen den Kommunismus. Die Truman-Regierung, vertreten durch William L. Clayton, versprach den Europäern, dass sie den Plan selbst gestalten könnten, erinnerte sie aber auch daran, dass die Umsetzung des Plans von der Verabschiedung durch den Kongress abhänge. Die Mehrheit der Kongressabgeordneten setzte sich für den Freihandel und die europäische Integration ein und zögerte, einen zu großen Teil der Mittel für Deutschland auszugeben. Bevor der Marshallplan jedoch in Kraft treten konnte, benötigten Frankreich, Österreich und Italien Soforthilfe. Am 17. Dezember 1947 erklärten sich die Vereinigten Staaten bereit, Frankreich, Österreich, China und Italien 40 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen.

Schließlich wurde eine Einigung erzielt, und die Europäer schickten einen Wiederaufbauplan nach Washington, der 1947 vom Ausschuss für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit formuliert und verabschiedet wurde. In diesem Dokument forderten die Europäer 22 Milliarden Dollar an Hilfe. Truman kürzte diesen Betrag in dem dem Kongress vorgelegten Gesetzentwurf auf 17 Milliarden Dollar. Am 17. März 1948 sprach Truman vor einer eilig einberufenen gemeinsamen Sitzung des Kongresses über die europäische Sicherheit und verurteilte die Sowjetunion. In dem Bemühen, den sich ausbreitenden sowjetischen Einfluss im Ostblock einzudämmen, forderte Truman den Kongress auf, die Wehrpflicht in Friedenszeiten wieder einzuführen und das Gesetz über die wirtschaftliche Zusammenarbeit, den so genannten Marshall-Plan, rasch zu verabschieden. Über die Sowjetunion sagte Truman: "Die heutige Situation in der Welt ist nicht in erster Linie das Ergebnis der natürlichen Schwierigkeiten, die auf einen großen Krieg folgen. Sie ist vor allem darauf zurückzuführen, dass eine Nation sich nicht nur geweigert hat, an der Schaffung eines gerechten und ehrenhaften Friedens mitzuwirken, sondern - was noch schlimmer ist - aktiv versucht hat, diesen zu verhindern.

Die Mitglieder des von den Republikanern kontrollierten 80. Kongresses (1947-1949) waren skeptisch. "Er hat der Nation gesagt, dass wir den Frieden verloren haben, dass unsere gesamten Kriegsanstrengungen umsonst waren", bemerkte der Abgeordnete Frederick Smith aus Ohio. Andere meinten, er sei nicht energisch genug gewesen, um die UdSSR einzudämmen. "Was [Truman] gesagt hat, war nicht hart genug", bemerkte der Abgeordnete Eugene Cox, ein Demokrat aus Georgia, "es gibt keine Aussicht, jemals die russische Kooperation zu gewinnen." Trotz seiner Vorbehalte setzte der 80. Kongress die Forderungen Trumans um und verschärfte damit den Kalten Krieg mit der UdSSR weiter.

Truman unterzeichnete am 3. April 1948 das Gesetz über die wirtschaftliche Zusammenarbeit, mit dem die Economic Cooperation Administration (ECA) zur Verwaltung des Programms eingerichtet wurde. Die ECA wurde von dem Verwalter für wirtschaftliche Zusammenarbeit Paul G. Hoffman geleitet. Im selben Jahr unterzeichneten die teilnehmenden Länder (Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Westdeutschland, das Vereinigte Königreich, Griechenland, Island, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Schweden, die Schweiz, die Türkei und die Vereinigten Staaten) ein Abkommen zur Gründung einer übergeordneten Koordinierungsstelle für Finanzhilfe, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa (später Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung oder OECD genannt), die von dem Franzosen Robert Marjolin geleitet wurde.

Umsetzung

Erste Seite des Marshallplans

Laut Armin Grünbacher:

Die US-Regierung gab den teilnehmenden Ländern nicht direkt Geld, damit sie kaufen konnten, was sie zu brauchen glaubten. Stattdessen lieferten die USA die Waren und erbrachten Dienstleistungen, vor allem die transatlantische Schifffahrt, an die teilnehmenden Regierungen, die dann die Waren an Unternehmen und Einzelpersonen verkauften, die den Dollarwert der Waren in Landeswährung ("Gegenwert") auf so genannte ERP-Sonderkonten einzahlen mussten, die bei der Zentralbank des Landes eingerichtet wurden. Diese Vorgehensweise hatte drei Vorteile: Die Lieferung von US-Gütern nach Europa ohne europäische Dollar-Zahlungen trug dazu bei, die Dollar-Lücke zu verringern, die den europäischen Wiederaufbau behinderte; die angesammelten Mittel konnten für Investitionen in den langfristigen Wiederaufbau (wie in Frankreich und Deutschland) oder für die Rückzahlung der Kriegsschulden einer Regierung (wie in Großbritannien) verwendet werden; und die Zahlung der Waren in Landeswährung trug zur Begrenzung der Inflation bei, indem diese Mittel vorübergehend aus dem Verkehr gezogen wurden, während sie auf den Sonderkonten verblieben.

Das offizielle Ziel der ECA war es, die europäische Wirtschaft anzukurbeln: die europäische Produktion zu fördern, die europäische Währung zu stärken und den internationalen Handel zu erleichtern, insbesondere mit den Vereinigten Staaten, deren wirtschaftliches Interesse es erforderte, dass Europa wohlhabend genug wurde, um amerikanische Waren zu importieren. Ein weiteres inoffizielles Ziel der ECA (und des Marshall-Plans) war die Eindämmung des wachsenden sowjetischen Einflusses in Europa, der sich insbesondere im Erstarken der kommunistischen Parteien in Frankreich und Italien zeigte.

Die Gelder des Marshallplans wurden an die Regierungen der europäischen Länder überwiesen. Die Mittel wurden von den lokalen Regierungen und der ECA gemeinsam verwaltet. Jede europäische Hauptstadt hatte einen ECA-Beauftragten, in der Regel einen prominenten amerikanischen Geschäftsmann, der den Prozess beriet. Die kooperative Zuweisung von Mitteln wurde gefördert, und es wurden Gremien aus Regierungs-, Wirtschafts- und Gewerkschaftsführern einberufen, um die Wirtschaft zu untersuchen und festzustellen, wo Hilfe benötigt wurde. Die Empfängerländer wurden gemeinsam von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vertreten, die vom britischen Staatsmann Oliver Franks geleitet wurde.

Die Marshallplan-Hilfe wurde hauptsächlich für Waren aus den Vereinigten Staaten verwendet. Die europäischen Länder hatten ihre Devisenreserven während des Krieges nahezu aufgebraucht, und die Marshallplan-Hilfe war fast die einzige Möglichkeit, Waren aus dem Ausland zu importieren. Zu Beginn des Plans handelte es sich bei diesen Importen vor allem um dringend benötigte Grundnahrungsmittel wie Lebensmittel und Treibstoff, doch später wurden die Käufe, wie ursprünglich beabsichtigt, auf den Wiederaufbaubedarf ausgerichtet. In den letzten Jahren wurde auf Druck des US-Kongresses und mit dem Ausbruch des Koreakrieges ein immer größerer Teil der Hilfe für den Wiederaufbau der westeuropäischen Streitkräfte verwendet. Von den bis Mitte 1951 bereitgestellten 13 Mrd. $ wurden 3,4 Mrd. $ für die Einfuhr von Rohstoffen und Halbfabrikaten, 3,2 Mrd. $ für Nahrungsmittel, Futtermittel und Düngemittel, 1,9 Mrd. $ für Maschinen, Fahrzeuge und Ausrüstung und 1,6 Mrd. $ für Treibstoff ausgegeben.

Außerdem wurden Gegenwertfonds eingerichtet, die die Marshallplan-Hilfe zur Einrichtung von Fonds in der Landeswährung nutzten. Gemäß den ECA-Vorschriften mussten die Empfänger 60 % dieser Mittel in die Industrie investieren. Dies war vor allem in Deutschland der Fall, wo diese staatlich verwalteten Fonds eine entscheidende Rolle bei der Kreditvergabe an private Unternehmen spielten, die das Geld für den Wiederaufbau ausgeben sollten. Diese Fonds spielten eine zentrale Rolle bei der Reindustrialisierung Deutschlands. In den Jahren 1949-50 wurden beispielsweise 40 % der Investitionen in den deutschen Steinkohlenbergbau durch diese Fonds getätigt.

Die Unternehmen waren verpflichtet, die Kredite an den Staat zurückzuzahlen, und das Geld wurde dann an eine andere Gruppe von Unternehmen weiterverliehen. Dieser Prozess wird bis heute in Form der staatlichen KfW-Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau) fortgesetzt. Das Sondervermögen, das damals unter der Aufsicht des Bundeswirtschaftsministeriums stand, hatte 1971 ein Volumen von über 10 Mrd. DM. Im Jahr 1997 waren es 23 Mrd. DM. Über das revolvierende Kreditsystem hat der Fonds bis Ende 1995 zinsgünstige Darlehen an Bundesbürger in Höhe von rund 140 Mrd. DM vergeben. Die übrigen 40% der Gegenwertmittel wurden zur Schuldentilgung, zur Stabilisierung der Währung oder für Investitionen in nicht-industrielle Projekte verwendet. Frankreich hat die Gegenwertmittel am stärksten genutzt, um das Haushaltsdefizit zu verringern. In Frankreich und den meisten anderen Ländern wurden die Gegenwertmittel in die allgemeinen Staatseinnahmen integriert und nicht wie in Deutschland wiederverwendet.

Die Niederlande erhielten US-Hilfe für den wirtschaftlichen Wiederaufbau in Niederländisch-Indien. Im Januar 1949 setzte die amerikanische Regierung diese Hilfe jedoch als Reaktion auf die niederländischen Bemühungen zur Wiederherstellung der Kolonialherrschaft in Indonesien während der indonesischen Nationalrevolution aus und drohte implizit mit der Aussetzung der Marshall-Hilfe für die Niederlande, falls die niederländische Regierung sich weiterhin gegen die Unabhängigkeit Indonesiens stellen würde.

Zu dieser Zeit waren die Vereinigten Staaten ein bedeutender Ölproduzent - eines der Ziele des Marshallplans war es, dass Europa Öl anstelle von Kohle verwendet, aber die Europäer wollten Rohöl kaufen und die Marshallplanmittel stattdessen für den Bau von Raffinerien verwenden. Als sich jedoch unabhängige amerikanische Ölgesellschaften beschwerten, verweigerte die ECA die Mittel für den Bau europäischer Raffinerien.

Programm für technische Hilfe

Bauarbeiten in West-Berlin mit Hilfe des Marshall-Plans nach 1948. Auf der Plakette steht: "Notprogramm Berlin - mit Hilfe des Marshall-Plans".
US-Hilfe für Griechenland im Rahmen des Marshall-Plans

Eine hohe Priorität hatte die Steigerung der industriellen Produktivität in Europa, was sich als einer der erfolgreichsten Aspekte des Marshall-Plans erwies. Das US Bureau of Labor Statistics (BLS) trug wesentlich zum Erfolg des Programms für technische Hilfe bei. Der Kongress der Vereinigten Staaten verabschiedete am 7. Juni 1940 ein Gesetz, das es dem BLS erlaubte, "fortlaufende Studien zur Arbeitsproduktivität" durchzuführen, und stellte Mittel für die Einrichtung einer Abteilung für Produktivität und technologische Entwicklung bereit. Das BLS konnte dann sein Fachwissen auf dem Gebiet der produktiven Effizienz nutzen, um in jedem westeuropäischen Land, das Hilfe im Rahmen des Marshallplans erhielt, eine Produktivitätsoffensive durchzuführen. Mit den Gegenwertmitteln wurden groß angelegte Besuche in der amerikanischen Industrie finanziert. Frankreich beispielsweise entsandte 500 Missionen mit 4700 Geschäftsleuten und Experten, um amerikanische Fabriken, Farmen, Geschäfte und Büros zu besichtigen. Sie waren besonders beeindruckt vom Wohlstand der amerikanischen Arbeiter und davon, dass sie für neun Monate Arbeit ein preiswertes neues Auto kaufen konnten, im Vergleich zu 30 Monaten Arbeit in Frankreich.

Durch technologische Literaturerhebungen und organisierte Betriebsbesuche konnten amerikanische Ökonomen, Statistiker und Ingenieure die europäischen Hersteller in statistischen Messungen unterweisen. Ziel der statistischen und technischen Unterstützung durch die Amerikaner war es, die produktive Effizienz der europäischen Hersteller in allen Branchen zu steigern.

Um diese Analyse durchzuführen, führte das BLS zwei Arten von Produktivitätsberechnungen durch. Erstens wurde anhand vorhandener Daten berechnet, wie viel ein Arbeitnehmer pro Arbeitsstunde produziert - die durchschnittliche Produktionsrate. Zweitens wurden die bestehenden Produktionsraten in einem bestimmten Land mit den Produktionsraten in anderen Ländern verglichen. Durch die Durchführung dieser Berechnungen für alle Branchen konnte das BLS die Stärken und Schwächen des verarbeitenden Gewerbes und der Industrieproduktion eines jeden Landes ermitteln. Auf dieser Grundlage konnte das BLS Technologien (vor allem statistische) empfehlen, die jedes einzelne Land einsetzen könnte. Oft kamen diese Technologien aus den Vereinigten Staaten; als das Programm für technische Unterstützung begann, waren die Vereinigten Staaten mit ihren statistischen Technologien "mehr als eine Generation weiter als [die Europäer]".

Das BLS nutzte diese statistischen Technologien zur Erstellung von Fabrikleistungsberichten für westeuropäische Länder. Die amerikanische Regierung entsandte Hunderte von technischen Beratern nach Europa, um Arbeiter vor Ort zu beobachten. Diese Vor-Ort-Analysen machten die Fabrikleistungsberichte für die Hersteller besonders hilfreich. Darüber hinaus finanzierte das Technical Assistance Program 24.000 europäische Ingenieure, Führungskräfte und Industrielle, die Amerika besuchten und die amerikanischen Fabriken, Bergwerke und Produktionsstätten besichtigten. Auf diese Weise konnten die europäischen Besucher in ihre Heimatländer zurückkehren und die in den Vereinigten Staaten verwendeten Technologien umsetzen. Die Analysen in den Berichten über die Leistungsfähigkeit der Fabriken und die praktischen Erfahrungen der europäischen Produktivitäts-Teams zeigten Produktivitätsmängel in der europäischen Industrie auf; dadurch wurde klarer, wie die europäische Produktion effektiver gestaltet werden konnte.

Noch bevor das Programm für technische Hilfe in Kraft trat, äußerte der amerikanische Arbeitsminister Maurice Tobin gegenüber amerikanischen und europäischen Wirtschaftsführern sein Vertrauen in die amerikanische Produktivität und Technologie. Er drängte darauf, dass die Vereinigten Staaten eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der europäischen Produktionseffizienz spielen sollten, und gab vier Empfehlungen für die Verwalter des Programms:

  1. Das Produktivitätspersonal des BLS sollte in amerikanisch-europäischen Produktivitätsräten mitarbeiten;
  2. dass Produktivitätsziele (auf der Grundlage amerikanischer Produktivitätsstandards) zur Steigerung der Produktivität umgesetzt werden können und sollten;
  3. dass ein allgemeiner Austausch und eine Veröffentlichung von Informationen stattfinden sollte; und
  4. dass der Dienst "Technical Abstract" die zentrale Informationsquelle sein sollte.

Die Auswirkungen des Programms für technische Hilfe beschränkten sich nicht auf die Verbesserung der produktiven Effizienz. Während die Tausenden von europäischen Führungskräften ihre Arbeits-/Studienreisen in die Vereinigten Staaten unternahmen, konnten sie auch eine Reihe von Aspekten der amerikanischen Gesellschaft beobachten. Die Europäer konnten beobachten, wie lokale, bundesstaatliche und föderale Regierungen mit den Bürgern in einer pluralistischen Gesellschaft zusammenarbeiten. Sie beobachteten eine demokratische Gesellschaft mit offenen Universitäten und Bürgergesellschaften sowie fortschrittlichen Fabriken und Produktionsstätten. Das Programm für technische Hilfe ermöglichte es den Europäern, viele amerikanische Ideen mit nach Hause zu nehmen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Programms für technische Hilfe waren seine geringen Kosten. Während im Marshallplan 19,4 Milliarden Dollar für Kapitalkosten vorgesehen waren, benötigte das Programm für technische Hilfe nur 300 Millionen Dollar. Nur ein Drittel dieser 300 Millionen Dollar wurde von den Vereinigten Staaten bezahlt.

Vereinigtes Königreich

Nach dem Krieg befand sich Großbritannien in einer tiefen Finanzkrise, während die Vereinigten Staaten einen Wirtschaftsboom erlebten. Die Vereinigten Staaten finanzierten die britische Staatskasse auch nach dem Krieg weiter. Ein Großteil dieser Hilfe diente der Wiederherstellung der Infrastruktur und der Unterstützung von Flüchtlingen. Großbritannien erhielt 1946 ein Notdarlehen in Höhe von 3,75 Milliarden Dollar mit einer Laufzeit von 50 Jahren und einem niedrigen Zinssatz von 2 %. Der Marshall-Plan bot eine dauerhaftere Lösung, da er Großbritannien 3,3 Milliarden Dollar zur Verfügung stellte. Die Marshall-Gelder waren ein Geschenk und an die Bedingung geknüpft, dass Großbritannien seinen Haushalt ausgleicht, die Zölle kontrolliert und angemessene Währungsreserven unterhält. Die britische Labour-Regierung unter Premierminister Clement Attlee war ein begeisterter Teilnehmer.

Die Amerikaner verfolgten mit dem Marshall-Plan das Ziel, den Wiederaufbau der britischen Nachkriegswirtschaft zu unterstützen, die Wirtschaft zu modernisieren und Handelsschranken abzubauen. Als die Sowjetunion sich weigerte, sich zu beteiligen oder ihren Satelliten die Teilnahme zu gestatten, wurde der Marshall-Plan zu einem Element des entstehenden Kalten Krieges.

Es gab politische Spannungen zwischen den beiden Nationen hinsichtlich der Anforderungen des Marshall-Plans. London war skeptisch gegenüber Washingtons Betonung der wirtschaftlichen Integration Europas als Lösung für den Wiederaufbau nach dem Krieg. Eine Integration mit Europa würde zu diesem Zeitpunkt bedeuten, dass die engen Beziehungen zum entstehenden Commonwealth gekappt würden. London versuchte, Washington davon zu überzeugen, dass amerikanische Wirtschaftshilfe, insbesondere für den Sterling-Währungsraum, notwendig sei, um die Dollarknappheit zu beheben. Britische Wirtschaftswissenschaftler argumentierten, dass ihre Position 1950 bestätigt wurde, als die europäische Industrieproduktion das Vorkriegsniveau übertraf. Washington verlangte am 15. Juli 1947 die Konvertierbarkeit der Pfundwährung, was zu einer schweren Finanzkrise für Großbritannien führte. Die Konvertierbarkeit wurde am 20. August 1947 ausgesetzt. Bis 1950 beendeten jedoch die amerikanische Wiederaufrüstung und die hohen Ausgaben für den Koreakrieg und den Kalten Krieg schließlich die Dollarknappheit. Die Zahlungsbilanzprobleme, mit denen die Nachkriegsregierung zu kämpfen hatte, waren laut Jim Tomlinson weniger auf den wirtschaftlichen Niedergang als vielmehr auf politische Übertreibungen zurückzuführen.

Westdeutschland und Österreich

Westdeutsche Briefmarke von 1960 zu Ehren von George Marshall

Der Marshall-Plan wurde in Westdeutschland (1948-1950) umgesetzt, um die Geschäftsabläufe zu modernisieren und die besten Praktiken zu nutzen. Der Marshallplan ermöglichte es Westdeutschland, schnell zu seinem traditionellen Muster der industriellen Produktion mit einem starken Exportsektor zurückzukehren. Ohne den Plan hätte die Landwirtschaft eine größere Rolle in der Erholungsphase gespielt, die ihrerseits länger gedauert hätte. In Bezug auf Österreich hat Günter Bischof festgestellt, dass "die österreichische Wirtschaft, die mit einem Übermaß an Mitteln aus dem Europäischen Wiederaufbauprogramm versorgt wurde, "wundersame" Wachstumszahlen produzierte, die denen Deutschlands entsprachen und sie manchmal sogar übertrafen".

Die Marshall-Hilfe im Allgemeinen und die Gegenwertmittel im Besonderen hatten einen bedeutenden Einfluss auf die Propaganda des Kalten Krieges und auf wirtschaftliche Angelegenheiten in Westeuropa, was höchstwahrscheinlich zum Rückgang der Attraktivität der einheimischen kommunistischen Parteien beitrug.

Ausgaben

Die Marshallplan-Hilfe wurde unter den teilnehmenden Staaten in etwa pro Kopf aufgeteilt. Ein größerer Betrag ging an die großen Industriemächte, da die vorherrschende Meinung war, dass ihre Wiederbelebung für den allgemeinen Aufschwung Europas unerlässlich war. Etwas mehr Pro-Kopf-Hilfe erhielten auch die alliierten Länder, weniger die Länder, die zur Achse gehörten oder neutral blieben. Eine Ausnahme bildete Island, das während des Krieges neutral war, aber pro Kopf der Bevölkerung weit mehr erhielt als der zweitgrößte Empfänger.

Die folgende Tabelle zeigt die Marshallplan-Hilfe nach Land und Jahr (in Millionen Dollar) aus The Marshall Plan Fifty Years Later. Über die genauen Beträge besteht kein Konsens, da verschiedene Wissenschaftler unterschiedliche Auffassungen darüber haben, welche Elemente der amerikanischen Hilfe in diesem Zeitraum Teil des Marshallplans waren.

Land 1948/49
(Millionen Dollar)
1949/50
(Millionen Dollar)
1950/51
(Millionen Dollar)
Kumulativ
(Millionen Dollar)
 Österreich 232 166 70 468
 Belgien und  Luxemburg 195 222 360 777
 Dänemark 103 87 195 385
 Frankreich 1,085 691 520 2,296
 Westdeutschland 510 438 500 1,448
 Griechenland 175 156 45 376
 Island 6 22 15 43
 Irland 88 45 0 133
 Italien und  Triest 594 405 205 1,204
 Niederlande 471 302 355 1,128
 Norwegen 82 90 200 372
 Portugal 0 0 70 70
 Schweden 39 48 260 347
  Schweiz 0 0 250 250
 Türkei 28 59 50 137
 Vereinigtes Königreich 1,316 921 1,060 3,297
Gesamtzahl 4,924 3,652 4,155 12,731

Darlehen und Zuschüsse

Der Marshallplan umfasste ebenso wie GARIOA Hilfen sowohl in Form von Zuschüssen als auch in Form von Darlehen. Von der Gesamtsumme entfielen 1,2 Milliarden US-Dollar auf Darlehen.

Irland, das 146,2 Mio. USD im Rahmen des Marshallplans erhielt, bekam 128,2 Mio. USD als Darlehen und die restlichen 18 Mio. USD als Zuschüsse. Bis 1969 beliefen sich die irischen Marshall-Plan-Schulden, die immer noch zurückgezahlt wurden, auf 31 Millionen Pfund, bei einer irischen Auslandsverschuldung von insgesamt 50 Millionen Pfund. Das Vereinigte Königreich erhielt 385 Millionen US-Dollar seiner Marshallplan-Hilfe in Form von Darlehen. Unabhängig vom Marshallplan erhielt das Vereinigte Königreich auch direkte Darlehen von den USA in Höhe von 4,6 Milliarden US-Dollar. Das Verhältnis von Marshallplan-Darlehen zu Marshallplan-Zuschüssen lag sowohl für das Vereinigte Königreich als auch für Frankreich bei etwa 15 % bis 85 %.

Deutschland, das bis zum Schuldenabkommen von 1953 davon ausgehen musste, dass die gesamte Marshallplan-Hilfe zurückgezahlt werden würde, ging mit seinen Mitteln sehr sorgfältig um. Die Bezahlung der Marshallplan-Güter, die "Gegenwertmittel", wurden von der Kreditanstalt für Wiederaufbau verwaltet, die die Mittel für Kredite innerhalb Deutschlands verwendete. In der Schuldenvereinbarung von 1953 wurde der Betrag der Marshallplan-Hilfe, den Deutschland zurückzahlen sollte, auf weniger als 1 Milliarde US-Dollar reduziert. Damit war das Verhältnis zwischen Darlehen und Zuschüssen für Deutschland ähnlich wie das von Frankreich und dem Vereinigten Königreich. Die letzte deutsche Darlehensrückzahlung wurde 1971 geleistet. Da Deutschland sich dafür entschied, die Hilfsschulden aus dem Bundeshaushalt zu tilgen und den deutschen ERP-Fonds unangetastet zu lassen, konnte der Fonds seine Wiederaufbauarbeit fortsetzen. Bis 1996 hatte er einen Wert von 23 Milliarden D-Mark angesammelt.

Wirtschaftshilfe vom 3. April 1948 bis zum 30. Juni 1952 (in Millionen Dollar der damaligen Zeit)
Länder Gesamt (m$.) Zuschüsse (m$.) Darlehen (m$.)
Österreich 677.8 677.8 /
Belgien-Luxemburg 559.3 491.3 68.0
Dänemark 273.0 239.7 33.3
Frankreich 2,713.6 2,488.0 255.6
Deutschland (BRD) 1,390.6 1,173.7 216.9
Griechenland 706.7 706.7 /
Island 29.3 24.0 5.3
Irland 147.5 19.3 128.2
Italien (einschl. Triest) 1,208.8 1,113.2 95.6
Niederlande (*Indonesien) 1,083.5 916.8 166.7
Norwegen 255.3 216.1 39.2
Portugal 51.2 15.1 36.1
Schweden 107.3 86.9 20.4
Türkei 225.1 140.1 85.0
Vereinigtes Königreich 3,189.8 2,895.0 384.8
Regional 407.0 407.0 /
Insgesamt für alle Länder 13,325.8 11,820.7 1,505.1

Finanzierung von CIA-Fronten

Die Central Intelligence Agency (CIA) erhielt 5 % der Marshallplan-Mittel (etwa 685 Mio. USD über sechs Jahre verteilt), die sie zur Finanzierung von Geheimoperationen im Ausland verwendete. Über das Office of Policy Coordination wurde das Geld zur Unterstützung von Gewerkschaften, Zeitungen, Studentengruppen, Künstlern und Intellektuellen verwendet, die den von den Kommunisten geförderten antiamerikanischen Gegenspielern entgegenwirken sollten. Der größte Betrag ging an den Kongress für kulturelle Freiheit. Bei den Sowjets und ihren Satellitenstaaten waren keine Agenten tätig. Die Gründungskonferenz des Kongresses für kulturelle Freiheit fand im Juni 1950 in Berlin statt. Zu den führenden Intellektuellen aus den USA und Westeuropa gehörten Schriftsteller, Philosophen, Kritiker und Historiker: Franz Borkenau, Karl Jaspers, John Dewey, Ignazio Silone, James Burnham, Hugh Trevor-Roper, Arthur Schlesinger Jr., Bertrand Russell, Ernst Reuter, Raymond Aron, Alfred Ayer, Benedetto Croce, Arthur Koestler, Richard Löwenthal, Melvin J. Lasky, Tennessee Williams, Irving Brown und Sidney Hook. Unter den Teilnehmern befanden sich zwar auch Konservative, doch waren nichtkommunistische (oder ehemals kommunistische) Linke in der Überzahl.

Auswirkungen und Vermächtnis

Eines der zahlreichen Plakate, die zur Förderung des Marshallplans in Europa erstellt wurden. Man beachte die zentrale Stellung der amerikanischen Flagge. Die blau-weiße Flagge zwischen den Flaggen Deutschlands und Italiens ist eine Version der Flagge von Triest, bei der die UNO blau statt des traditionellen Rot ist.

Der Marshallplan sollte ursprünglich 1953 auslaufen. Alle Bemühungen, ihn zu verlängern, wurden durch die wachsenden Kosten des Koreakriegs und der Wiederaufrüstung gestoppt. Außerdem hatten die amerikanischen Republikaner, die dem Plan ablehnend gegenüberstanden, bei den Kongresswahlen 1950 Sitze gewonnen, und die konservative Opposition gegen den Plan lebte wieder auf. So endete der Plan 1951, obwohl verschiedene andere Formen der amerikanischen Hilfe für Europa danach fortgesetzt wurden.

Die Jahre 1948 bis 1952 erlebten die schnellste Wachstumsperiode in der europäischen Geschichte. Die Industrieproduktion stieg um 35 %. Die landwirtschaftliche Produktion übertraf das Vorkriegsniveau erheblich. Die Armut und der Hunger der unmittelbaren Nachkriegsjahre verschwanden, und Westeuropa erlebte zwei Jahrzehnte beispiellosen Wachstums, in denen der Lebensstandard drastisch anstieg. Darüber hinaus führte der langfristige Effekt der wirtschaftlichen Integration zu einem erheblichen Anstieg des europäischen Einkommensniveaus, das bis Mitte der 1970er Jahre um fast 20 Prozent stieg. Unter Historikern gibt es eine Debatte darüber, inwieweit dies dem Marshallplan zuzuschreiben ist. Die meisten lehnen die Vorstellung ab, dass der Marshallplan allein Europa auf wundersame Weise wiederbelebt hat, da die Beweise zeigen, dass ein allgemeiner Aufschwung bereits im Gange war. Die meisten glauben, dass der Marshallplan diesen Aufschwung beschleunigt, aber nicht ausgelöst hat. Viele argumentieren, dass die strukturellen Anpassungen, die er erzwungen hat, von großer Bedeutung waren. Die Wirtschaftshistoriker J. Bradford DeLong und Barry Eichengreen bezeichnen ihn als "das erfolgreichste Strukturanpassungsprogramm der Geschichte". Eine Auswirkung des Plans war die subtile "Amerikanisierung" der europäischen Länder, insbesondere Österreichs, durch den neuen Kontakt mit der amerikanischen Populärkultur, einschließlich des wachsenden Einflusses von Hollywood-Filmen und Rock n' Roll.

Die politischen Auswirkungen des Marshallplans waren möglicherweise ebenso wichtig wie die wirtschaftlichen. Die Marshallplan-Hilfe ermöglichte es den westeuropäischen Staaten, Sparmaßnahmen und Rationierungen zu lockern, was die Unzufriedenheit verringerte und politische Stabilität brachte. Der kommunistische Einfluss auf Westeuropa wurde stark zurückgedrängt, und überall in der Region verloren die kommunistischen Parteien in den Jahren nach dem Marshallplan an Popularität. Die durch den Marshallplan geförderten Handelsbeziehungen trugen dazu bei, das nordatlantische Bündnis zu schmieden, das in Form der NATO während des gesamten Kalten Krieges fortbestehen sollte. Gleichzeitig war die Nichtbeteiligung der Staaten des Ostblocks eines der ersten deutlichen Anzeichen dafür, dass der Kontinent nun geteilt war.

Auch der Marshallplan spielte eine wichtige Rolle bei der europäischen Integration. Sowohl die Amerikaner als auch viele der europäischen Staats- und Regierungschefs waren der Ansicht, dass die europäische Integration notwendig war, um den Frieden und den Wohlstand in Europa zu sichern, und nutzten daher die Leitlinien des Marshallplans, um die Integration zu fördern. In gewisser Weise scheiterten diese Bemühungen, da die OEEC nie mehr als ein Akteur der wirtschaftlichen Zusammenarbeit wurde. Vielmehr war es die separate Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, der Großbritannien nicht angehörte, aus der schließlich die Europäische Union hervorging. Die OEEC diente jedoch sowohl als Test- als auch als Übungsfeld für die Strukturen, die später von der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft genutzt werden sollten. Der Marshallplan, der mit dem Bretton-Woods-System verknüpft war, schrieb ebenfalls den freien Handel in der gesamten Region vor.

Obwohl einige Historiker heute der Meinung sind, dass das Lob für den Marshall-Plan übertrieben ist, wird er immer noch positiv gesehen, und viele sind der Meinung, dass ein ähnliches Projekt auch anderen Regionen der Welt helfen würde. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus schlugen einige einen "Marshallplan für Osteuropa" vor, der zur Wiederbelebung dieser Region beitragen sollte. Andere haben einen Marshallplan für Afrika vorgeschlagen, um diesem Kontinent zu helfen, und US-Vizepräsident Al Gore schlug einen globalen Marshallplan vor. Der Begriff "Marshallplan" ist zu einer Metapher für ein sehr umfangreiches Regierungsprogramm geworden, das ein bestimmtes soziales Problem lösen soll. Er wird in der Regel verwendet, wenn staatliche Ausgaben gefordert werden, um ein vermeintliches Versagen des privaten Sektors zu korrigieren.

Nicholas Shaxson kommentiert: "Es wird weithin angenommen, dass der Plan funktionierte, indem er die gähnenden Defizite der europäischen Länder ausglich. Aber seine wahre Bedeutung ... bestand einfach darin, das Versäumnis der USA zu kompensieren, die Zuflüsse von heißem Geld aus Europa zu kontrollieren. ... Die amerikanische Nachkriegshilfe war geringer als das Geld, das in die andere Richtung floss." Europäisches heißes Geld blähte den US-Dollar auf, zum Nachteil der US-Exporteure.

Es ist weitgehend unumstritten, dass der Marshallplan zur Blockbildung im Rahmen der Containment-Politik des US-Präsidenten Truman beigetragen hat. Die USA wollten mit ihm „eine umfassende Stabilisierung [erreichen], mit der auf Europa auch Druck ausgeübt wurde, um eine nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Zusammenarbeit zu sichern.“ Somit beförderte der Marshallplan die Akzeptanz für die hegemoniale Stellung der USA in Westeuropa.

Welche Rolle das Angebot an die UdSSR und der mit ihr verbündeten Staaten, am Programm teilzunehmen, spielte, ist kontrovers diskutiert worden. Nach der Auswertung von Archiven der ehemaligen Sowjetunion sind Forscher zu dem Schluss gekommen, dass zumindest anfangs die Führung der UdSSR eine Beteiligung am Programm ernsthaft erwogen hat. Für die USA kommt Hogan zu dem Ergebnis, dass eigentlich nur die westeuropäischen Staaten unterstützt werden sollten. Ob die USA mit dem Marshallplan die sowjetische Expansion zurückdrängte oder damit die Teilung Deutschlands und Europas aktiv betrieben und bewirkt haben, ist auch eine Frage des politischen Standpunkts und deshalb kontrovers.

Charles Bettelheim geht davon aus, dass es allein der Marshallplan war, der es Frankreich ermöglichte, in einer wirtschaftlich kritischen Situation den Indochinakrieg zu führen.

Die politische Bedeutung des Marshallplans für die drei westlichen Besatzungszonen und die 1949 gegründete Bundesrepublik Deutschland ist intensiv erforscht worden. Wenig Zweifel bestehen an der großen Bedeutung des Marshallplans für West-Deutschland. In der Forschung wird hervorgehoben, dass die Einbeziehung der drei West-Zonen in den Marshallplan wesentlich zur Bindung der späteren Bundesrepublik an die USA beitrug. Die Folge war auch, dass unter Konrad Adenauer keine eigenständige Ostpolitik betrieben wurde und die Bevölkerung dies mehrheitlich unterstützte. Zudem war die Bundesrepublik bereits bei ihrer Gründung in die Strukturen der OEEC eingebunden, sodass die Deutschen in Europa wieder Gesprächs- und Verhandlungspartner waren. Somit ebnete der Marshallplan der Bundesrepublik Deutschland die Rückkehr auf die internationale Bühne und ihre Eingliederung in den Welthandel.

Rückzahlung

Die Gelder des Marshallplans wurden in Form von Zuschüssen des US-Finanzministeriums gewährt, die nicht zurückgezahlt werden mussten. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa (OEEC) war federführend bei der Zuteilung der Mittel, und die OEEC sorgte für den Transfer der Waren. Der amerikanische Lieferant wurde in Dollar bezahlt, die mit den entsprechenden Mitteln des European Recovery Program verrechnet wurden. Der europäische Empfänger erhielt die Waren jedoch nicht geschenkt, sondern musste sie (in der Regel auf Kredit) in Landeswährung bezahlen. Diese Zahlungen wurden von der beteiligten europäischen Regierung in einem speziellen Gegenwertfonds verwahrt. Diese Gegenwertmittel konnten wiederum von der Regierung für weitere Investitionsprojekte verwendet werden. Fünf Prozent der Gegenwertmittel wurden an die USA gezahlt, um die Verwaltungskosten des ERP zu decken. Zusätzlich zu den ERP-Zuschüssen gewährte die Export-Import-Bank (eine Einrichtung der US-Regierung) zur gleichen Zeit langfristige Kredite zu niedrigen Zinssätzen, um größere Anschaffungen in den USA zu finanzieren, die alle zurückgezahlt wurden.

Im Falle Deutschlands gab es außerdem 16 Milliarden Mark an Schulden aus den 1920er Jahren, die in den 1930er Jahren ausgefallen waren, die Deutschland aber zurückzahlen wollte, um seinen Ruf wiederherzustellen. Dieses Geld wurde staatlichen und privaten Banken in den USA, Frankreich und Großbritannien geschuldet. Weitere 16 Milliarden Mark entfielen auf Nachkriegskredite der USA. Im Rahmen des Londoner Schuldenabkommens von 1953 wurde der rückzahlbare Betrag um 50 % auf etwa 15 Milliarden Mark reduziert und auf 30 Jahre gestreckt, was im Vergleich zur schnell wachsenden deutschen Wirtschaft von geringer Bedeutung war.

Vom Plan ausgeschlossene Gebiete

Große Teile der vom Zweiten Weltkrieg verwüsteten Welt kamen nicht in den Genuss des Marshallplans. Die einzige große westeuropäische Nation, die nicht in den Genuss des Marshallplans kam, war Francisco Francos Spanien, das in Washington äußerst unbeliebt war. Mit der Eskalation des Kalten Krieges überdachten die Vereinigten Staaten ihre Haltung und nahmen 1951 Spanien als Verbündeten auf, ermutigt durch Francos aggressive antikommunistische Politik. In den nächsten zehn Jahren erhielt Spanien eine beträchtliche Menge an amerikanischer Hilfe, aber weniger als seine Nachbarn im Rahmen des Marshall-Plans erhalten hatten.

Die Sowjetunion war vom Krieg ebenso schwer getroffen worden wie alle anderen Teile der Welt. Die Sowjetunion zwang die Verbündeten der Achsenmächte, die in ihrem Einflussbereich lagen, zu hohen Reparationszahlungen. Österreich, Finnland, Ungarn, Rumänien und vor allem Ostdeutschland waren gezwungen, enorme Summen zu zahlen und große Mengen an Material in die UdSSR zu liefern. Diese Reparationszahlungen bedeuteten, dass die Sowjetunion selbst etwa so viel erhielt, wie 16 europäische Länder insgesamt an Marshallplan-Hilfe bekamen.

Gemäß den Vereinbarungen mit der UdSSR begann am 31. März 1946 der Abtransport der demontierten deutschen Industrieanlagen aus dem Westen. Im Gegenzug sollte die Sowjetunion Rohstoffe wie Lebensmittel und Holz in die Westzonen liefern. Da die Sowjetunion dies nicht tat, stoppten die Westzonen die Lieferungen nach Osten, angeblich vorübergehend, aber sie wurden nie wieder aufgenommen. Später stellte sich heraus, dass der Hauptgrund für die Einstellung der Lieferungen nach Osten nicht das Verhalten der UdSSR war, sondern das widerspenstige Verhalten Frankreichs. Beispiele für Material, das die UdSSR erhielt, waren Ausrüstungen aus dem Kugellagerwerk von Kugel-Fischer in Schweinfurt, dem unterirdischen Daimler-Benz-Flugzeugmotorenwerk in Obrigheim, den Deschimag-Werften in Bremen-Weser und dem Kraftwerk Gendorf.

Die UdSSR gründete den COMECON als Antwort auf den Marshall-Plan, um den Ländern des Ostblocks Hilfe zukommen zu lassen, was jedoch durch die Bemühungen der Sowjetunion um die Bewältigung ihrer eigenen Erholung vom Krieg erschwert wurde. Die Mitglieder des RGW benötigten von der Sowjetunion Öl; im Gegenzug lieferten sie Maschinen, Ausrüstungen, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Industriegüter und Konsumgüter an die Sowjetunion. Die wirtschaftliche Erholung im Osten verlief wesentlich langsamer als im Westen, was zur Bildung von Mangelwirtschaften und einem Wohlstandsgefälle zwischen Ost und West führte. Finnland, dem die UdSSR die Teilnahme am Marshallplan untersagte und das hohe Reparationszahlungen an die UdSSR leisten musste, erreichte 1947 wieder das Vorkriegsniveau seiner Wirtschaft. Auch in Frankreich, das im Rahmen des Marshall-Plans Milliarden von Dollar erhielt, erreichte das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen bis 1949 fast wieder das Vorkriegsniveau. Bis Mitte 1948 hatte sich die Industrieproduktion in Polen, Ungarn, Bulgarien und der Tschechoslowakei auf ein Niveau etwas über dem Vorkriegsniveau erholt.

Hilfe für Asien

Vom Kriegsende bis Ende 1953 gewährten die USA den asiatischen Ländern Zuschüsse und Kredite in Höhe von 5,9 Milliarden Dollar, insbesondere der Rep. China (Taiwan) (1,051 Milliarden Dollar), Indien (255 Millionen Dollar), Indonesien (215 Millionen Dollar), Japan (2,444 Milliarden Dollar), Südkorea (894 Millionen Dollar), Pakistan (98 Millionen Dollar) und den Philippinen (803 Millionen Dollar). Weitere 282 Millionen Dollar gingen an Israel und 196 Millionen Dollar an den übrigen Nahen Osten. All diese Hilfen erfolgten unabhängig vom Marshallplan.

Kanada

Kanadas Infrastruktur wurde durch den Krieg kaum beschädigt. Das Land hatte 1945 eine der reichsten Volkswirtschaften der Welt und betrieb sein eigenes Hilfsprogramm. Im Jahr 1948 gestatteten die USA die Verwendung der ERP-Hilfe für den Kauf von Waren in Kanada. In den ersten beiden Jahren finanzierte das ERP den Handel mit Kanada im Wert von über einer Milliarde Dollar.

Weltweit insgesamt

Von 1945 bis 1953 beliefen sich die amerikanischen Zuschüsse und Darlehen an die Welt auf insgesamt 44,3 Milliarden Dollar.

Stellungnahme

Deutsches Schild mit dem Hinweis "Landwirtschaftliche Beratung unterstützt durch das Übersee-Hilfsprogramm der U.S.A.".

Bradford DeLong und Barry Eichengreen kommen zu dem Schluss, dass es "das erfolgreichste Strukturanpassungsprogramm der Geschichte" war. Sie erklären:

Es war nicht groß genug, um den Aufschwung durch die Finanzierung von Investitionen, den Wiederaufbau der beschädigten Infrastruktur oder die Beseitigung von Rohstoffengpässen wesentlich zu beschleunigen. Wir argumentieren jedoch, dass der Marshallplan eine wichtige Rolle bei der Schaffung der Voraussetzungen für das schnelle Wachstum Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg gespielt hat. Die an die Marshallplan-Hilfe geknüpften Bedingungen haben die europäische politische Wirtschaft in eine Richtung gelenkt, die nach dem Zweiten Weltkrieg zu "gemischten Volkswirtschaften" mit mehr "Markt" und weniger "Kontrolle" führte.

Innenpolitische Kampagne zur Unterstützung

Vor der Verabschiedung und Umsetzung des Marshall-Plans starteten Präsident Truman und George Marshall eine innenpolitische Kampagne, um die öffentliche Meinung von Küste zu Küste zu beeinflussen. Ziel dieser Kampagne war es, die öffentliche Meinung in ihrem Sinne zu beeinflussen und die Bevölkerung darüber zu informieren, was der Marshallplan war und was er letztendlich bewirken würde. Monatelang versuchten sie, die Amerikaner davon zu überzeugen, dass ihre Sache gerecht sei und dass sie die höheren Steuern, die in absehbarer Zeit auf sie zukommen würden, in Kauf nehmen sollten.

Eine Vielzahl von Propagandamitteln erwies sich als äußerst wirksam, um die öffentliche Meinung zur Unterstützung des Marshallplans zu bewegen. Während der landesweiten Kampagne zur Unterstützung des Plans wurden "mehr als eine Million Pro-Marshall-Plan-Publikationen - Broschüren, Flugblätter, Nachdrucke und Informationsblätter" verbreitet. Die Bemühungen von Truman und Marshall erwiesen sich als wirksam. Eine Gallup-Umfrage, die zwischen Juli und Dezember 1947 durchgeführt wurde, zeigt, dass der Prozentsatz der Amerikaner, die den Marshall-Plan nicht kannten, landesweit von 51 % auf 36 % sank. Als der Marshallplan umgesetzt werden konnte, herrschte in der amerikanischen Öffentlichkeit allgemeiner Konsens darüber, dass dies die richtige Politik sowohl für Amerika als auch für die Länder war, die Hilfe erhalten sollten.

Wandel der amerikanischen Ideologie

In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg waren die Amerikaner sehr isolationistisch eingestellt, und viele bezeichneten den Marshallplan als "Meilenstein" für die amerikanische Ideologie. Betrachtet man die Umfragedaten von der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bis zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, so stellt man fest, dass sich die öffentliche Meinung in Bezug auf die Ideologie verändert hat. Die Amerikaner tauschten ihre isolationistischen Ideale gegen eine viel globalere, internationalistische Ideologie nach dem Zweiten Weltkrieg aus.

Umfragedaten

In einer im April 1945 durchgeführten Umfrage des National Opinion Research Center (NORC) wurde ein Querschnitt der Amerikaner gefragt: "Wenn unsere Regierung nach dem Krieg noch etwa drei Jahre lang Leihmaterial an befreundete Länder schickt, für das wir möglicherweise nicht bezahlt werden, glauben Sie, dass dies für die meisten Amerikaner mehr oder weniger Arbeitsplätze bedeuten wird, oder wird es keinen Unterschied machen?" 75 % sagten, die Zahl der Arbeitsplätze bleibe gleich oder steige, 10 % sagten, es gebe weniger.

Bevor die Truman-Administration dem Kongress 1947 einen Vorschlag unterbreitete, unternahm sie umfangreiche Anstrengungen, um die öffentliche Meinung zugunsten der Ausgaben für den Marshallplan zu organisieren, und wandte sich an zahlreiche nationale Organisationen, die Unternehmen, Arbeitnehmer, Landwirte, Frauen und andere Interessengruppen vertraten. Der Politikwissenschaftler Ralph Levering weist darauf hin:

Mit groß angelegten PR-Kampagnen und der Unterstützung privater Gruppen wie dem Bürgerkomitee für den Marshallplan warb die Regierung sorgfältig um die Unterstützung der Öffentlichkeit und der beiden Parteien im Kongress, bevor sie diese Maßnahmen zur Abstimmung brachte.

Meinungsumfragen im Jahr 1947 zeigten durchweg eine starke Unterstützung des Marshall-Plans durch die Amerikaner. Darüber hinaus ergaben Gallup-Umfragen in England, Frankreich und Italien Mehrheiten von über 60 % für den Plan.

Kritik

Laissez-faire-Kritik

Laissez-faire-Kritik am Marshall-Plan kam von einer Reihe von Wirtschaftswissenschaftlern. Wilhelm Röpke, der den deutschen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard in seinem Programm zur wirtschaftlichen Erholung beeinflusste, war der Ansicht, dass ein Aufschwung durch die Abschaffung der zentralen Planung und die Wiederherstellung der Marktwirtschaft in Europa erreicht werden könne, insbesondere in den Ländern, die eine eher faschistische und korporatistische Wirtschaftspolitik betrieben hatten. Röpke kritisierte, dass der Marshallplan den Übergang zur freien Marktwirtschaft durch die Subventionierung der bestehenden, gescheiterten Systeme verhindere. Erhard setzte Röpkes Theorie in die Praxis um und machte später Röpkes Einfluss für den überragenden Erfolg Westdeutschlands verantwortlich.

Henry Hazlitt kritisierte den Marshallplan in seinem 1947 erschienenen Buch Will Dollars Save the World? mit dem Argument, dass wirtschaftlicher Aufschwung durch Ersparnisse, Kapitalakkumulation und privates Unternehmertum und nicht durch große Barzuschüsse zustande kommt. Der Ökonom der Österreichischen Schule, Ludwig von Mises, kritisierte 1951 den Marshallplan mit der Begründung, dass "die amerikanischen Subventionen es den Regierungen [Europas] ermöglichen, die katastrophalen Auswirkungen der verschiedenen sozialistischen Maßnahmen, die sie beschlossen haben, teilweise zu verbergen". Einige Kritiker und Kongressabgeordnete waren damals der Meinung, dass Amerika Europa zu viel Hilfe zukommen ließ. Amerika hatte Europa in den vorangegangenen Jahren bereits 9 Milliarden Dollar in anderer Form zur Verfügung gestellt. Durch den Marshallplan wurden weitere 13 Milliarden Dollar bereitgestellt, was einem Wert von etwa 100 Milliarden Dollar im Jahr 2010 entspricht.

Moderne Kritik

Die Rolle des Marshall-Plans bei der schnellen Erholung Westeuropas ist umstritten. Die meisten lehnen die Vorstellung ab, dass der Marshallplan allein Europa auf wundersame Weise wiederbelebt hat, da die Beweise zeigen, dass eine allgemeine Erholung bereits im Gange war. Die Marshallplan-Zuschüsse wurden in einem Umfang gewährt, der nicht viel höher war als die frühere UNRRA-Hilfe, und machten zwischen 1948 und 1951 weniger als 3 % des kombinierten Nationaleinkommens der Empfängerländer aus, was einen Anstieg des BIP-Wachstums von nur 0,3 % bedeuten würde. Außerdem gibt es keinen Zusammenhang zwischen der Höhe der erhaltenen Hilfe und der Geschwindigkeit der Erholung: Sowohl Frankreich als auch das Vereinigte Königreich erhielten mehr Hilfe, aber Westdeutschland erholte sich deutlich schneller.

Die Kritik am Marshallplan wurde in den 1960er und 1970er Jahren vor allem von Historikern der revisionistischen Schule, wie Walter LaFeber, geübt. Sie argumentierten, der Plan sei amerikanischer Wirtschaftsimperialismus und ein Versuch, die Kontrolle über Westeuropa zu erlangen, so wie die Sowjets durch den RGW Osteuropa wirtschaftlich kontrollierten. In einem Rückblick auf die westdeutsche Wirtschaft von 1945 bis 1951 kam der deutsche Analyst Werner Abelshauser zu dem Schluss, dass "die Auslandshilfe weder für den Beginn noch für die Aufrechterhaltung des Aufschwungs entscheidend war". Die wirtschaftliche Erholung Frankreichs, Italiens und Belgiens, so Cowen, begann einige Monate vor dem Zufluss von US-Geldern. Belgien, das Land, das nach seiner Befreiung 1944 am frühesten und am stärksten auf die freie Marktwirtschaft setzte, erlebte eine rasche Erholung und vermied die schwere Wohnungsnot und Nahrungsmittelknappheit, die im übrigen Kontinentaleuropa zu beobachten war.

Der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan schreibt den wirtschaftlichen Aufschwung in Europa vor allem dem deutschen Bundeskanzler Ludwig Erhard zu. In seinen Memoiren The Age of Turbulence schreibt Greenspan, dass Erhards Wirtschaftspolitik der wichtigste Aspekt des westeuropäischen Aufschwungs der Nachkriegszeit war und sogar den Beitrag des Marshallplans übertraf. Er stellt fest, dass es Erhards Abbau von Wirtschaftsvorschriften war, der Deutschlands wundersame Erholung ermöglichte, und dass diese Politik auch zur Erholung vieler anderer europäischer Länder beitrug. Der Aufschwung wird auf traditionelle wirtschaftliche Anreize zurückgeführt, wie z. B. die Steigerung der Investitionen, die durch eine hohe Sparquote und niedrige Steuern angeheizt wurde. Japan erlebte während des Koreakrieges einen großen Zustrom von US-Investitionen.

Noam Chomsky sagte, dass der Marshallplan "die Voraussetzungen für große Mengen privater US-Investitionen in Europa schuf und die Grundlage für moderne transnationale Unternehmen bildete".

Der Marshall-Plan wurde in jüngster Zeit als ein politischer Ansatz zur Lösung komplexer und multikausaler Probleme (wicked problems) neu interpretiert, um integrierte Lösungen mit einer Multi-Level-Governance zu entwickeln.

In der Populärkultur

Alfred Friendly, Presseberater des US-Handelsministers W. Averell Harriman, schrieb eine humorvolle Operette über den Marshallplan im ersten Jahr seines Bestehens: "Weine zu verkaufen; tauschen Sie / Ein bisschen Stahl gegen Chateau Neuf du Pape?"

Der spanische Regisseur Luis García Berlanga schrieb und inszenierte den Film Welcome Mr. Marshall!, eine Komödie über die Bewohner eines kleinen spanischen Dorfes, die von einem Leben in Wohlstand und Selbstverwirklichung träumen, das ihnen der Marshallplan bescheren wird. Der Film wirft ein Schlaglicht auf die Stereotypen, die sowohl die Spanier als auch die Amerikaner über die Kultur des jeweils anderen haben, und übt gleichzeitig Sozialkritik am franquistischen Spanien der 1950er Jahre.

In dem beliebten Brettspiel Twilight Struggle wird der Marshallplan durch eine gleichnamige 4-Punkte-Karte für den frühen US-Krieg dargestellt. Der Text auf der Karte lautet: Ermöglicht das Spielen der NATO. Füge einen US-Einfluss in jedem der sieben nicht von der UdSSR kontrollierten westeuropäischen Länder hinzu.

Ausgangslage nach dem Zweiten Weltkrieg

Deutschland und Österreich

Nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg waren sowohl Deutschland als auch Österreich in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Auf der Konferenz von Potsdam hatten sich die Alliierten zwar noch auf eine gemeinsame Haltung verständigen können, jedoch traten die Interessengegensätze immer deutlicher hervor.

Die Besatzungsmächte hatten mit großen Problemen bei der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Wohnraum zu kämpfen. Viele Städte waren zerstört und die Infrastruktur stark beschädigt. Außerdem mussten sehr viele Flüchtlinge aus den ehemalig deutschen Gebieten zusätzlich versorgt werden. Die Demontage von Industrieanlagen und die Ausfuhr von Kohle zu Entschädigungszwecken verschärften die Probleme, weil so dringend benötigte Güter für den Wiederaufbau bzw. der Versorgung der Bevölkerung fehlten. Bereits 1946 sahen sich die USA gezwungen, die ehemaligen Kriegsgegner mit Hilfsgütern (GARIOA) zu versorgen. Trotzdem brach im strengen Winter 1946/47, dem sog. Hungerwinter, die Versorgung in vielen deutschen Städten zusammen.

Auf der Pariser Außenministerkonferenz im Mai 1946 wurden die Spannungen und das Misstrauen zwischen den USA und der Sowjetunion immer deutlicher. Dieses führte zu einem Umdenken der Amerikaner und Briten bei der Besatzungspolitik. Ende Mai 1946 stellten die USA die Reparationslieferungen aus ihrer Zone an die Sowjetunion ein. Großbritannien und die USA vereinbarten eine stärkere Kooperation und beschlossen 1947 die Bizone zu gründen. 1948 wurde diese unter Einschluss der französisch besetzten Gebiete zur Trizone erweitert.

Andere westeuropäische Staaten

In Großbritannien gewann die Labour Party unter Clement Attlee die erste Nachkriegswahl im Juli 1945 gegen den konservativen Amtsinhaber Churchill. In diesem Wahlsieg zeigt sich die Ungeduld und Frustration der Bevölkerung nach dem gewonnenen „Volkskrieg“. Die Labour-Regierung setzte in den folgenden Jahren umfangreiche Reformen, wie die Gründung des National Health Service und der Verstaatlichung von Industriezweigen, um. Zugleich verstand sich Großbritannien als Kolonialmacht und unterhielt ein kostspielige Flotte und Armee, während gleichzeitig die Dekolonialisierung begann.

In Folge des Krieges war Großbritannien stark bei den USA verschuldet. Da die noch auf den Krieg ausgerichtete Wirtschaft kaum für den Export produzierte, war das Land kaum in der Lage, seine Schulden zu bedienen. Als die USA im August 1945 seine Kreditzahlung faktisch stoppte, stand das Land kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Mit dem British Loan Act wurde das Problem zwar wieder entschärft, offenbarte aber die Schwäche der ehemaligen Weltmacht Großbritannien und seine Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten.

In Frankreich und Italien brachte die Armut der Nachkriegsära den kommunistischen Parteien, die auch eine wichtige Rolle in den Widerstandsbewegungen gespielt hatten, Zulauf. In Frankreich wurde die Parti communiste français bei der Wahl zur Nationalversammlung 1945 stärkste Kraft. Dazu stand die provisorische Regierung unter de Gaulle vor erheblichen Problemen. Nach der vier Jahre dauernden Besetzung Frankreichs durch Deutschland musste das Land neu aufgebaut und eine Verfassung erarbeitet werden. Im Januar 1946 erklärte de Gaulle wegen Konflikten mit der sozialistischen Mehrheit in der Nationalversammlung seinen Rücktritt. Bis 1947 folgten ihm drei weitere Ministerpräsidenten. Ähnlich instabil war die Lage in Italien. Obwohl die Möglichkeit, dass Frankreich und Italien kommunistisch hätten werden können, heute von Historikern als gering angesehen wird, sahen einige Politiker der Westmächte darin eine reale Bedrohung und den Marshallplan als mögliche Abhilfe.

USA und der Beginn des Kalten Krieges

Die Vereinigten Staaten von Amerika gingen als einziges Land gestärkt aus dem Zweiten Weltkrieg hervor. Das Land hatte keine Kriegszerstörungen zu verkraften. Zudem erlebten die USA während des Zweiten Weltkrieges einen Wirtschaftsboom, da sehr viele Kriegsgüter dort produziert wurden. Die Umstellung der Wirtschaft nach dem Krieg auf Güter für den privaten Konsum war allerdings nicht unproblematisch, da die Absatzmärkte in Europa nicht existierten. So war der Bedarf an Lebensmitteln und Industriegütern aus den USA in Europa zwar groß, allerdings verfügten die Länder dort nicht über die notwendigen Dollarreserven.

Die künftige außenpolitische Ausrichtung des Landes war keineswegs unumstritten. Vor allem von Seiten der Republikaner gab es Forderungen nach einer Rückkehr zum Isolationismus. Der demokratische Präsident Truman war hingegen der Ansicht, die USA müssten ihre weltpolitische Verantwortung wahrnehmen. Die Angst vor dem Kommunismus war allerdings auch bei den Republikanern weit verbreitet.

US-Hilfslieferungen für Griechenland im Rahmen der Truman-Doktrin des Marshallplans

Ein Auslöser für die Entscheidung, die europäischen Länder einschließlich Deutschland zu unterstützen, war die Containment-Politik unter Präsident Truman. Als ein Wendepunkt und damit auch der Beginn des Kalten Krieges wird häufig die Rede des amerikanischen Präsidenten am 12. März 1947 gesehen. In der Rede versprach er allen „freien Völkern“ Unterstützung gegen Umsturzversuche durch die Sowjetunion. Anlass war die Situation in Griechenland und der Türkei, wo die Sowjetunion versuchte ihren Einflusssphäre auszubauen. Aufgrund der 1947 einsetzenden finanziellen Hilfen durch die USA gelang dies der UdSSR nicht.

Entstehen des Marshallplans

Erste Konzepte

Ein Richtungswechsel in der amerikanischen Deutschlandpolitik deutete sich bereits am 6. September 1946 in der Rede des US-Außenministers James F. Byrnes, der sog. Hoffnungsrede, in Stuttgart an. Als die Außenministerkonferenz in Moskau im Frühjahr 1947 ohne greifbare Ergebnisse zu Ende ging, führte dies beim US-Außenminister Marshall zu der Einsicht, dass die USA mehr zur Stabilisierung der Länder in Europa tun müssen. Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Moskau beauftragte er George F. Kennan, die Grundzüge eines Aufbauprogramms auszuarbeiten. In Bezug auf die Besatzungspolitik befand sich das dafür verantwortliche amerikanische Außenministerium in einem Dilemma. Im Rahmen der Containment-Politik musste verhindert werden, dass die Sowjetunion ihren Einfluss auf die westlichen Besatzungszonen in Deutschland und Österreich ausdehnte. Deshalb sah man die Notwendigkeit, Deutschland und Österreich wirtschaftlich und moralisch aufzubauen. Dem wirtschaftlichen Aufbau standen aber die Beschränkungen bei der Industrie und Reparationsleistungen, wie den quasi entschädigungslosen Export von Kohle und anderen Rohstoffen, entgegen. Vor allem Frankreich bestand auf Entschädigung. Deshalb fürchtete Marshall, Wirtschaftshilfe für Deutschland hätte ein „politisches Desaster in Frankreich“ und in der übrigen Welt zur Folge. „Marshall wollte die Vereinigten Staaten nicht dem Vorwurf aussetzen, über die Köpfe ihrer Freunde und Alliierte hinweg den gerade besiegten Feind zum Wiederaufbau zu verhelfen.“

Motive der USA für den Marshallplan

Als US-Außenminister Marshall am 5. Juni 1947 die Rede zum später nach ihm benannten Hilfsprogramm hielt, hatte er kein ausgearbeitetes Konzept dazu vor Augen. Vielmehr sahen sich die USA in Europa mit unterschiedlichen Problemen konfrontiert und suchten nach einem Weg die politische und wirtschaftliche Lage zu stabilisieren, um den sowjetischen Einfluss in Europa einzudämmen (siehe Containment-Politik).

In der Forschung sind eine Vielzahl von Gründen, die die USA zu dem umfassenden Hilfsprogramm veranlasst haben, diskutiert worden, ohne ein abschließendes Ergebnis zu erzielen. Konsens ist, dass unterschiedliche Motive zum Marshallplan geführt haben. Einige Forscher betonen, dass es gerade die diplomatische Leistung des Marshallplans war, mit einem Hilfsprogramm sehr verschiedene Problemstellungen zu entschärfen. Zu den Aspekten, die häufig erwähnten werden, zählen folgende:

  • die schlechte wirtschaftliche Lage in Europa: z. B. die Währungskrise in Großbritannien, Frankreich und Italien
  • das Scheitern vorangegangener Hilfsprogramme
  • das Interesse der USA am freien Handel und an Europa als Exportmarkt
  • die Erfolge der kommunistischen Parteien in Frankreich und Italien
  • die aussichtslose Lage in den Besatzungszonen: die katastrophale Versorgungslage, die steigenden Kosten für die Besatzungsmächte, Proteste gegen die Demontage und Resignation in der Bevölkerung
  • Frankreichs Weigerung, die Reparationsleistungen Deutschlands zu verringern (Ruhr-Frage)
  • die Entscheidung, Griechenland und der Türkei zu helfen, um den Einfluss der Sowjetunion zurückzudrängen
  • die Schwäche Großbritanniens.

Die Entwicklung des Marshallplans von seiner ersten Konzeption im Mai 1947 bis zur Verabschiedung durch den Kongress im April 1948 beurteilt John Gimbel so:

„Die heute bekannte Entwicklung des Marshall-Plans aus den Moskauer Entscheidungen über Deutschland ist eine komplizierte Geschichte des Gebens und Nehmens zwischen Kongreß und Regierung Truman; zwischen Armee und Außenministerium; zwischen Franzosen auf der einen, Briten und Amerikanern auf der anderen Seite sowie zwischen den Europäern selbst“

Durchführung des Marshallplans

Importhilfen und Counterpart Funds

Zusammensetzung der Warenlieferungen aus dem Marshallplan (in Prozent, ausgewählte Länder)

Zusammensetzung Hilfen aus dem Marshallplan und MSA (1948–1951)
Gesamt Großbritannien Frankreich BR Deutschland Italien Andere Länder²
nach Warengruppen (in %, gerundet)
Lebensmittel, Futter, Düngemittel 26 30 10 43 17 30
Öl/Kohle 13 12 23 4 14 10
rohe Baumwolle 11 9 14 19 25 5
andere Rohstoffe 15 25 13 15 6 13
Maschinen / Fahrzeuge 12 6 17 3 15 14
Tabak 4 8 1 5 0 3
andere Waren 1 0 1 1 0 1
Transportkosten 6 3 12 8 9 4
EZU Kapital und Hilfe 4 1 0 0 0 11
Sonstiges¹ 8 4 8 3 13 9

¹noch nicht erfasste Transportkosten und technische Unterstützung

²und EZU (europäische Zahlungsunion)

Verwendung der Counterpart Funds in Prozent, ausgewählte Länder

Verwendung der Counterpart Funds in Europa 1948–1952
Insgesamt Großbritannien Frankreich BR Deutschland Italien übrige Länder
Insgesamt (Mio. $) 8651 1763 2703 1009 1042 2134
Verteilung nach Bereichen (in %, gerundet)
Öffentliche Schulden 29 97 6 0 0 31
Landwirtschaft 7 0 9 7 20 4
Bergbau 6 0 13 9 0 2
Rohstoffe 4 0 7 5 2 4
Elektrizität 12 0 27 18 0 5
Eisenbahn 6 0 7 1 26 4
Schifffahrt 2 0 3 4 2 2
andere Industrie 16 0 9 31 29 26
Waffen 4 3 8 0 0 5
Sonstiges 13 0 12 25 21 16

Öffentlichkeitsarbeit und technische Unterstützung

Schild „Hier half der Marshallplan“

Der Marshallplan wurde von umfangreichen PR Maßnahmen begleitet, die ebenfalls aus dem Hilfs-Budget finanziert wurden. Jeder Empfänger von Hilfsleistungen war verpflichtet, mit Tafeln auf den Marshallplan hinzuweisen. Außerdem wurden Plakate, Ausstellungen und Filme produziert, die die Bevölkerung auch schon vor Eintreffen der Hilfen informierten. Mit einem eigens dafür angemieteten Zug wurde eine mobile Ausstellung zum Marshallplan durch die Bundesrepublik Deutschland geschickt.

Zusätzlich begleitete ein Kulturprogramm den Marshallplan. Überall in Europa entstanden Amerika Häuser, die die amerikanische Kultur vermitteln sollten. Insbesondere in West-Deutschland und Österreich wurden viele solcher Einrichtungen gegründet. Sie dienten auch dazu, das Demokratieverständnis der USA zu erklären und waren somit ein Teil der Umerziehungs- bzw. Entnazifizierungsmaßnahme. In Frankreich und Italien wurden amerikafreundliche Politiker und Gewerkschafter mit Mitteln aus dem Marshallplan unterstützt.

Ein Ziel des Marshallplans war die Steigerung der Produktivität der europäischen Industrie und Landwirtschaft. Um den Europäern zu helfen, dieses Ziel zu erreichen, wurden technische Unterstützungsmaßnahmen organisiert. Zahlreiche Experten reisten aus den USA nach Europa. Umgekehrt besuchen viele europäische Manager die USA, damit sie die dortigen Produktions- und Buchhaltungsmethoden kennen lernen.

„Through 1949, $5 million had been set aside for technical assistance under which 350 experts had been sent from the United States to provide services, and 481 persons from Europe had come to the United States for training. By the end of 1951, with more than $30 million expended, over 6,000 Europeans representing management, technicians and labor had come to the United States for periods of study of U.S. production methods.“

Da die USA in vielen Wirtschaftsbereichen mit fortschrittlicheren Methoden produzierten als Europa, ist die Bedeutung dieses Wissenstransfers nicht zu unterschätzen. Neben modernen Management- und Produktionsmethoden wurde so auch amerikanisches Konsumverhalten und Geschäftsmodelle in Europa bekannt.

Besonderheiten in einzelnen Ländern

Verwaltung der Mittel in der Bundesrepublik Deutschland

Atlas mit Weltkugel und Schriftzug ERP, Briefmarke zur Deutschen Industrie-Ausstellung in West-Berlin, 1950

Die USA gewährten im Rahmen des Marshallplans Gelder in Höhe von insgesamt fast 14 Milliarden US-Dollar, Westdeutschland erhielt davon ca. 1,4 Milliarden. Die Gesamtsumme entspricht nach heutigem Geldwert etwa 130 Milliarden USD (Stand 2015). Von der Gesamtsumme an Westdeutschland wurde bis 1966 etwa 1 Milliarde durch den Bund über den Haushalt direkt abbezahlt und der Rest erlassen.

Eine besondere Bedeutung bekam die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die am 16. Dezember 1948 in Frankfurt am Main ihre Arbeit aufnahm. Westdeutschland erhielt die Mittel in Form von Wirtschaftsgütern, vor allem Nahrung, Treibstoff und Medikamente, deren Kaufpreis ging an die KfW, welche diese Mittel wiederum zur Kreditvergabe nutzte, wofür Westdeutschland die US-Dollar denominierte Schuldenlast der Importe trug, welche die USA vorweg finanzierten, was insgesamt auch ein US-Konjunkturprogramm darstellte. Am 5. November 1948 hatte der Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes die Voraussetzungen geschaffen. Hermann Josef Abs wurde Vorstand. Heute verwaltet die KfW-Bankengruppe im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums das ERP-Sondervermögen in Höhe von zwölf Milliarden Euro und finanziert damit Programme zur Wirtschaftsförderung.

Bewertung des Marshallplans in der Forschung

Es ist schwer möglich einen vollständigen Überblick über die Ergebnisse der umfangreichen Forschung zum Marshallplan zu geben. Da der Marshallplan sechzehn Länder mit unterschiedlichem ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen betraf, können sich Maßnahmen und Wirkungen zwischen den Ländern unterscheiden. Zudem ist der Marshallplan nicht immer eindeutig von anderen Hilfsprogrammen der USA für Europa abzugrenzen. Der folgende Überblick bezieht sich in wesentlichen Teilen auf die Darstellung des Forschungsstands in den Bänden 18 und 19 der Reihe Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Ein Schwerpunkt liegt auf den Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland.