Fledertiere

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Fledermaus
Zeitliche Reichweite: Eozän-Gegenwart
VorꞒ
S
D
P
T
J
K
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Über dieses Bild
Wissenschaftliche Klassifizierung e
Königreich: Tierreich (Animalia)
Stamm: Chordata
Klasse: Säugetiere
Klade: Scrotifera
Ordnung: Paarhufer (Chiroptera)
Blumenbach, 1779
Unterordnung

(traditionell):

  • Megachiroptera
  • Microchiroptera

(aktuell):

  • Yinpterochiroptera
  • Yangochiroptera
Bat range.png
Weltweite Verbreitung von Fledermausarten

Fledermäuse sind Säugetiere aus der Ordnung der Chiroptera. Mit ihren als Flügel ausgebildeten Vorderbeinen sind sie die einzigen Säugetiere, die zum echten und anhaltenden Flug fähig sind. Fledermäuse sind wendiger als die meisten Vögel, da sie mit ihren sehr langen, gespreizten und mit einer dünnen Membran (Patagium) überzogenen Fingern fliegen. Die kleinste Fledermaus und wohl auch das kleinste lebende Säugetier ist die Zwergfledermaus mit einer Länge von 29-34 Millimetern, einer Flügelspannweite von 150 mm und einem Gewicht von 2-2,6 g. Die größten Fledermäuse sind die Flughunde, wobei der riesige Goldscheitel-Flugfuchs, Acerodon jubatus, ein Gewicht von 1,6 kg und eine Flügelspannweite von 1,7 m erreicht.

Fledermäuse sind nach den Nagetieren die zweitgrößte Ordnung der Säugetiere und machen mit über 1 400 Arten etwa 20 % aller weltweit klassifizierten Säugetierarten aus. Diese wurden traditionell in zwei Unterordnungen eingeteilt: die überwiegend Früchte fressenden Megafledermäuse und die echolokierenden Mikrofledermäuse. Neuere Erkenntnisse sprechen jedoch dafür, die Ordnung in Yinpterochiroptera und Yangochiroptera aufzuteilen, wobei die Megafledermäuse zusammen mit mehreren Arten von Mikrofledermäusen zur ersten Ordnung gehören. Viele Fledermäuse sind Insektenfresser, die meisten anderen sind Frugivoren (Fruchtfresser) oder Nektarfresser (Nektarfresser). Einige wenige Arten ernähren sich von anderen Tieren als Insekten; die Vampirfledermäuse zum Beispiel ernähren sich von Blut. Die meisten Fledermäuse sind nachtaktiv, und viele nisten in Höhlen oder anderen Unterschlüpfen; es ist ungewiss, ob Fledermäuse dieses Verhalten an den Tag legen, um Raubtieren zu entkommen. Fledermäuse gibt es überall auf der Welt, mit Ausnahme extrem kalter Regionen. Sie sind in ihren Ökosystemen wichtig für die Bestäubung von Blumen und die Verbreitung von Samen; viele tropische Pflanzen sind in dieser Hinsicht vollständig auf Fledermäuse angewiesen.

Fledermäuse bieten dem Menschen einige direkte Vorteile, allerdings auf Kosten einiger Nachteile. Fledermauskot wird als Guano aus Höhlen abgebaut und als Dünger verwendet. Fledermäuse fressen Schadinsekten und verringern so den Bedarf an Pestiziden und anderen Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung. Sie sind manchmal zahlreich genug und nahe genug an menschlichen Siedlungen, um als Touristenattraktion zu dienen, und sie werden in ganz Asien und im pazifischen Raum als Nahrungsmittel verwendet. Allerdings werden Flughunde von Obstbauern häufig als Schädlinge betrachtet. Aufgrund ihrer Physiologie sind Fledermäuse eine Tierart, die als natürliches Reservoir für viele Krankheitserreger, wie z. B. Tollwut, fungiert; und da sie sehr mobil, sozial und langlebig sind, können sie Krankheiten leicht untereinander verbreiten. Wenn Menschen mit Fledermäusen zu tun haben, werden diese Eigenschaften für den Menschen potenziell gefährlich. Einige Fledermäuse sind auch Raubtiere von Moskitos und unterdrücken so die Übertragung von durch Moskitos übertragenen Krankheiten.

Je nach Kulturkreis werden Fledermäuse symbolisch mit positiven Eigenschaften assoziiert, z. B. Schutz vor bestimmten Krankheiten oder Risiken, Wiedergeburt oder langes Leben, aber im Westen werden Fledermäuse im Allgemeinen mit Dunkelheit, Bösartigkeit, Hexerei, Vampiren und Tod in Verbindung gebracht.

Fledertiere

Townsend-Langohr (Corynorhinus townsendii)

Systematik
ohne Rang: Synapsiden (Synapsida)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
ohne Rang: Scrotifera
Ordnung: Fledertiere
Wissenschaftlicher Name
Chiroptera
Blumenbach, 1779

Die Fledertiere (Chiroptera), auch Flattertiere oder umgangssprachlich Fledermäuse genannt, sind eine Ordnung der Säugetiere. Mit mehr als 1400 Arten, ein Fünftel aller Säugetierarten, sind die Fledertiere nach den Nagetieren die artenreichste Ordnung innerhalb der Säugetiere. Die Fähigkeit zum Schlagflug haben sie als stammesgeschichtlich jüngste Gruppe der Wirbeltiere erworben – nach den ausgestorbenen Flugsauriern und den Vögeln.

Etymologie

Ein älterer englischer Name für Fledermäuse ist flittermouse, was mit ihrem Namen in anderen germanischen Sprachen übereinstimmt (z. B. deutsch Fledermaus und schwedisch fladdermus), der sich auf das Flattern von Flügeln bezieht. Im Mittelenglischen gab es bakke, das höchstwahrscheinlich mit dem altschwedischen natbakka ("Nachtfledermaus") verwandt ist, das möglicherweise eine Verschiebung von -k- zu -t- (zur modernen englischen Fledermaus) erfahren hat, die vom lateinischen blatta, "Motte, nächtliches Insekt", beeinflusst wurde. Das Wort "Fledermaus" wurde wahrscheinlich erstmals in den frühen 1570er Jahren verwendet. Der Name "Chiroptera" leitet sich aus dem Altgriechischen ab: χείρ - cheir, "Hand" und πτερόν - pteron, "Flügel".

Phylogenie und Taxonomie

Fossil von Archaeonycteris im Museo di Storia Naturale in Mailand
Fossil von Icaronycteris im Royal Ontario Museum

Aufgrund spärlicher Dokumentation durch Fossilienfunde war bis zur Jahrtausendwende über die Entwicklungs­geschichte der einzelnen Fledertier­gruppen kaum etwas bekannt. Im Gegensatz zu anderen schwierig einzuordnenden Säugetiertaxa, etwa den Walen, liefert der Fossilienbefund bisher keinerlei Hinweise auf Übergangsformen. Insbesondere sind die Bedingungen, die zur Evolution des Schlagflugs bei Fledermäusen führten, unklar. John Speakman, Lehrstuhlinhaber für Zoologie an der Universität Aberdeen, rekonstruierte 2001 die Evolution der Fledermäuse dahingehend, dass diese Tiere zunächst tagaktiv waren und sich erst unter dem Druck durch Greifvögel zunehmend auf nächtlichen Beutefang verlegten. Parallel dazu habe sich die Echoortung entwickelt.

Fledertiere erlangten offenbar bereits im Eozän weltweite Verbreitung – aus dieser Epoche sind Funde relativ weit entwickelter Fledertiere in Europa, Nordamerika und Australien belegt. Zu den ältesten bisher gefundenen Gattungen zählen Onycho­nycteris und Icaro­nycteris aus dem frühen Eozän der Green-River-Formation Wyomings sowie Archaeo­nycteris, Palaeo­chiropteryx, Hassia­nycteris und Tachypteron aus dem mittleren Eozän der Grube Messel in Deutschland. Diese frühen Vertreter ähneln in ihrem Körperbau bereits sehr stark den heutigen Fledermäusen, Unterschiede bestehen lediglich in Details wie dem Vorhandensein von Fingerklauen und einem langen, freien Schwanz (der sich allerdings auch bei den heutigen Mausschwanz­fledermäusen findet). Onychonycteris hatte aber noch kürzere Unterarmknochen, längere Hinterbeine als moderne Fledermäuse und Krallen an allen 5 Fingern. Sie konnten wahrscheinlich noch nicht so gut fliegen wie heutige Fledertiere. Ihre Hörschnecke war relativ klein, vergleichbar mit der der heutigen, nicht echoortenden Flughunde. Das zeigt, dass sich das Echoortungs­system der Fledertiere wahrscheinlich erst nach der Entwicklung des aktiven, kontrollierbaren Flatterflugs entwickelt hat. Andere Fledertiere aus dem Eozän, wie Icaronycteris und Tachypteron dürften bereits zur Echolokation fähig gewesen sein.

Im Jahr 2021 veröffentlichte Untersuchungen der frühen Entwicklungs­stadien des Gehör- und Kehlkopf­knöchelchen bestätigten den Befund von Genomstudien: Die Yangochiroptera und Rhinolophoidea haben ihren Apparat zur Echolotung jeweils unabhängig (oder vielleicht aus sehr primitiven gemeinsamen Vorstufen heraus) entwickelt. Aufgrund fehlender Fossilien lässt sich gegenwärtig nicht sagen, ob die Vorfahren der heutigen Pteropodoidea nie zur Echolotung fähig waren oder ob bei ihnen eine primitive Vorstufe dazu wieder verloren ging.

Anfang 2022 von Sulser et al. veröffentlichte Untersuchungen bestätigten dies. Sie zeigten, dass in den beiden großen Gruppen von Fledertieren, das Innenohr mit dem Gehirn auf unterschiedliche Weise verbunden ist. Die Fledertiere der Yin-Klade verwenden wenn zur Echoortung fähig, dafür vor allem Töne mit konstanter Frequenz, während die der Yang-Klade komplexere, modulierte Frequenzen benutzen. CT-Scans zeigten, dass Yin-Fledertiere, wie die meisten anderen Säugetiere, eine dicke Gehörgangswand (engl. ear canal wall) haben, die mit winzigen Öffnungen für die Nervenfasern gefüllt ist. Die meisten Yang-Fledertiere hingegen haben einen offenen Gehörgang ohne Wand, was im Unterschied zu allen anderen Säugern eine größere evolutionäre Variations­möglichkeit der Neuronen im Nervenknoten (Ganglion) ermöglicht. Die Yang-Fledertiere sind dementsprechend phylogenetisch viel vielfältiger als die Yin-Fledertiere, mit etwa fünfmal so vielen Arten und vielfältigeren Formen der Nahrungssuche. Man nimmt an, dass die unterschiedlichen Ohranatomien zur Diversifizierung der Fledermäuse beitrugen und dass sich in der Yang-Klade ohne die räumliche Einschränkung des Innenohr­ganglions dort mehr Nervenzellen ansiedeln konnten – was ihr komplexeres Frequenzmuster erklärt; auch ermöglichte dies anders als bei allen anderen Säugern verschiedene Verbindungs­möglichkeiten mit dem Gehirn.

Entwicklung

Die empfindlichen Skelette von Fledermäusen lassen sich nicht gut versteinern; man schätzt, dass nur 12 % der lebenden Fledermausgattungen in den fossilen Aufzeichnungen gefunden wurden. Die meisten der ältesten bekannten Fledermausfossilien waren den modernen Kleinfledermäusen bereits sehr ähnlich, wie z. B. Archaeopteropus (vor 32 Millionen Jahren). Die ausgestorbenen Fledermäuse Palaeochiropteryx tupaiodon (vor 48 Millionen Jahren) und Hassianycteris kumari (vor 48 Millionen Jahren) sind die ersten fossilen Säugetiere, deren Färbung entdeckt wurde: beide waren rötlich-braun.

Fledermäuse wurden früher zusammen mit den Baumspitzmäusen (Scandentia), den Jägern (Dermoptera) und den Primaten in die Überordnung Archonta eingeordnet. Nach modernen genetischen Erkenntnissen gehören Fledermäuse heute zur Überordnung Laurasiatheria, deren Schwestertaxon Fereuungulata ist, zu der auch Fleischfresser, Schuppentiere, Huftiere mit ungeraden Zehen, Huftiere mit geraden Zehen und Wale gehören. In einer Studie werden die Chiroptera als Schwestertaxon der Unpaarhufer (Perissodactyla) betrachtet.

Boreoeutheria

Euarchontoglires (Primaten, Baumspitzmäuse, Nagetiere, Kaninchen) Cynocephalus doguera - 1700-1880 - Print - Iconographia Zoologica - Special Collections University of Amsterdam - (white background).tiff

Laurasiatheria

Eulipotyphla (Igel, Spitzmäuse, Maulwürfe, Solenodons)Mole white background.jpg

Scrotifera

Chiroptera (Fledermäuse) Flying fox at botanical gardens in Sydney (cropped and flipped).jpg

Fereuungulata
Ferae

Pholidota (Schuppentiere) FMIB 46859 Pangolin a grosse queue white background.jpeg

Carnivora (Katzen, Hyänen, Hunde, Bären, Robben) Hyaena striata - 1818-1842 - Print - Iconographia Zoologica - Special Collections University of Amsterdam -(white background).jpg Zalophus californianus J. Smit (white background).jpg

Euungulata

Perissodactyla (Pferde, Tapire, Nashörner) Equus quagga (white background).jpg

Cetartiodactyla (Kamele, Wiederkäuer, Wale) Walia ibex illustration white background.png Megaptera novaeangliae NOAA.jpg

Phylogenetischer Baum, der die Chiroptera innerhalb der Laurasiatheria zeigt, mit Fereuungulata als Schwestertaxon gemäß einer Studie von 2013

Die Hypothese der fliegenden Primaten besagt, dass Megafledermäuse, wenn man die Anpassungen an das Fliegen weglässt, durch anatomische Merkmale, die sie nicht mit den Mikrofledermäusen teilen, mit den Primaten verwandt sind und sich das Fliegen somit zweimal bei den Säugetieren entwickelt hat. Genetische Studien haben die Monophylie der Fledermäuse und den alleinigen Ursprung des Fluges bei Säugetieren eindeutig bestätigt.

Paarhufer (Chiroptera)
Megachiroptera

Pteropodidae (Zwergfledermäuse) Mariana Fruit Bat.jpg

Microchiroptera
Rhinolophoidea

Megadermatidae (Falsche Vampirfledermäuse) Megaderma spasma.jpg

Craseonycteridae (Kitti-Fledermaus) Craseonycteris thonglongyai.png

Rhinopomatidae (Mäuseschwanzfledermäuse) Rhinopoma microphyllum.jpg

Hipposideridae (Altwelt-Blattnasenfledermäuse) Commerson's leaf-nosed bats hipposideros commersoni.jpg

Rhinolophidae (Hufeisennasenfledermäuse) Rhinolophus rouxii.jpg

Yangochiroptera

Miniopteridae (Langflügelfledermäuse) Miniopterus schreibersii dasythrix.jpg

Noctilionidae (Fischerfledermäuse) Captive Noctilio leporinus.jpg

Mormoopidae (Pteronotus) Pteronotus parnellii.jpg

Mystacinidae (Neuseeländische Kurzschwanzfledermäuse) MystacinaTuberculataFord.jpg

Thyropteridae (Scheibenflügelfledermäuse)

Furipteridae Furipterus horrens.jpg

Mormoopidae (Mormoops) Mormoops megalophylla.JPG

Phyllostomidae (Neuwelt-Blattnasenfledermäuse) Desmodus rotundus A Catenazzi.jpg

Molossidae (Freischwänzige Fledermäuse) Mormopterus beccarii astrolabiensis 1.jpg

Emballonuridae (Beutel-Fledermäuse) Emballonura semicaudata, Ovalau Island - Joanne Malotaux (22057146275).jpg

Myzopodidae (Rauhhautfledermäuse)

Emballonuridae (Rauhhautfledermäuse) Mauritian Tomb Bat.jpg

Natalidae (Trichterohrfledermäuse) Chilonatalus micropus.png

Vespertilionidae (Vesperfledermäuse) Barbastella barbastellus 01-cropped.jpg

Interne Beziehungen der Chiroptera, unterteilt in die traditionellen Kladen der Megafledermäuse und der Mikrofledermäuse, gemäß einer Studie von 2011

Genetische Beweise deuten darauf hin, dass die Megabatzen im frühen Eozän entstanden sind und zu den vier Hauptlinien der Mikrofledermäuse gehören. Es wurden zwei neue Unterordnungen vorgeschlagen: Yinpterochiroptera umfasst die Familie Pteropodidae oder Megabat, sowie die Familien Rhinolophidae, Hipposideridae, Craseonycteridae, Megadermatidae und Rhinopomatidae. Zu den Yangochiroptera gehören die anderen Fledermausfamilien (die alle die Kehlkopfecholokation nutzen), eine Schlussfolgerung, die durch eine DNA-Studie aus dem Jahr 2005 bestätigt wird. Eine phylogenomische Studie aus dem Jahr 2013 unterstützte die beiden neu vorgeschlagenen Unterordnungen.

Paarhufer (Chiroptera)

Yangochiroptera (wie oben) Pteronotus parnellii.jpg

Yinpterochiroptera

Pteropodidae (Zwergfledermäuse) Mariana Fruit Bat.jpg

Rhinolophoidea

Megadermatidae (Falsche Vampirfledermäuse) Megaderma spasma.jpg

Hufeisenfledermäuse und Verbündete Rhinolophus rouxii.jpg

Interne Beziehungen der Chiroptera, wobei die Megafledermäuse laut einer Studie aus dem Jahr 2013 unter Yinpterochiroptera zusammengefasst werden
Riesiger Goldscheitel-Flugfuchs, Acerodon jubatus

Die Entdeckung einer frühen fossilen Fledermaus aus der 52 Millionen Jahre alten Green-River-Formation, Onychonycteris finneyi, im Jahr 2003 deutet darauf hin, dass sich der Flug vor den Echolotfähigkeiten entwickelte. Onychonycteris hatte Krallen an allen fünf Fingern, während moderne Fledermäuse höchstens zwei Krallen an zwei Fingern jeder Hand haben. Außerdem hatte sie längere Hinterbeine und kürzere Unterarme, ähnlich wie kletternde Säugetiere, die unter Ästen hängen, wie Faultiere und Gibbons. Diese handtellergroße Fledermaus hatte kurze, breite Flügel, was darauf hindeutet, dass sie nicht so schnell und so weit fliegen konnte wie spätere Fledermausarten. Anstatt beim Fliegen ständig mit den Flügeln zu schlagen, wechselte Onychonycteris wahrscheinlich zwischen Flügelschlägen und Gleitflügen in der Luft ab. Dies deutet darauf hin, dass diese Fledermaus nicht so viel flog wie moderne Fledermäuse, sondern von Baum zu Baum flog und die meiste Zeit kletternd oder an Ästen hängend verbrachte. Die charakteristischen Merkmale des Onychonycteris-Fossils stützen auch die Hypothese, dass sich der Flug der Säugetiere höchstwahrscheinlich in baumbewohnenden Fortbewegungsmitteln und nicht in terrestrischen Läufern entwickelt hat. Dieses Modell der Flugentwicklung, allgemein bekannt als die "Bäume-nach-unten"-Theorie, besagt, dass Fledermäuse zuerst flogen, indem sie sich die Höhe und die Schwerkraft zunutze machten, um sich auf ihre Beute fallen zu lassen, anstatt schnell genug zu laufen, um ebenerdig abzuheben.

Die molekulare Phylogenie war umstritten, da sie darauf hindeutete, dass die Mikrofledermäuse keine einheitliche gemeinsame Abstammung haben, was bedeutete, dass einige scheinbar unwahrscheinliche Umwandlungen stattfanden. Die erste ist, dass sich die Kehlkopfecholokation bei Fledermäusen zweimal entwickelt hat, einmal bei den Yangochiroptera und einmal bei den Rhinolophoiden. Die zweite ist, dass die Kehlkopfecholokation einen einzigen Ursprung in den Chiroptera hatte, dann in der Familie Pteropodidae (alle Megafledermäuse) verloren ging und sich später als ein System des Zungenschnalzens in der Gattung Rousettus entwickelte. Analysen der Sequenz des Vokalisationsgens FoxP2 ergaben keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob die Kehlkopfecholokation bei den Pteropodiden verloren ging oder bei den echolokierenden Linien hinzukam. Die Echoortung hat sich bei Fledermäusen wahrscheinlich zuerst aus kommunikativen Rufen entwickelt. Die eozänen Fledermäuse Icaronycteris (vor 52 Millionen Jahren) und Palaeochiropteryx wiesen Schädelanpassungen auf, die auf eine Fähigkeit zur Ultraschallerkennung schließen lassen. Möglicherweise wurde diese Fähigkeit zunächst vor allem für die Suche nach Insekten am Boden und die Kartierung der Umgebung in der Gleitphase oder für Kommunikationszwecke genutzt. Nachdem die Anpassung an den Flug etabliert war, könnte sie verfeinert worden sein, um fliegende Beutetiere durch Echoortung anzupeilen. Analysen des Hörgens Prestin scheinen dafür zu sprechen, dass sich die Echoortung mindestens zweimal unabhängig voneinander entwickelt hat und nicht erst in zweiter Linie bei den Pteropodiden verloren gegangen ist, während die ontogenetische Analyse der Cochlea dafür spricht, dass sich die Kehlkopfechoortung nur einmal entwickelt hat.

Traditionell wurden innerhalb der Fledertiere die Flughunde (Megachiroptera) und die Fledermäuse (Microchiroptera) unterschieden. Aktuelle molekulare Untersuchungen zeigen aber, dass die Hufeisennasenartigen (Rhinolophoidea), eine Gruppe der Fledermäuse, näher mit den Flughunden verwandt sind als mit den übrigen Fledermäusen. Die Fledermäuse werden dadurch zu einer paraphyletischen Gruppe, was in einer modernen Systematik, wo alle Nachfahren eines gemeinsamen Vorfahren einer (monophyletischen) Gruppe angehören sollen, unerwünscht ist. Die Flughunde stammen wahrscheinlich von echoortenden Vorfahren ab, haben diese Fähigkeit jedoch im Laufe der Evolution durch eine bessere Nachtsehfähigkeit ersetzt. So werden die Fledertiere daher heute unterteilt in

  • die Yinpterochiroptera (englisch auch Yin bats ‚Yin-Fledertiere‘ genannt oder Pteropodiformes) – die Klade der Flughunde und Hufeisennasenartigen, und
  • die Yangochiroptera (engl. Yang bats ‚Yang-Fledertiere‘ oder Vespertilioniformes), die Klade der übrigen Fledermäuse.

Beide Kladen haben den Rang einer Unterordnung. Darunter gibt es fünf Überfamilien und über 20 Familien.

  • Unterordnung Yangochiroptera
    • Überfamilie Emballonuroidea
      • Glattnasen-Freischwänze (Emballonuridae)
      • Schlitznasen (Nycteridae)
    • Überfamilie Hasenmaulartige (Noctilionoidea)
      • Stummeldaumen (Furipteridae)
      • Kinnblattfledermäuse (Mormoopidae)
      • Neuseelandfledermäuse (Mystacinidae)
      • Madagassische Haftscheibenfledermäuse (Myzopodidae)
      • Hasenmäuler (Noctilionidae)
      • Blattnasen (Phyllostomidae)
      • Amerikanische Haftscheibenfledermäuse (Thyropteridae)
    • Überfamilie Glattnasenartige (Vespertilionoidea)
      • Cistugidae
      • Langflügelfledermäuse (Miniopteridae)
      • Bulldoggfledermäuse (Molossidae)
      • Trichterohren (Natalidae)
      • Glattnasen (Vespertilionidae)
  • Unterordnung Yinpterochiroptera
    • Überfamilie Pteropodoidea
    • Überfamilie Hufeisennasenartige (Rhinolophoidea)
      • Schweinsnasenfledermaus (Craseonycteridae)
      • Rundblattnasen (Hipposideridae)
      • Großblattnasen (Megadermatidae)
      • Hufeisennasen (Rhinolophidae)
      • Rhinonycteridae
      • Mausschwanzfledermäuse (Rhinopomatidae)
Innere Systematik der Fledertiere
 Chiroptera 
  Yangochiroptera  
  Emballonuroidea  

 Glattnasen-Freischwänze (Emballonuridae)


   

 Schlitznasen (Nycteridae)



   
  Noctilionoidea  

 Madagassische Haftscheibenfledermäuse (Myzopodidae)


   

 Neuseelandfledermäuse (Mystacinidae)


   


 Kinnblattfledermäuse (Mormoopidae)


   

 Blattnasen (Phyllostomidae)



   

 Amerikanische Haftscheibenfledermäuse (Thyropteridae)


   

 Stummeldaumen (Furipteridae)


   

 Hasenmäuler (Noctilionidae)







  Vespertilionoidea  


 Glattnasen (Vespertilionidae)


   

 Bulldoggfledermäuse (Molossidae)



   

 Trichterohren (Natalidae)





  Yinpterochiroptera  
  Pteropodoidea  

 Flughunde (Pteropodidae)


  Rhinolophoidea  

 Hufeisennasen (Rhinolophidae)


   

 Mausschwanzfledermäuse (Rhinopomatidae)


   

 Schweinsnasenfledermaus (Craseonycteridae)


   

 Großblattnasen (Megadermatidae)







Klassifizierung

Fledermäuse gehören zu den plazentalen Säugetieren. Nach den Nagetieren sind sie die größte Ordnung und machen etwa 20 % aller Säugetierarten aus. Im Jahr 1758 ordnete Carl Linnaeus die sieben ihm bekannten Fledermausarten der Gattung Vespertilio in die Ordnung der Primaten ein. Etwa zwanzig Jahre später stellte der deutsche Naturforscher Johann Friedrich Blumenbach sie in eine eigene Ordnung, die Chiroptera. Seitdem ist die Zahl der beschriebenen Arten auf über 1.400 gestiegen, die traditionell in zwei Unterordnungen eingeteilt werden: Megachiroptera (Megafledermäuse) und Microchiroptera (Mikrofledermäuse/Echolokalisierer). Nicht alle Megafledermäuse sind größer als Mikrofledermäuse. Die beiden Gruppen unterscheiden sich durch mehrere Merkmale. Mikrofledermäuse nutzen die Echoortung zur Navigation und zum Auffinden von Beutetieren, Megabatzen (mit Ausnahme der Fledermäuse der Gattung Rousettus) hingegen nicht. Dementsprechend haben Megafledermäuse ein gut ausgeprägtes Sehvermögen. Zwergfledermäuse haben eine Kralle am zweiten Finger der Vordergliedmaße. Die äußeren Ohren von Zwergfledermäusen schließen sich nicht zu einem Ring, sondern die Ränder sind am Ohransatz voneinander getrennt. Megafledermäuse ernähren sich von Früchten, Nektar oder Pollen, während die meisten Mikrofledermäuse Insekten fressen; andere ernähren sich von Früchten, Nektar, Pollen, Fischen, Fröschen, kleinen Säugetieren oder Blut.

"Chiroptera" aus Ernst Haeckels Kunstformen der Natur, 1904

Nachfolgend finden Sie eine tabellarische Übersicht über die Einteilung der Fledermausfamilien, die von verschiedenen Autoren des 2019 erscheinenden neunten Bandes des Handbook of the Mammals of the World vorgenommen wurde:

Chiroptera Blumenbach, 1779
Yinpterochiroptera Springer, Teeling, Madsen, Stanhope & Jong, 2001
Pteropodoidea J. E. Gray, 1821
Familie Englischer Name Anzahl der Arten Bild Abbildung
Pteropodidae J. E. Gray, 1821 Fledermäuse der Alten Welt 191 Pteropus niger three.jpeg
Rhinolophoidea J. E. Gray, 1825
Familie Englischer Name Anzahl der Arten Bild Abbildung
Rhinopomatidae Bonaparte, 1838 Mausohrschwanzfledermäuse 6 Mouse-Tailed Bat.jpg
Craseonycteridae Hill, 1974 Rauhhautfledermaus 1
Megadermatidae H. Allen, 1864 Falsch-Vampire 6 Greater False Vampire Bat (Megaderma lyra).jpg
Rhinonycteridae J. E. Gray, 1866 Dreizackfledermäuse 9 Rhinonicteris aurantia.jpg
Hipposideridae Lydekker, 1891 Altwelt-Blattnasenfledermäuse 88 Bat in a Cave.jpg
Rhinolophidae J. E. Gray, 1825 Hufeisenfledermäuse 109 Bat(20070605).jpg
Yangochiroptera Koopman, 1984
Emballonuroidea Gervais in de Castelnau, 1855
Familie Englischer Name Anzahl der Arten Bild Abbildung
Nycteridae Van der Hoeven, 1855 Schlitzgesichtige Fledermäuse 15 Common Slit-faced Bat (Nycteris thebaica) (7027172215).jpg
Emballonuridae Gervais in de Castelnau, 1855 Mantelschwanzfledermäuse 54 Emballonura semicaudata.jpg
Noctilionoidea J. E. Gray, 1821
Familie Englischer Name Anzahl der Arten Bild Abbildung
Myzopodidae Thomas, 1904 Madagaskar-Saugfüßer-Fledermäuse 2 Myzopoda Myzopodidae.jpg
Mystacinidae Dobson, 1875 Neuseeländische Kurzschwanzfledermäuse 2 Southern short-tailed bats, Mystacina tuberculata.jpg
Thyropteridae Miller, 1907 Scheibenfledermäuse 5 Thyroptera discifera.jpg
Furipteridae J. E. Gray, 1866 Rauhhautfledermaus und Däumlingsfledermaus 2 Furipterus horrens.jpg
Noctilionidae J. E. Gray, 1821 Bulldog-Fledermäuse 2 Captive Noctilio leporinus.jpg
Mormoopidae Saussure, 1860 Gespenstermantel-, Nacktrücken- und Schnurrbartfledermäuse 18 Mormoops megalophylla.JPG
Phyllostomidae J. E. Gray, 1825 Neuwelt-Blattnasenfledermäuse 217 Phyllostomus discolor b.jpg
Vespertilionoidea J. E. Gray, 1821
Familie Englischer Name Anzahl der Arten Bild Abbildung
Natalidae J. E. Gray, 1825 Trichterohrfledermäuse 12 Natalus stramineus.jpg
Molossidae Gervais in de Castelnau, 1855 Freischwänzige Fledermäuse 126 Mormopterus beccarii astrolabiensis 1.jpg
Zwergfledermäuse Dobson, 1875 Freischwänzige Fledermäuse 38 Southern bentwing bat.jpg
Cistugidae Lack et al., 2010 Fransenfledermäuse 2
Vespertilionidae J. E. Gray, 1821 Zwergfledermäuse 496 Vespertilio murinus 2.jpg

Anatomie und Physiologie

Die meisten Fledertiere – mit Ausnahme einiger Flughunde – sind nachtaktive Tiere, die tagsüber in einem Versteck schlafen. Sie hängen dabei meist kopfüber an den Füßen, wodurch im Gefahrenfall eine schnelle Flucht durch einfaches Fallenlassen ermöglicht wird. Sie brauchen keine Kraft, um sich festzuklammern, da die Krallen durch das Gewicht der Fledermaus gekrümmt werden. Deshalb fallen selbst tote Fledertiere nicht herab. Die meisten Fledermäuse orientieren sich während des Fluges durch Echoortung: Mit dem Mund oder der Nase stoßen sie Laute ab, die im Ultraschallbereich liegen, also jenseits der menschlichen Hörgrenze. Manche Arten, insbesondere die Großblattnasen (Megadermatidae) und die Blattnasen (Phyllostomidae) haben auffällige Auswüchse an den Nasen, sogenannte Nasenblätter, die zur Verstärkung dieser Laute dienen. Die Ohren sind gut entwickelt und oftmals sehr groß, ein Tragus (Ohrdeckel) ist bei vielen Arten vorhanden und dient zum besseren Empfang der zurückgesandten Signale. Im Gegensatz dazu verwenden Flughunde mit Ausnahme der Rosettenflughunde keine Echoortung. Fledertiere sind nicht blind, sondern haben gut entwickelte Augen, auch wenn – wie bei vielen nachtaktiven Tieren – die Stäbchen in der Netzhaut überwiegen. Insbesondere Flughunde haben einen gut entwickelten Gesichtssinn. Auch der Geruchssinn ist bei den meisten Arten gut entwickelt.

Fledertiere verbringen den Tag in Höhlen, Felsspalten, Baumhöhlen oder in menschengemachten Behausungen wie Minen, Ruinen und Gebäuden; Flughunde schlafen eher auf Bäumen als Fledermäuse. Viele Arten leben in großen Kolonien, oft aus Tausenden von Tieren, andere sind Einzelgänger.

In kühleren Regionen halten sie oft Winterschlaf oder ziehen während des Winters in wärmere Regionen. Auch während des Tagesschlafs sinkt ihr Stoffwechsel in stärkerem Ausmaß als bei anderen Säugetieren.

Schädel und Gebiss

Eine konservierte Zwergfledermaus, die zeigt, wie das Skelett in ihre Haut passt

Die Form des Kopfes und der Zähne von Fledermäusen kann je nach Art variieren. Im Allgemeinen haben Zwergfledermäuse eine längere Schnauze, größere Augenhöhlen und kleinere Ohren, was ihnen ein eher hundeähnliches Aussehen verleiht und ihnen den Spitznamen "Flughunde" einbrachte. Bei den Mikrofledermäusen werden längere Schnauzen mit der Nektarfütterung in Verbindung gebracht, während Vampirfledermäuse kleinere Schnauzen haben, um große Schneide- und Eckzähne unterzubringen.

Kleine insektenfressende Fledermäuse können bis zu 38 Zähne haben, während Vampirfledermäuse nur 20 haben. Fledermäuse, die sich von hartschaligen Insekten ernähren, haben weniger, aber größere Zähne mit längeren Eckzähnen und robusteren Unterkiefern als Arten, die sich von Insekten mit weicherem Körper ernähren. Bei Fledermäusen, die sich von Nektar ernähren, sind die Eckzähne lang, während die Backenzähne reduziert sind. Bei fruchtfressenden Fledermäusen sind die Höcker der Backenzähne zum Zerkleinern angepasst. Den oberen Schneidezähnen der Vampirfledermäuse fehlt der Zahnschmelz, wodurch sie messerscharf bleiben. Die Bisskraft der kleinen Fledermäuse wird durch einen mechanischen Vorteil erzeugt, der es ihnen ermöglicht, den gehärteten Panzer von Insekten oder die Haut von Früchten zu durchbeißen.

Durch die Vielfalt der Ernährungsweisen hat sich eine große Variabilität der Bezahnung entwickelt und es können etwa 50 verschiedene Zahnformeln unterschieden werden. Die ursprüngliche Zahnformel der Chiroptera lautet I 2/3, C 1/1, P 3/3, M 3/3 = 38. Häufig besitzen Fledertiere nur zwei Schneidezähne im Oberkiefer, eine kurze Schnauze geht in den meisten Fällen mit einer geringeren Zahl von Prämolaren einher. Die Molaren der insektivoren, piscivoren und carnivoren Arten sind scharfkantig und können die tierische Nahrung zerschneiden. Früchte fressende Fledertiere besitzen oft einen kräftigen Gaumen und eine starke Zunge und quetschen mit beiden und ihren flachkronigen Molaren nur den Saft aus dem Fruchtfleisch, während sie die faserigen Reste wieder ausspucken. Die langen und dolchartigen Eckzähne dieser Tiere dienen dem Festhalten der Früchte. Bei den Arten, die sich von Nektar ernähren, sind die Molaren durch Lücken getrennt und besitzen lange, schmale Kronen. Das Gebiss des sich von Blut ernährenden Gemeinen Vampirs (Desmodus rotundus) ist stark reduziert und besteht nur noch aus zwanzig Zähnen. Die oberen Praemolaren und die Molaren sind rückgebildet, die oberen Schneidezähne und Eckzähne sind vergrößert und besitzen messerartige, scharfe Kanten, um die Haut der Beutetiere zu durchtrennen.

Flügel und Flug

Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die zum Dauerflug fähig sind, im Gegensatz zum Gleitflug wie beim Flughörnchen. Die schnellste Fledermaus, die mexikanische Breitschwanzfledermaus (Tadarida brasiliensis), kann eine Geschwindigkeit von 160 km/h am Boden erreichen.

Kleine braune Fledermaus: Abflug und Flug

Die Fingerknochen von Fledermäusen sind aufgrund ihres abgeflachten Querschnitts und des geringen Kalziumgehalts in der Nähe ihrer Spitzen viel flexibler als die anderer Säugetiere. Die Verlängerung der Fledermausfinger, ein wichtiges Merkmal für die Entwicklung der Flügel, ist auf die Hochregulierung von morphogenetischen Knochenproteinen (Bmps) zurückzuführen. Während der Embryonalentwicklung wird das Gen, das die Bmp-Signalübertragung steuert, Bmp2, in den Vorderbeinen der Fledermäuse verstärkt exprimiert, was zur Verlängerung der Handfinger führt. Diese entscheidende genetische Veränderung trägt dazu bei, die für den motorisierten Flug erforderlichen spezialisierten Gliedmaßen zu entwickeln. Der relative Anteil der Finger an den Vorderbeinen der Fledermäuse im Vergleich zu den fossilen Fledermäusen aus dem Eozän weist keine signifikanten Unterschiede auf, was darauf hindeutet, dass die Morphologie der Fledermausflügel seit über fünfzig Millionen Jahren erhalten geblieben ist. Während des Fluges sind die Knochen Biege- und Scherspannungen ausgesetzt; die Biegespannungen sind geringer als bei Landsäugetieren, die Scherspannungen sind jedoch größer. Die Flügelknochen von Fledermäusen haben eine etwas niedrigere Bruchlast als die von Vögeln.

Wie bei anderen Säugetieren und anders als bei Vögeln ist die Speiche der Hauptbestandteil des Unterarms. Fledermäuse haben fünf längliche Zehen, die alle strahlenförmig um das Handgelenk angeordnet sind. Der Daumen zeigt nach vorne und stützt die Vorderkante des Flügels, während die anderen Zehen die Spannung in der Flügelmembran halten. Der zweite und der dritte Finger verlaufen entlang der Flügelspitze, so dass der Flügel gegen den Luftwiderstand nach vorne gezogen werden kann, ohne dass er dick sein muss wie bei den Flügeln der Flugsaurier. Der vierte und der fünfte Finger reichen vom Handgelenk bis zur Hinterkante des Flügels und stoßen die Biegekraft ab, die durch die gegen die steife Membran drückende Luft entsteht. Aufgrund ihrer flexiblen Gelenke sind Fledermäuse wendiger und geschickter als gleitende Säugetiere.

Flügelmembranen (Patagia) des Townsend-Großohrs, Corynorhinus townsendii

Die Flügel von Fledermäusen sind viel dünner und bestehen aus mehr Knochen als die Flügel von Vögeln. Dadurch können Fledermäuse präziser manövrieren als letztere und mit mehr Auftrieb und weniger Widerstand fliegen. Indem sie die Flügel beim Aufschlag zum Körper hin einklappen, sparen sie beim Flug 35 Prozent Energie ein. Die Membranen sind empfindlich und reißen leicht ein, können aber nachwachsen, und kleine Risse heilen schnell ab. Die Oberfläche der Flügel ist mit berührungsempfindlichen Rezeptoren auf kleinen Höckern, den so genannten Merkel-Zellen, ausgestattet, die auch an den menschlichen Fingerspitzen zu finden sind. Diese empfindlichen Bereiche sind bei Fledermäusen anders, da jeder Höcker in der Mitte ein winziges Haar hat, das ihn noch empfindlicher macht und es der Fledermaus ermöglicht, wechselnde Luftströmungen zu erkennen und sich ihnen anzupassen; dies dient in erster Linie dazu, die effizienteste Fluggeschwindigkeit zu bestimmen und möglicherweise auch einen Strömungsabriss zu vermeiden. Insektenfressende Fledermäuse nutzen die Tasthaare möglicherweise auch, um komplexe Manöver zum Ergreifen von Beutetieren im Flug durchzuführen.

Das Patagium ist die Flügelmembran, die sich zwischen den Arm- und Fingerknochen und seitlich am Körper entlang bis zu den Hinterbeinen und dem Schwanz erstreckt. Diese Hautmembran besteht aus Bindegewebe, elastischen Fasern, Nerven, Muskeln und Blutgefäßen. Die Muskeln halten die Membran während des Fluges straff. Das Ausmaß, in dem der Schwanz einer Fledermaus an einem Patagium befestigt ist, kann von Art zu Art variieren, wobei einige Arten völlig freie Schwänze oder sogar keine Schwänze haben. Die Haut am Körper der Fledermaus, die aus einer Schicht Epidermis und Dermis sowie Haarfollikeln, Schweißdrüsen und einer fettigen Unterhaut besteht, unterscheidet sich stark von der Haut der Flügelmembran. Je nach Fledermausart variiert das Vorhandensein von Haarfollikeln und Schweißdrüsen im Patagium. Das Patagium ist eine hauchdünne Doppelschicht aus Epidermis; diese Schichten sind durch einen bindegewebigen Kern getrennt, der reich an Kollagen und elastischen Fasern ist. Bei einigen Fledermausarten befinden sich zwischen diesem Bindegewebe Schweißdrüsen. Wenn Haarfollikel vorhanden sind, unterstützt dies die Fledermaus, um plötzliche Flugmanöver auszuführen. Bei Fledermausembryonen betrifft die Apoptose (Zelltod) nur die Hinterextremitäten, während die Vorderextremitäten zwischen den Zehen Schwimmhäute behalten, die sich zu den Flügelmembranen entwickeln. Im Gegensatz zu Vögeln, deren steife Flügel Biege- und Torsionskräfte auf die Schultern übertragen, haben Fledermäuse eine flexible Flügelmembran, die nur Zugkräften widerstehen kann. Um fliegen zu können, übt die Fledermaus an den Stellen, an denen die Membran auf das Skelett trifft, eine Kraft nach innen aus, so dass an den Flügelrändern, die senkrecht zur Flügeloberfläche stehen, eine Gegenkraft entsteht. Diese Anpassung erlaubt es Fledermäusen nicht, ihre Flügel zu verkleinern, im Gegensatz zu Vögeln, die ihre Flügel im Flug teilweise einklappen können, wodurch sich die Flügelspannweite und die Fläche für den Aufschlag und den Gleitflug radikal verringern. Daher können Fledermäuse keine großen Entfernungen zurücklegen, wie es Vögel können.

Nektar- und pollenfressende Fledermäuse können schweben, ähnlich wie Kolibris. Die scharfen Vorderkanten der Flügel können Wirbel erzeugen, die für Auftrieb sorgen. Der Wirbel kann stabilisiert werden, indem das Tier die Krümmung seiner Flügel verändert.

Schlafen und Gangarten

Eine Gruppe von Zwergfledermäusen beim Schlafengehen

Wenn sie nicht fliegen, hängen Fledermäuse kopfüber an ihren Füßen, eine Haltung, die als Schlafplatz bekannt ist. Die Oberschenkelknochen sind an den Hüften so befestigt, dass sie sich im Flug nach außen und oben biegen können. Das Fußgelenk kann sich beugen, damit sich die Hinterkante der Flügel nach unten biegen kann. Dies ermöglicht nicht viele Bewegungen außer dem Hängen oder Klettern auf Bäume. Die meisten Zwergfledermäuse schlafen mit dem Kopf auf dem Bauch, während die meisten Kleinfledermäuse mit dem Hals auf dem Rücken schlafen. Dieser Unterschied spiegelt sich in der Struktur der Hals- oder Nackenwirbel der beiden Gruppen wider, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Sehnen ermöglichen es den Fledermäusen, ihre Füße zu verschließen, wenn sie an einem Schlafplatz hängen. Zum Loslassen ist Muskelkraft erforderlich, nicht aber zum Festhalten an einer Sitzstange oder beim Festhalten.

Auf dem Boden können die meisten Fledermäuse nur unbeholfen krabbeln. Einige wenige Arten wie die Neuseeländische Zwergfledermaus und die Gemeine Vampirfledermaus sind am Boden sehr beweglich. Beide Arten bewegen sich bei langsamer Fortbewegung seitlich (die Gliedmaßen bewegen sich nacheinander), aber Vampirfledermäuse bewegen sich bei höheren Geschwindigkeiten mit einem hüpfenden Gang (alle Gliedmaßen bewegen sich im Gleichschritt), wobei sie sich mit den zusammengeklappten Flügeln vorwärts bewegen. Vampirfledermäuse haben diese Gangart wahrscheinlich entwickelt, um ihren Wirten zu folgen, während sich die Kurzschwanzfledermäuse in Ermangelung von Konkurrenten aus dem Bereich der Landsäugetiere entwickelten. Die verbesserte Fortbewegung auf dem Land scheint ihre Flugfähigkeit nicht beeinträchtigt zu haben.

Innere Systeme

Fledermäuse haben ein effizientes Kreislaufsystem. Sie scheinen sich einer besonders starken Venomotion zu bedienen, einer rhythmischen Kontraktion der Venenwandmuskeln. Bei den meisten Säugetieren leisten die Venenwände hauptsächlich passiven Widerstand, indem sie ihre Form beibehalten, wenn sauerstoffarmes Blut durch sie fließt, aber bei Fledermäusen scheinen sie den Blutfluss zurück zum Herzen durch diese Pumpwirkung aktiv zu unterstützen. Da ihre Körper relativ klein und leicht sind, besteht bei Fledermäusen nicht die Gefahr, dass das Blut während des Schlafens zum Kopf fließt.

Fledermäuse verfügen über ein hochgradig angepasstes Atmungssystem, um den Anforderungen des motorisierten Flugs gerecht zu werden, einer energetisch anstrengenden Aktivität, die einen großen kontinuierlichen Sauerstoffdurchsatz erfordert. Bei Fledermäusen sind die relative alveoläre Oberfläche und das pulmonale Kapillarblutvolumen größer als bei den meisten anderen kleinen vierbeinigen Säugetieren. Während des Fluges steht der Atemzyklus in einem Verhältnis von eins zu eins zum Flügelschlagzyklus. Aufgrund der Beschränkungen der Säugetierlunge können Fledermäuse nicht in großen Höhen fliegen.

Die Flügel sind stark vaskularisierte Membranen, deren größere Blutgefäße im Gegenlicht sichtbar sind.

Um die Flugmuskeln der Fledermäuse zu aktivieren, sind viel Energie und ein leistungsfähiges Kreislaufsystem erforderlich. Die Energieversorgung der Flugmuskeln ist etwa doppelt so hoch wie die der Muskeln, die den Flug nicht zur Fortbewegung bei Säugetieren nutzen. Parallel zum Energieverbrauch ist der Sauerstoffgehalt des Blutes bei fliegenden Tieren doppelt so hoch wie bei den sich auf dem Boden fortbewegenden Säugetieren. Da die Blutzufuhr die Menge des im ganzen Körper zugeführten Sauerstoffs steuert, muss das Kreislaufsystem entsprechend reagieren. Daher kann das Herz der Fledermaus im Vergleich zu einem Landsäugetier gleicher relativer Größe bis zu dreimal so groß sein und mehr Blut pumpen. Die Herzleistung ergibt sich direkt aus der Herzfrequenz und dem Schlagvolumen des Blutes; eine aktive Mikrofledermaus kann eine Herzfrequenz von 1000 Schlägen pro Minute erreichen.

Mit seinem extrem dünnen Membrangewebe kann der Flügel einer Fledermaus erheblich zur gesamten Gasaustauschleistung des Organismus beitragen. Aufgrund des hohen Energiebedarfs beim Fliegen deckt der Körper der Fledermaus diesen Bedarf durch den Gasaustausch über die Flügeldecken. Wenn die Fledermaus ihre Flügel ausbreitet, vergrößert sich das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen. Die Oberfläche der Flügel macht etwa 85 % der gesamten Körperoberfläche aus, was auf die Möglichkeit eines nützlichen Gasaustauschs hindeutet. Die subkutanen Gefäße in der Membran liegen sehr nahe an der Oberfläche und ermöglichen die Diffusion von Sauerstoff und Kohlendioxid.

Das Verdauungssystem der Fledermäuse ist je nach Fledermausart und Ernährung unterschiedlich angepasst. Wie bei anderen fliegenden Tieren wird die Nahrung schnell und effektiv verarbeitet, um den Energiebedarf zu decken. Insektenfressende Fledermäuse verfügen über bestimmte Verdauungsenzyme, um Insekten besser verarbeiten zu können, wie z. B. Chitinase, um Chitin, das ein großer Bestandteil von Insekten ist, abzubauen. Vampirfledermäuse sind, wahrscheinlich aufgrund ihrer Blutnahrung, die einzigen Wirbeltiere, die in ihrem Verdauungstrakt nicht über das Enzym Maltase verfügen, das Malzzucker abbaut. Nektivore und frugivore Fledermäuse haben mehr Maltase- und Sucrase-Enzyme als insektenfressende Tiere, um mit dem höheren Zuckergehalt ihrer Nahrung fertig zu werden.

Die Anpassungen der Nieren von Fledermäusen variieren je nach Ernährungsweise. Fleischfressende Fledermäuse und Vampirfledermäuse verzehren große Mengen an Eiweiß und können konzentrierten Urin abgeben; ihre Nieren haben eine dünne Rinde und lange Nierenpapillen. Frugivore Fledermäuse sind dazu nicht in der Lage und haben Nieren, die aufgrund ihrer elektrolytarmen Ernährung an die Speicherung von Elektrolyten angepasst sind; ihre Nieren haben daher eine dicke Rinde und sehr kurze konische Papillen. Fledermäuse haben eine höhere Stoffwechselrate, die mit dem Fliegen verbunden ist, was zu einem erhöhten Wasserverlust über die Atemwege führt. Ihre großen Flügel bestehen aus stark vaskularisierten Membranen, was die Oberfläche vergrößert und zu einem kutanen Wasserverlust durch Verdunstung führt. Wasser trägt zur Aufrechterhaltung des Ionengleichgewichts im Blut, zur Wärmeregulierung und zum Abtransport von Abfallstoffen und Giftstoffen aus dem Körper über den Urin bei. Sie sind auch anfällig für eine Harnstoffvergiftung im Blut, wenn sie nicht genügend Flüssigkeit erhalten.

Der Aufbau des Uterussystems bei weiblichen Fledermäusen kann von Art zu Art variieren: Einige haben zwei Uterushörner, während andere eine einzige Hauptkammer haben.

Sinnesorgane

Echolokation

Mikrofledermäuse und einige Megafledermäuse senden Ultraschalltöne aus, die Echos erzeugen. Die Schallintensität dieser Echos hängt vom Druck in den Schlundöffnungen ab. Der Krikothyroidmuskel der Fledermäuse steuert die Frequenz der Orientierungsimpulse, was eine wichtige Funktion ist. Dieser Muskel befindet sich im Inneren des Kehlkopfes und ist der einzige Tensor-Muskel, der die Phonation unterstützen kann. Durch den Vergleich des ausgesendeten Pulses mit den zurückkommenden Echos können Fledermäuse Informationen über ihre Umgebung sammeln. So können sie in der Dunkelheit Beute aufspüren. Einige Fledermausrufe können 140 Dezibel erreichen. Mikrofledermäuse verwenden ihren Kehlkopf, um Echoortungssignale durch den Mund oder die Nase auszusenden. Die Rufe der Mikrofledermäuse haben eine Frequenz von 14.000 bis weit über 100.000 Hz und liegen damit weit über dem menschlichen Hörbereich (zwischen 20 und 20.000 Hz). Verschiedene Fledermausgruppen haben fleischige Fortsätze um und über den Nasenlöchern entwickelt, die als Nasenblätter bezeichnet werden und die bei der Schallübertragung eine Rolle spielen.

Prinzip der Fledermaus-Echolokation: Orange ist der Ruf und grün das Echo.

Bei der Echoortung mit geringem Tastverhältnis können die Fledermäuse ihre Rufe und die zurückkommenden Echos zeitlich voneinander trennen. Sie müssen ihre kurzen Rufe zeitlich so abstimmen, dass sie beendet sind, bevor die Echos zurückkommen. Die Verzögerung der zurückkehrenden Echos ermöglicht es der Fledermaus, die Entfernung zu ihrer Beute abzuschätzen. Bei der Hochfrequenz-Echolokation senden Fledermäuse einen kontinuierlichen Ruf aus und trennen Puls und Echo in der Frequenz, indem sie den Dopplereffekt ihrer Flugbewegung nutzen. Die Verschiebung der zurückkehrenden Echos gibt Aufschluss über die Bewegung und den Standort der Beute der Fledermaus. Diese Fledermäuse müssen mit Änderungen der Dopplerverschiebung aufgrund von Änderungen ihrer Fluggeschwindigkeit umgehen. Sie haben sich daran gewöhnt, ihre Pulsfrequenz in Abhängigkeit von ihrer Fluggeschwindigkeit zu verändern, so dass die Echos immer noch im optimalen Hörbereich zurückkommen.

Fledermausohren können nicht nur Beutetiere per Echo orten, sondern sind auch empfindlich für Geräusche, die von ihren Beutetieren erzeugt werden, wie zum Beispiel das Flattern von Mottenflügeln. Die komplexe Geometrie der Furchen auf der Innenseite der Fledermausohren trägt dazu bei, die Echolokationssignale scharf zu fokussieren und passiv auf alle anderen von der Beute erzeugten Geräusche zu hören. Diese Rillen können als akustisches Äquivalent einer Fresnellinse betrachtet werden und kommen bei einer Vielzahl nicht verwandter Tiere vor, wie z. B. dem Aye-Eye, dem Kleinen Galago, dem Löffelhund, dem Mausmaki und anderen. Fledermäuse können die Höhe ihres Ziels anhand der Interferenzmuster der Echos abschätzen, die vom Tragus, einem Hautlappen an der Ohrmuschel, reflektiert werden.

Die Tigermotte (Bertholdia trigona) kann die Fledermausecholokation stören.

Durch wiederholtes Abtasten können sich die Fledermäuse ein genaues Bild von der Umgebung, in der sie sich bewegen, und von ihrer Beute machen. Einige Mottenarten haben sich dies zunutze gemacht, wie z. B. die Tigermotte, die aposematische Ultraschallsignale erzeugt, um Fledermäuse zu warnen, dass sie chemisch geschützt und daher unliebsam sind. Mottenarten wie die Tigermotte können Signale erzeugen, die die Echoortung von Fledermäusen stören. Viele Mottenarten haben ein Hörorgan, das Tympanon, das auf ein eintreffendes Fledermaus-Signal reagiert, indem es die Flugmuskeln der Motte zu unregelmäßigen Zuckungen veranlasst und die Motte zu willkürlichen Ausweichmanövern veranlasst.

Sehvermögen

Die Augen der meisten Mikrofledermausarten sind klein und schlecht entwickelt, was zu einer schlechten Sehschärfe führt, aber keine Art ist blind. Die meisten Zwergfledermäuse haben ein mesopisches Sehvermögen, d. h. sie können nur schwaches Licht wahrnehmen, während andere Säugetiere ein photopisches Sehvermögen haben, das Farbsehen ermöglicht. Mikrofledermäuse können ihr Sehvermögen zur Orientierung und auf dem Weg zwischen ihren Schlafplätzen und Futterplätzen einsetzen, da die Echoortung nur über kurze Entfernungen wirksam ist. Einige Arten können ultraviolettes Licht (UV) wahrnehmen. Da die Körper einiger Mikrofledermäuse eine besondere Färbung aufweisen, können sie Farben unterscheiden.

Megafledermausarten haben oft ein Sehvermögen, das dem des Menschen entspricht, wenn nicht sogar besser ist. Ihr Sehvermögen ist sowohl an Nacht- als auch an Tagessehen angepasst, einschließlich eines gewissen Farbensehens.

Magnetorezeption

Mikrofledermäuse nutzen die Magnetorezeption, d. h. sie reagieren wie Vögel sehr empfindlich auf das Magnetfeld der Erde. Mikrofledermäuse verwenden einen Kompass, der auf der Polarität basiert, d. h. sie unterscheiden zwischen Norden und Süden, im Gegensatz zu Vögeln, die die Stärke des Magnetfelds zur Unterscheidung von Breitengraden nutzen, was bei Langstreckenreisen von Nutzen sein kann. Der Mechanismus ist unbekannt, könnte aber mit Magnetitpartikeln zusammenhängen.

Thermoregulation

Thermografische Aufnahme einer Fledermaus, die eingeschlossene Luft als Isolierung nutzt

Die meisten Fledermäuse sind homöotherm (d. h. sie haben eine stabile Körpertemperatur), mit Ausnahme der Vesperfledermäuse (Vespertilionidae), der Hufeisennasen (Rhinolophidae), der Freischwanzfledermäuse (Molossidae) und der Fledermäuse mit gebogenen Flügeln (Miniopteridae), die weitgehend heterotherm sind (d. h. ihre Körpertemperatur kann schwanken). Im Vergleich zu anderen Säugetieren haben Fledermäuse eine hohe Wärmeleitfähigkeit. Die Flügel sind mit Blutgefäßen gefüllt und verlieren Körperwärme, wenn sie ausgebreitet werden. Im Ruhezustand können sie ihre Flügel um sich selbst wickeln, um eine Schicht warmer Luft einzuschließen. Kleinere Fledermäuse haben im Allgemeinen eine höhere Stoffwechselrate als größere Fledermäuse und müssen daher mehr Nahrung zu sich nehmen, um die Homöothermie aufrechtzuerhalten.

Fledermäuse vermeiden es möglicherweise, tagsüber zu fliegen, um eine Überhitzung in der Sonne zu vermeiden, da ihre dunklen Flügelmembranen die Sonnenstrahlung absorbieren. Wenn die Umgebungstemperatur zu hoch ist, können Fledermäuse die Wärme möglicherweise nicht ableiten; sie verwenden Speichel, um sich unter extremen Bedingungen abzukühlen. Unter den Megafledermäusen kühlt sich der Flughund Pteropus hypomelanus während der heißesten Tageszeit auf seinem Schlafplatz durch Speichel und Flügelschlagen ab. Unter den Kleinfledermäusen bewältigen die Yuma-Myotis (Myotis yumanensis), die mexikanische Freischwanzfledermaus und die Fahlfledermaus (Antrozous pallidus) Temperaturen von bis zu 45 °C, indem sie hecheln, speicheln und ihr Fell lecken, um die Verdunstungskälte zu fördern; dies reicht aus, um das Doppelte ihrer metabolischen Wärmeproduktion abzuführen.

Fledermäuse verfügen auch über ein System von Schließklappen auf der arteriellen Seite des Gefäßnetzes, das am Rand ihrer Flügel verläuft. Wenn diese Klappen vollständig geöffnet sind, kann sauerstoffreiches Blut durch das Kapillarnetz über die Flügelmembran fließen; wenn sie zusammengezogen sind, leiten sie den Blutstrom direkt in die Venen und umgehen die Flügelkapillaren. Auf diese Weise können Fledermäuse steuern, wie viel Wärme durch die Flugmembran ausgetauscht wird, so dass sie während des Fluges Wärme abgeben können. Viele andere Säugetiere nutzen das Kapillarnetz in den übergroßen Ohren für denselben Zweck.

Torpor

Eine Dreifarbfledermaus (Perimyotis subflavus) im Torpor

Der Torpor, ein Zustand verminderter Aktivität, in dem die Körpertemperatur und der Stoffwechsel sinken, ist für Fledermäuse besonders nützlich, da sie während ihrer Aktivität viel Energie verbrauchen, von einer unzuverlässigen Nahrungsquelle abhängig sind und nur begrenzt Fett speichern können. In diesem Zustand sinkt ihre Körpertemperatur im Allgemeinen auf 6-30 °C, und ihr Energieverbrauch kann um 50 bis 99 % sinken. Tropische Fledermäuse nutzen diesen Zustand möglicherweise, um Raubtieren zu entgehen, indem sie weniger Zeit für die Nahrungssuche aufwenden und so die Wahrscheinlichkeit verringern, von einem Raubtier gefangen zu werden. Man ging allgemein davon aus, dass Zwergfledermäuse homöotherm sind, aber von drei Arten kleiner Zwergfledermäuse mit einem Gewicht von etwa 50 Gramm ist bekannt, dass sie den Torpor nutzen: die Gewöhnliche Blütenfledermaus (Syconycteris australis), die Langzüngige Nektarfledermaus (Macroglossus minimus) und die Östliche Röhrennasenfledermaus (Nyctimene robinsoni). Der Winterschlaf dauert bei den Megafledermäusen im Sommer länger als im Winter.

Während des Winterschlafs versetzen sich die Fledermäuse in einen torpiden Zustand und senken ihre Körpertemperatur während 99,6 % ihrer Winterschlafperiode; selbst während der Aufwachphasen, wenn sie ihre Körpertemperatur wieder auf Normaltemperatur bringen, versetzen sie sich manchmal in einen flachen torpiden Zustand, der als "heterothermes Aufwachen" bezeichnet wird. Einige Fledermäuse schlafen bei höheren Temperaturen, um sich in den Sommermonaten abzukühlen.

Heterotherme Fledermäuse können während langer Wanderungen nachts fliegen und tagsüber in einen torpiden Zustand übergehen, in dem sie schlafen. Im Gegensatz zu Zugvögeln, die tagsüber fliegen und nachts fressen, stehen nachtaktive Fledermäuse in einem Konflikt zwischen Reisen und Fressen. Die eingesparte Energie verringert ihren Nahrungsbedarf und verkürzt die Dauer der Wanderungen, wodurch sie sich möglicherweise nicht zu lange an unbekannten Orten aufhalten und weniger erbeutet werden. Bei einigen Arten kann es vorkommen, dass schwangere Tiere keinen Torpor nutzen.

Größe

Die kleinste Fledermausart ist die Kitti-Schwalbennasenfledermaus (Craseonycteris thonglongyai) mit einer Länge von 29-34 mm und einer Flügelspannweite von 150 Millimetern sowie einem Gewicht von 2-2,6 g (1⁄16-3⁄32 oz). Neben der etruskischen Spitzmaus ist sie wohl die kleinste Säugetierart, die es gibt. Die größten Fledermäuse sind einige Arten von Pteropus megabats und der riesige goldgekrönte Flughund (Acerodon jubatus), der 1,6 kg wiegen kann und eine Flügelspannweite von 1,7 m hat. Größere Fledermäuse neigen dazu, niedrigere Frequenzen und kleinere Fledermäuse höhere Frequenzen für die Echoortung zu verwenden; die Echoortung mit hohen Frequenzen ist besser geeignet, um kleinere Beute zu erkennen. Kleine Beutetiere können im Speiseplan großer Fledermäuse fehlen, da sie nicht in der Lage sind, sie zu erkennen. Die Anpassungen einer bestimmten Fledermausart können sich direkt darauf auswirken, welche Arten von Beutetieren ihr zur Verfügung stehen.

Ökologie

Fledermäuse, die Zelte bauen (Uroderma bilobatum) in Costa Rica

Der Flug hat Fledermäuse zu einer der am weitesten verbreiteten Säugetiergruppen gemacht. Abgesehen von der Arktis, der Antarktis und einigen isolierten ozeanischen Inseln gibt es Fledermäuse in fast allen Lebensräumen der Erde. In tropischen Gebieten gibt es tendenziell mehr Arten als in gemäßigten Zonen. Die verschiedenen Arten suchen sich je nach Jahreszeit unterschiedliche Lebensräume aus, die von Meeresküsten bis hin zu Gebirgen und Wüsten reichen, aber sie benötigen geeignete Schlafplätze. Fledermausquartiere befinden sich in Höhlen, Spalten, im Laub und sogar in von Menschenhand errichteten Strukturen und umfassen "Zelte", die die Fledermäuse aus Blättern bauen. Zwergfledermäuse übernachten in der Regel in Bäumen. Die meisten Mikrofledermäuse sind nachtaktiv, während Megafledermäuse in der Regel tagaktiv oder dämmerungsaktiv sind. Es ist bekannt, dass Mikrofledermäuse in gemäßigten Regionen im Sommer tagaktiv sind, wenn die Nachtzeit für die Nahrungssuche nicht ausreicht, und in Gebieten, in denen es tagsüber nur wenige Raubvögel gibt.

In den gemäßigten Zonen wandern einige Mikrofledermäuse Hunderte von Kilometern zu ihren Winterquartieren; andere fallen bei kaltem Wetter in eine Art Winterschlaf, aus dem sie erwachen und fressen, wenn das warme Wetter die Aktivität der Insekten ermöglicht. Andere ziehen sich für den Winter in Höhlen zurück und halten dort bis zu sechs Monate lang Winterschlaf. Mikrofledermäuse fliegen nur selten bei Regen, da dieser ihre Echoortung stört und sie nicht jagen können.

Nahrung und Fütterung

Die verschiedenen Fledermausarten ernähren sich unterschiedlich: Insekten, Nektar, Pollen, Früchte und sogar Wirbeltiere. Megafledermäuse ernähren sich hauptsächlich von Früchten, Nektar und Pollen. Aufgrund ihrer geringen Größe, ihres hohen Stoffwechsels und der schnellen Verbrennung von Energie durch den Flug müssen Fledermäuse für ihre Größe große Mengen an Nahrung zu sich nehmen. Insektenfressende Fledermäuse können mehr als 120 Prozent ihres Körpergewichts fressen, während frugivore Fledermäuse mehr als das Doppelte ihres Körpergewichts verzehren können. Auf der Suche nach Nahrung können sie jede Nacht beträchtliche Entfernungen zurücklegen, bei der Fledermaus (Euderma maculatum) ausnahmsweise bis zu 38,5 km (24 mi). Fledermäuse nutzen eine Vielzahl von Jagdstrategien. Fledermäuse beziehen ihr Wasser größtenteils aus der Nahrung, die sie zu sich nehmen; viele Arten trinken auch aus Wasserquellen wie Seen und Bächen, indem sie über die Wasseroberfläche fliegen und ihre Zunge in das Wasser tauchen.

Bei einer Untersuchung von 34 Fledermausarten aus sechs großen Familien, darunter die wichtigsten insekten- und fruchtfressenden Fledermausfamilien, wurde festgestellt, dass alle Fledermausarten die Fähigkeit zur Vitamin-C-Synthese verloren haben, und dass dieser Verlust möglicherweise auf einen gemeinsamen Fledermausvorfahren in Form einer einzigen Mutation zurückgeht. Mindestens zwei Fledermausarten, die frugivore Fledermaus (Rousettus leschenaultii) und die insektenfressende Fledermaus (Hipposideros armiger), haben ihre Fähigkeit, Vitamin C zu produzieren, beibehalten.

Insekten

Die meisten Kleinfledermäuse, insbesondere in gemäßigten Zonen, ernähren sich von Insekten. Die Nahrung einer insektenfressenden Fledermaus kann viele Arten umfassen, darunter Fliegen, Mücken, Käfer, Motten, Heuschrecken, Grillen, Termiten, Bienen, Wespen, Eintagsfliegen und Köcherfliegen. Große Mengen mexikanischer Freischwanzfledermäuse (Tadarida brasiliensis) fliegen in Zentraltexas Hunderte von Metern über dem Boden, um sich von wandernden Nachtfaltern zu ernähren. Fledermausarten, die Insekten im Flug jagen, wie die kleine braune Fledermaus (Myotis lucifugus), können ein Insekt in der Luft mit dem Maul fangen und in der Luft fressen, oder sie benutzen ihre Schwanzmembranen oder Flügel, um das Insekt zu ergreifen und zum Maul zu tragen. Die Fledermaus kann das Insekt auch zu ihrem Schlafplatz zurückbringen und es dort fressen. Langsamere Fledermausarten, wie das Braune Langohr (Plecotus auritus) und viele Hufeisenfledermausarten, können Insekten von der Vegetation auflesen oder von Sitzstangen aus jagen. Insektenfressende Fledermäuse, die in hohen Breitengraden leben, müssen Beutetiere mit höherem Energiewert verzehren als tropische Fledermäuse.

Früchte und Nektar

Eine Ägyptische Flughaut (Rousettus aegyptiacus) trägt eine Feige

Das Fressen von Früchten, auch Frugivorie genannt, kommt in beiden Hauptunterordnungen vor. Fledermäuse bevorzugen reife Früchte, die sie mit ihren Zähnen von den Bäumen reißen. Sie fliegen zu ihren Schlafplätzen zurück, um die Früchte zu fressen, den Saft auszusaugen und die Samen und das Fruchtfleisch auf den Boden zu spucken. Dies trägt zur Verbreitung der Samen dieser Obstbäume bei, die dort Wurzeln schlagen und wachsen können, wo die Fledermäuse sie zurückgelassen haben, und viele Pflanzenarten sind bei der Samenverbreitung auf Fledermäuse angewiesen. Bei der Jamaikanischen Flughaut (Artibeus jamaicensis) wurde festgestellt, dass sie Früchte mit einem Gewicht von 3-14 g oder sogar bis zu 50 g trägt.

Nektar fressende Fledermäuse haben spezielle Anpassungen erworben. Diese Fledermäuse besitzen lange Schnauzen und lange, ausfahrbare Zungen, die mit feinen Borsten bedeckt sind, die ihnen helfen, sich von bestimmten Blumen und Pflanzen zu ernähren. Die Röhrenlippige Nektarfledermaus (Anoura fistulata) hat die längste Zunge aller Säugetiere im Verhältnis zu ihrer Körpergröße. Dies ist für sie bei der Bestäubung und der Nahrungsaufnahme von Vorteil. Ihre langen, schmalen Zungen können tief in die länglichen Becher einiger Blüten hineinreichen. Wenn die Zunge eingezogen wird, rollt sie sich im Inneren des Rippenkäfigs zusammen. Aufgrund dieser Eigenschaften können nektarfressende Fledermäuse in Zeiten der Knappheit nicht einfach auf andere Nahrungsquellen ausweichen, wodurch sie stärker vom Aussterben bedroht sind als andere Fledermausarten. Die Nektarfütterung kommt auch einer Vielzahl von Pflanzen zugute, da die Fledermäuse als Bestäuber fungieren, da sich der Pollen während der Nahrungsaufnahme an ihrem Fell festsetzt. Etwa 500 Arten von Blütenpflanzen sind auf die Bestäubung durch Fledermäuse angewiesen und öffnen ihre Blüten daher meist nachts. Viele Pflanzen des Regenwaldes sind auf die Bestäubung durch Fledermäuse angewiesen.

Wirbeltiere

Die Große Abendseglerfledermaus (Nyctalus lasiopterus) nutzt ihre großen Zähne, um Vögel zu fangen.

Einige Fledermäuse ernähren sich von anderen Wirbeltieren wie Fischen, Fröschen, Eidechsen, Vögeln und Säugetieren. Die Fransenlippenfledermaus (Trachops cirrhosus) zum Beispiel ist ein Meister im Froschfang. Diese Fledermäuse orten große Gruppen von Fröschen, indem sie deren Paarungsrufe verfolgen und sie dann mit ihren scharfen Eckzähnen von der Wasseroberfläche zupfen. Die Große Abendseglerfledermaus kann Vögel im Flug fangen. Einige Arten, wie die Große Abendseglerfledermaus (Noctilio leporinus), jagen Fische. Sie nutzen die Echoortung, um kleine Wellen auf der Wasseroberfläche aufzuspüren, stürzen sich hinunter und greifen mit speziell vergrößerten Klauen an den Hinterfüßen nach den Fischen, um sie dann zu einem Futterplatz zu bringen und zu verzehren. Mindestens zwei Fledermausarten sind dafür bekannt, dass sie sich von anderen Fledermäusen ernähren: die Spektralfledermaus (Vampyrum spectrum) und die Geisterfledermaus (Macroderma gigas).

Blut

Die Gemeine Vampirfledermaus (Desmodus rotundus) ernährt sich von Blut (Hämatophagie).

Einige wenige Arten, insbesondere die Gewöhnliche Vampirfledermaus, die Weißflügelfledermaus und die Behaarte Vampirfledermaus, ernähren sich ausschließlich von Tierblut (Hämatophagie). Die Gewöhnliche Vampirfledermaus ernährt sich in der Regel von großen Säugetieren wie Rindern, die Haarfledermaus und die Weißflügelfledermaus ernähren sich von Vögeln. Vampirfledermäuse suchen sich schlafende Beutetiere und können tiefe Atemzüge erkennen. Mithilfe von Wärmesensoren in der Nase können sie Blutgefäße nahe der Hautoberfläche aufspüren. Sie durchbohren die Haut des Tieres mit ihren Zähnen, wobei sie einen kleinen Lappen abbeißen, und saugen das Blut mit ihren Zungen auf, die zu diesem Zweck mit seitlichen Rillen versehen sind. Das Blut wird durch einen Gerinnungshemmer im Speichel vor der Gerinnung bewahrt.

Raubtiere, Parasiten und Krankheiten

Fledermäuse werden von Raubvögeln wie Eulen, Habichten und Falken sowie an ihren Schlafplätzen von kletterfähigen Bodenraubtieren wie Katzen angegriffen. Tief fliegende Fledermäuse sind durch Krokodile gefährdet. Zwanzig Arten tropischer Neuweltschlangen sind dafür bekannt, dass sie Fledermäuse fangen und oft an den Eingängen von Unterschlüpfen wie Höhlen warten, bis die Fledermäuse vorbeifliegen. J. Rydell und J. R. Speakman argumentieren, dass Fledermäuse während des frühen und mittleren Eozäns die Nachtaktivität entwickelt haben, um Raubtiere zu vermeiden. Einige Zoologen sind der Ansicht, dass die Beweise bisher nicht eindeutig sind.

Eine kleine braune Fledermaus mit Weißnasensyndrom

Wie die meisten Säugetiere sind auch Fledermäuse Wirte für eine Reihe von inneren und äußeren Parasiten. Unter den Ektoparasiten sind Fledermäuse Träger von Flöhen und Milben sowie von spezifischen Parasiten wie Fledermauswanzen und Fledermausfliegen (Nycteribiidae und Streblidae). Fledermäuse gehören zu den wenigen nicht-aquatischen Säugetierordnungen, die keine Läuse beherbergen, möglicherweise aufgrund der Konkurrenz durch spezialisiertere Parasiten, die dieselbe Nische besetzen.

Das Weißnasensyndrom ist eine Krankheit, die mit dem Tod von Millionen von Fledermäusen im Osten der Vereinigten Staaten und in Kanada verbunden ist. Die Krankheit ist nach einem weißen Pilz, Pseudogymnoascus destructans, benannt, der auf den Schnauzen, Ohren und Flügeln der betroffenen Fledermäuse wächst. Der Pilz wird meist von Fledermaus zu Fledermaus übertragen und verursacht die Krankheit. Der Pilz wurde erstmals 2006 im Zentrum des Bundesstaates New York entdeckt und breitete sich schnell im gesamten Osten der USA nördlich von Florida aus; in den meisten betroffenen Höhlen wurden Sterblichkeitsraten von 90-100 % beobachtet. In Neuengland und den mittelatlantischen Staaten sind seit 2006 ganze Arten vollständig ausgerottet worden, während die Zahl anderer Arten von Hunderttausenden, ja sogar Millionen, auf einige Hundert oder weniger gesunken ist. In Nova Scotia, Quebec, Ontario und New Brunswick ist das gleiche Aussterben zu beobachten, und die kanadische Regierung trifft Vorbereitungen, um alle verbleibenden Fledermauspopulationen in ihrem Hoheitsgebiet zu schützen. Wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass längere Winter, in denen der Pilz mehr Zeit hat, Fledermäuse zu infizieren, zu einer höheren Sterblichkeit führen. Im Jahr 2014 überquerte die Infektion den Mississippi, und 2017 wurde sie bei Fledermäusen in Texas gefunden.

Fledermäuse sind natürliche Reservoire für zahlreiche zoonotische Krankheitserreger, darunter die in vielen Fledermauspopulationen endemische Tollwut, die Histoplasmose sowohl direkt als auch im Guano, das Nipah- und das Hendra-Virus und möglicherweise das Ebola-Virus, dessen natürliches Reservoir noch unbekannt ist. Aufgrund ihrer hohen Mobilität, ihrer weiten Verbreitung, ihrer langen Lebensdauer, der beträchtlichen Sympathie (Überschneidung der Verbreitungsgebiete) der Arten und ihres sozialen Verhaltens sind Fledermäuse günstige Wirte und Überträger von Krankheiten. Die Frage, ob Fledermäuse mehr zoonotische Viren in sich tragen als andere Säugetiergruppen, wurde in Studien unterschiedlich beantwortet. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2015 ergab, dass Fledermäuse, Nagetiere und Primaten signifikant mehr Zoonoseviren (die auf den Menschen übertragen werden können) beherbergen als andere Säugetiergruppen, obwohl die Unterschiede zwischen den drei genannten Gruppen nicht signifikant waren (Fledermäuse haben nicht mehr Zoonoseviren als Nagetiere und Primaten). Eine weitere Untersuchung von Säugetieren und Vögeln aus dem Jahr 2020 ergab, dass die Identität der taxonomischen Gruppen keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit des Vorkommens von Zoonoseviren hat. Vielmehr wiesen vielfältigere Gruppen eine größere virale Vielfalt auf.

Sie scheinen gegen viele der von ihnen übertragenen Krankheitserreger sehr resistent zu sein, was auf eine gewisse Anpassung ihres Immunsystems schließen lässt. Ihre Interaktionen mit Nutz- und Haustieren, einschließlich der Prädation durch Vampirfledermäuse, zufällige Begegnungen und das Aufsammeln von Fledermauskadavern, erhöhen das Risiko einer zoonotischen Übertragung. Fledermäuse werden mit dem Auftreten des schweren akuten Atemwegssyndroms (SARS) in China in Verbindung gebracht, da sie als natürliche Wirte für Coronaviren dienen, von denen mehrere aus einer einzigen Höhle in Yunnan stammen und von denen sich eines zum SARS-Virus entwickelte. Sie sind jedoch weder Erreger noch Verbreiter von COVID-19.

Verhalten und Lebensgeschichte

Soziale Struktur

Bracken Fledermaushöhle, Heimat von zwanzig Millionen Mexikanischen Freischwanzfledermäusen

Manche Fledermäuse leben als Einzelgänger, während andere in Kolonien von mehr als einer Million Tieren leben. Die mexikanische Breitflügelfledermaus zum Beispiel fliegt von März bis Oktober mehr als tausend Meilen weit in die 30 Meter breite Bracken-Höhle, in der erstaunliche zwanzig Millionen Exemplare dieser Art leben, während die Mausohrfledermaus fast ausschließlich ein Einzelgängerleben führt. Das Leben in großen Kolonien verringert das Risiko für den Einzelnen, Opfer von Raubtieren zu werden. Bei Fledermausarten der gemäßigten Zonen kann es im Herbst zu Schwärmen an den Überwinterungsplätzen kommen. Dies kann dazu dienen, Jungtiere an die Winterschlafplätze zu bringen, die Fortpflanzung der erwachsenen Tiere zu signalisieren und es den erwachsenen Tieren zu ermöglichen, sich mit Tieren anderer Gruppen zu paaren.

Mehrere Arten weisen eine soziale Struktur auf, bei der sich eine große Anzahl von Fledermäusen in einem Schlafplatz versammelt, wobei sich die Untergruppen auflösen und vermischen. Innerhalb dieser Gesellschaften sind Fledermäuse in der Lage, langfristige Beziehungen zu unterhalten. Einige dieser Beziehungen bestehen aus matrilinear verwandten Weibchen und ihren abhängigen Nachkommen. Bei einigen Arten, wie z. B. der Gewöhnlichen Vampirfledermaus (Desmodus rotundus), kann es zu gemeinsamer Nahrungsaufnahme und gegenseitiger Körperpflege kommen, was die sozialen Bindungen stärkt.

Kommunikation

Akustik des Gesangs der mexikanischen Freischwanzfledermaus

Fledermäuse gehören zu den lautstärksten Säugetieren und erzeugen Rufe, um Partner anzulocken, Schlafplätze zu finden und Ressourcen zu verteidigen. Diese Rufe sind in der Regel niederfrequent und können weite Entfernungen überwinden. Die mexikanische Breitflügelfledermaus ist eine der wenigen Arten, die wie Vögel "singen". Die Männchen singen, um die Weibchen anzulocken. Die Gesänge bestehen aus drei Phrasen: Zirpen, Trillern und Summen, wobei erstere aus A- und B-Silben bestehen. Fledermausgesänge sind sehr stereotyp, variieren jedoch in der Silbenzahl, der Reihenfolge der Phrasen und den Wiederholungen der Phrasen zwischen den Individuen. Bei den Großen Bartfledermäusen (Phyllostomus hastatus) rufen die Weibchen laut und breitbandig, um den Gruppenzusammenhalt zu stärken. Die Rufe unterscheiden sich von Quartiergruppe zu Quartiergruppe und sind möglicherweise auf das Erlernen von Gesängen zurückzuführen.

In einer Studie an in Gefangenschaft lebenden ägyptischen Flughunden konnten die Forscher bei 70 % der gezielten Rufe erkennen, welche einzelne Fledermaus sie ausstieß, und 60 % ließen sich vier Kontexten zuordnen: Streit um Nahrung, Gerangel um die Position in der Schlafgruppe, Protest bei Paarungsversuchen und Streit, wenn die Tiere in unmittelbarer Nähe zueinander hockten. Die Tiere gaben leicht unterschiedliche Laute von sich, wenn sie mit verschiedenen Fledermäusen kommunizierten, insbesondere mit solchen des anderen Geschlechts. Bei der hochgradig geschlechtsdimorphen Hammerkopf-Fledermaus (Hypsignathus monstrosus) erzeugen die Männchen tiefe, klingende, monotone Rufe, um die Weibchen anzulocken. Fledermäuse im Flug geben stimmliche Signale zur Verkehrskontrolle ab. Große Bulldoggen hupen, wenn sie auf Kollisionskurs miteinander sind.

Fledermäuse kommunizieren auch auf andere Weise. Männliche Gelbschulterfledermäuse (Sturnira lilium) haben Schulterdrüsen, die während der Brutzeit einen würzigen Geruch abgeben. Wie viele andere Fledermausarten haben sie Haare, die darauf spezialisiert sind, Sekrete zurückzuhalten und zu verteilen. Diese Haare bilden einen auffälligen Kragen um die Hälse einiger Männchen der Altwelt-Megabatiere. Männliche Große Beutelfledermäuse (Saccopteryx bilineata) haben Säcke in ihren Flügeln, in denen sie Körpersekrete wie Speichel und Urin vermischen, um einen Duft zu erzeugen, den sie an Schlafplätzen versprühen, ein Verhalten, das als "Salzen" bekannt ist. Das Salzen kann von Gesang begleitet sein.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Gruppe polygyner Vampirfledermäuse

Die meisten Fledermausarten sind polygyn, d. h. die Männchen paaren sich mit mehreren Weibchen. Männchen von Zwergfledermäusen, Abendseglern und Vampirfledermäusen können Ressourcen, die Weibchen anziehen, wie z. B. Schlafplätze, für sich beanspruchen und verteidigen und sich mit diesen Weibchen paaren. Männchen, die keinen Schlafplatz für sich beanspruchen können, sind gezwungen, an der Peripherie zu leben, wo sie weniger Erfolg bei der Fortpflanzung haben. Promiskuität, bei der sich beide Geschlechter mit mehreren Partnern paaren, gibt es bei Arten wie der mexikanischen Freischwanzfledermaus und der kleinen braunen Fledermaus. Bei diesen Fledermäusen scheinen sich die Weibchen auf bestimmte Männchen zu konzentrieren. Bei einigen wenigen Arten, wie der Gelbflügelfledermaus und der Breitflügelfledermaus, bilden erwachsene Männchen und Weibchen monogame Paare. Die Lek-Paarung, bei der sich die Männchen zusammentun und durch Zurschaustellung um die Wahl des Weibchens konkurrieren, ist bei Fledermäusen selten, kommt aber bei der Hammerkopffledermaus vor.

Bei Fledermäusen der gemäßigten Zonen findet die Paarung im Spätsommer und Frühherbst statt. Tropische Fledermäuse können sich während der Trockenzeit paaren. Nach der Paarung kann das Männchen einen Begattungspfropfen zurücklassen, um die Spermien anderer Männchen zu blockieren und so seine Vaterschaft zu sichern. Bei überwinternden Arten ist bekannt, dass sich die Männchen mit den Weibchen im Winterschlaf paaren. Fledermausweibchen wenden eine Vielzahl von Strategien an, um den Zeitpunkt der Schwangerschaft und der Geburt der Jungen zu steuern, damit die Geburt mit dem maximalen Nahrungsangebot und anderen ökologischen Faktoren zusammenfällt. Die Weibchen einiger Arten haben eine verzögerte Befruchtung, bei der das Sperma nach der Paarung mehrere Monate lang im Fortpflanzungstrakt gespeichert wird. Die Paarung findet im Spätsommer bis Frühherbst statt, aber die Befruchtung erfolgt erst im darauf folgenden Spätwinter bis zum Frühjahrsbeginn. Andere Arten weisen eine verzögerte Einnistung auf, bei der die Eizelle nach der Paarung befruchtet wird, aber frei im Fortpflanzungstrakt verbleibt, bis die äußeren Bedingungen für die Geburt und die Versorgung des Nachwuchses günstig werden. Bei einer anderen Strategie finden sowohl die Befruchtung als auch die Einnistung statt, aber die Entwicklung des Fötus wird verzögert, bis gute Bedingungen herrschen. Während der verzögerten Entwicklung hält die Mutter das befruchtete Ei mit Nährstoffen am Leben. Dieser Prozess kann sich aufgrund des fortgeschrittenen Gasaustauschsystems über einen langen Zeitraum hinziehen.

Neugeborene Zwergfledermaus, Pipistrellus pipistrellus

Bei den Fledermäusen der gemäßigten Zonen finden die Geburten auf der Nordhalbkugel in der Regel im Mai oder Juni statt, auf der Südhalbkugel im November und Dezember. Tropische Arten bringen ihre Jungen zu Beginn der Regenzeit zur Welt. Bei den meisten Fledermausarten gebären die Weibchen ein einziges Jungtier pro Wurf. Bei der Geburt kann ein Fledermausjunges bis zu 40 Prozent des Gewichts der Mutter ausmachen, und der Beckengürtel des Weibchens kann sich während der Geburt ausdehnen, da die beiden Hälften durch ein flexibles Band verbunden sind. Die Weibchen gebären in der Regel mit dem Kopf nach oben oder in horizontaler Position, um die Schwerkraft zu nutzen und die Geburt zu erleichtern. Das Jungtier kommt mit dem Rücken voran zur Welt, möglicherweise um zu verhindern, dass sich die Flügel verheddern, und das Weibchen wiegt es in seinen Flügel- und Schwanzmembranen. Bei vielen Arten gebären und ziehen die Weibchen ihre Jungen in Mutterschaftskolonien auf und können sich gegenseitig bei der Geburt helfen.

Die meiste Fürsorge für ein Fledermausjunges übernimmt die Mutter. Bei monogamen Arten spielt auch der Vater eine Rolle. Allo-Säugen, bei dem ein Weibchen die Jungen einer anderen Mutter säugt, kommt bei mehreren Arten vor. Dies kann dazu dienen, die Koloniegröße bei Arten zu erhöhen, bei denen die Weibchen zur Fortpflanzung in ihre ursprüngliche Kolonie zurückkehren. Die Fähigkeit einer jungen Fledermaus zu fliegen fällt mit der Entwicklung des erwachsenen Körpers und der Länge der Vorderbeine zusammen. Bei der kleinen braunen Fledermaus ist dies etwa achtzehn Tage nach der Geburt der Fall. Die Entwöhnung der Jungen erfolgt bei den meisten Arten in weniger als achtzig Tagen. Die Gewöhnliche Vampirfledermaus säugt ihren Nachwuchs noch länger, und junge Vampirfledermäuse werden erst später unabhängig als andere Arten. Dies ist wahrscheinlich auf die blutbasierte Ernährung dieser Art zurückzuführen, die nachts nur schwer zu beschaffen ist.

Lebenserwartung

Der Fledermausforscher Lauri Lutsar überprüft das Alter der Fledermaus, die er im Rahmen eines nationalen Überwachungsprogramms in Estland hält

Die maximale Lebenserwartung von Fledermäusen ist dreieinhalbmal so hoch wie die anderer Säugetiere ähnlicher Größe. Sechs Arten haben in freier Wildbahn ein Alter von über dreißig Jahren erreicht: das Braune Langohr (Plecotus auritus), die Kleine Braune Fledermaus (Myotis lucifugus), die Sibirische Fledermaus (Myotis sibiricus), das Kleine Mausohr (Myotis blythii), die Große Hufeisenfledermaus (Rhinolophus ferrumequinum) und der Indische Flughund (Pteropus giganteus). Eine Hypothese, die mit der Lebensrhythmus-Theorie übereinstimmt, bringt dies mit der Tatsache in Verbindung, dass sie ihren Stoffwechsel während des Winterschlafs verlangsamen; Fledermäuse, die Winterschlaf halten, haben im Durchschnitt eine längere Lebensspanne als Fledermäuse, die keinen Winterschlaf halten.

Eine andere Hypothese besagt, dass das Fliegen ihre Sterblichkeitsrate verringert hat, was auch für Vögel und gleitende Säugetiere gelten würde. Fledermausarten, die mehrere Junge zur Welt bringen, haben im Allgemeinen eine kürzere Lebensdauer als Arten, die nur ein einziges Junges zur Welt bringen. Fledermausarten, die sich in Höhlen aufhalten, haben möglicherweise eine längere Lebensdauer als Arten, die sich nicht in Höhlen aufhalten, weil sie in Höhlen weniger Raubtiere haben. Eine männliche sibirische Fledermaus wurde nach 41 Jahren in freier Wildbahn wieder eingefangen und ist damit die älteste bekannte Fledermaus.

Interaktionen mit dem Menschen

Artenschutz

Schutzstatus von Fledermäusen im Jahr 2020 gemäß der IUCN (insgesamt 1 314 Arten)

Vom Aussterben bedroht (1,6%)
Vom Aussterben bedroht (6,3%)
Gefährdet (8,3%)
Nahezu bedroht (6,7%)
Am wenigsten gefährdet (58,0%)
Daten unzureichend (18,4%)
Ausgestorben (0,7%)

Gruppen wie Bat Conservation International bemühen sich, das Bewusstsein für die ökologische Rolle der Fledermäuse und die Umweltbedrohungen, denen sie ausgesetzt sind, zu schärfen. Im Vereinigten Königreich sind alle Fledermäuse durch die Wildlife and Countryside Acts geschützt, und die Störung einer Fledermaus oder ihres Schlafplatzes kann mit einer hohen Geldstrafe geahndet werden. In Sarawak, Malaysia, sind "alle Fledermäuse" durch die Wildlife Protection Ordinance 1998 geschützt, aber Arten wie die haarlose Fledermaus (Cheiromeles torquatus) werden immer noch von den lokalen Gemeinschaften gefressen. Der Mensch hat in der jüngeren Geschichte das Aussterben mehrerer Fledermausarten verursacht, zuletzt der Weihnachtsinsel-Fledermaus (Pipistrellus murrayi), die 2009 für ausgestorben erklärt wurde.

Viele Menschen stellen Fledermaushäuser auf, um Fledermäuse anzulocken. Das Fledermaushaus der Universität von Florida aus dem Jahr 1991 ist mit rund 400 000 Bewohnern das größte bewohnte künstliche Quartier der Welt. In Großbritannien wurden dickwandige und teilweise unterirdische Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg zu Fledermausquartieren umfunktioniert, und gelegentlich werden speziell angefertigte Fledermausquartiere gebaut, um die Beeinträchtigung von Lebensräumen durch Straßen oder andere Erschließungen zu mindern. Manchmal werden Höhlentore installiert, um den Zutritt von Menschen in Höhlen mit empfindlichen oder gefährdeten Fledermausarten zu begrenzen. Die Tore sind so konzipiert, dass sie den Luftstrom nicht einschränken und somit das Mikroökosystem der Höhle erhalten. Von den 47 Fledermausarten, die in den Vereinigten Staaten vorkommen, sind 35 dafür bekannt, dass sie menschliche Strukturen wie Gebäude und Brücken nutzen. Vierzehn Arten nutzen Fledermausquartiere.

Fledermäuse werden in Ländern Afrikas, Asiens und des pazifischen Raums gefressen. In einigen Fällen, z. B. in Guam, sind Flughunde vom Aussterben bedroht, weil sie als Nahrung gejagt werden. Es gibt Hinweise darauf, dass Windturbinen ein ausreichendes Barotrauma (Druckschäden) verursachen, um Fledermäuse zu töten. Fledermäuse haben eine für Säugetiere typische Lunge, die vermutlich empfindlicher auf plötzliche Luftdruckänderungen reagiert als die Lunge von Vögeln, wodurch sie leichter reißen kann. Fledermäuse können von Turbinen angezogen werden, vielleicht auf der Suche nach einem Schlafplatz, was die Todesrate erhöht. Akustische Vergrämungsmaßnahmen können dazu beitragen, die Fledermaussterblichkeit in Windparks zu verringern.

Kulturelle Bedeutung

Francisco Goya, Der Schlaf der Vernunft bringt Ungeheuer hervor, 1797

Da Fledermäuse Säugetiere sind, aber fliegen können, gelten sie in verschiedenen Traditionen als Grenzgänger. In vielen Kulturen, auch in Europa, werden Fledermäuse mit Dunkelheit, Tod, Hexerei und Bösartigkeit in Verbindung gebracht. Bei den amerikanischen Ureinwohnern, wie den Creek, Cherokee und Apachen, gilt die Fledermaus als Trickster. In Tansania gilt eine geflügelte fledermausähnliche Kreatur namens Popobawa als böser Geist, der seine Opfer angreift und vergewaltigt. In der aztekischen Mythologie symbolisierten Fledermäuse das Land der Toten, der Zerstörung und des Verfalls. Eine ostnigerianische Sage erzählt, dass die Fledermaus ihre nächtlichen Gewohnheiten entwickelte, nachdem sie den Tod ihres Partners, der Buschratte, verursacht hatte, und sich nun tagsüber versteckt, um nicht verhaftet zu werden.

In einigen Kulturen gibt es positivere Darstellungen von Fledermäusen. In China werden Fledermäuse mit Glück, Freude und Wohlstand assoziiert. Fünf Fledermäuse werden als Symbol für die "Fünf Segnungen" verwendet: Langlebigkeit, Reichtum, Gesundheit, Liebe zur Tugend und ein friedlicher Tod. In Tonga ist die Fledermaus heilig und wird oft als die physische Manifestation einer abtrennbaren Seele betrachtet. In der zapotekischen Zivilisation Mesoamerikas war der Fledermausgott der Herrscher über Mais und Fruchtbarkeit.

Zapotekischer Fledermausgott, Oaxaca, 350-500 n. Chr.

Die seltsamen Schwestern in Shakespeares Macbeth verwendeten das Fell einer Fledermaus für ihr Gebräu. In der westlichen Kultur ist die Fledermaus oft ein Symbol für die Nacht und ihre unheimliche Natur. Die Fledermaus ist ein Haupttier, das mit fiktiven Figuren der Nacht assoziiert wird, sowohl mit schurkischen Vampiren wie Graf Dracula und vor ihm Varney dem Vampir als auch mit Helden wie der DC-Comics-Figur Batman. Die Silverwing-Romane von Kenneth Oppel erzählen von den Abenteuern einer jungen Fledermaus, die der silberhaarigen Fledermaus Nordamerikas nachempfunden ist.

In Spanien und Frankreich wird die Fledermaus gelegentlich als heraldisches Symbol verwendet und taucht in den Wappen der Städte Valencia, Palma de Mallorca, Fraga, Albacete und Montchauvet auf. Drei US-Bundesstaaten haben eine offizielle Staatsfledermaus. Texas und Oklahoma werden durch die Mexikanische Breitschwanzfledermaus repräsentiert, Virginia durch das Virginische Große Mausohr (Corynorhinus townsendii virginianus).

Wirtschaft

Vor allem insektenfressende Fledermäuse sind für Landwirte von großem Nutzen, da sie die Populationen von landwirtschaftlichen Schädlingen kontrollieren und den Einsatz von Pestiziden verringern. Schätzungen zufolge ersparen Fledermäuse der Agrarindustrie in den Vereinigten Staaten jährlich zwischen 3,7 und 53 Milliarden Dollar an Pestiziden und Schäden an den Kulturen. Dadurch wird auch der übermäßige Einsatz von Pestiziden verhindert, der die Umwelt verschmutzen und bei künftigen Insektengenerationen zu Resistenzen führen kann.

Fledermauskot, eine Art Guano, ist reich an Nitraten und wird in Höhlen als Düngemittel abgebaut. Während des amerikanischen Bürgerkriegs wurde aus Höhlen Salpeter zur Herstellung von Schießpulver gewonnen. Damals glaubte man, das Nitrat stamme ausschließlich aus dem Fledermausguano, doch heute weiß man, dass der größte Teil des Nitrats von nitrifizierenden Bakterien produziert wird.

Die Congress Avenue Bridge in Austin, Texas, beherbergt im Sommer die größte städtische Fledermauskolonie Nordamerikas, schätzungsweise 1.500.000 mexikanische Freischwanzfledermäuse. Etwa 100.000 Touristen besuchen die Brücke jedes Jahr in der Dämmerung, um zu beobachten, wie die Fledermäuse ihren Schlafplatz verlassen.

Verbreitung

Verbreitungskarte

Fledertiere sind nahezu weltweit verbreitet, sie kommen auf allen Kontinenten der Erde mit Ausnahme der Antarktis vor. Auch in anderen polaren Regionen sowie auf entlegenen Inseln fehlen sie. Auf manchen Inseln (zum Beispiel Neuseeland) waren sie dagegen bis zur Ankunft des Menschen die einzigen Säugetiere. Die größte Artenvielfalt besteht in den Tropen. Die Glattnasen-Freischwänze (Emballonuridae), die Bulldoggfledermäuse (Molossidae) und die Glattnasen (Vespertilionidae) kommen in allen warmen Regionen der Erde vor. Elf Familien leben nur in der Alten Welt (darunter die Flughunde (Pteropodidae)), sechs nur in der Neuen Welt, z. B. die Blattnasen (Phyllostomidae). Die Glattnasen und einige Hufeisennasen (Rhinolophidae) haben auch kühlgemäßigte Klimazonen besiedelt. Die fast weltweit verbreiteten Mausohren (Myotis) haben das größte Verbreitungsgebiet aller landlebenden Säugetiergattungen.

Äußere Systematik

Es ist schwierig, die Stellung der Fledertiere im Stammbaum der Säugetiere festzulegen. In der Vergangenheit galten sie teilweise als enge Verwandte der Riesengleiter und Primaten, jüngere Untersuchungsergebnisse stellen sie jedoch zusammen mit den Cetartiodactyla (Paarhufer und Wale), Unpaarhufern (Perissodactyla) und Raubtieren (Carnivora) in die Überordnung der Laurasiatheria.

Äußere Systematik der Fledertiere
 Laurasiatheria  

 Eulipotyphla (Insektenfresser)


  Scrotifera  
  Ferae  

 Pholidota (Schuppentiere)


   

 Carnivora (Raubtiere, einschließlich der Pinnipedia [Robben])



   

 Chiroptera (Fledertiere)


  Euungulata  

 Perissodactyla (Unpaarhufer)


   

 Cetartiodactyla (Artiodactyla [Paarhufer] und Cetacea [Wale])






Gefährdung

Viele Fledertierarten sind bedroht. Die Gründe dafür liegen meist im Verlust des Lebensraumes, sowohl in den Tropen durch Waldrodungen als auch in Industrieländern durch den Einsatz von Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln und die Versiegelung von Schlafplätzen durch Altbausanierungen. 12 Arten sind laut IUCN ausgestorben, 75 weitere gelten als bedroht oder stark bedroht.

Natürliche Feinde der Fledertiere sind vor allem die Eulen, daneben werden sie von Greifvögeln, Schlangen, Katzen und carnivoren Fledermausarten erbeutet. Zu ihren zahlreichen Parasiten zählen unter anderem die Blut saugenden, meist flügellosen Fledermausfliegen (Nycteribiidae und Streblidae).

Aufgrund der Krankheitsübertragung durch fledermausspezifische Viren auf den Menschen kommt es zur Verfolgung von Fledertieren. Gerade während der weltweiten COVID-19-Pandemie werden Fledertiere gejagt. Forscher sprechen sich aber gegen die Verfolgung von Fledertieren aus und machen Falschinformationen sowie die Psychologie des Menschen dafür verantwortlich. Da die Medienberichterstattung Fledertiere in schlechtes Licht gerückt haben, möchte die Wissenschaft für Aufklärung über Fledertiere sorgen.

Flughunde auf einem Markt in Osttimor

Nutzung

In Indonesien, Thailand, Vietnam, Guam und in anderen asiatischen Ländern und Kulturen im pazifischen Raum werden Fledertiere als Lebensmittel genutzt.