RM-70

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RM-70 (gepanzerte Version)

Der RM-70 ist ein Mehrfachraketenwerfer (bei der Nationalen Volksarmee als Geschoßwerfer bezeichnet), der 1972 von der Tschechoslowakischen Volksarmee und 1974 von der NVA in Dienst gestellt wurde. Er ist eine schwerere tschechoslowakische Variante des sowjetischen Mehrfachraketenwerfers BM-21.

Der RM-70 wurde in der Tschechoslowakei (ČSSR) gefertigt und 1972 in die Bewaffnung eingeführt, er basierte auf dem Tatra 813 und war leicht gepanzert. Seit 1973 wurde er auch an die DDR verkauft. Nach Ende der Sowjetunion und der Tschechoslowakei wurde er in verschiedene Länder in Afrika, Europa, Amerika und Asien verkauft. Ca. 5 mm Stahl schützen die Mannschaft vor Splittereinwirkung und leichtem Infanteriebeschuss. Jeder dritte Werfer hatte ein Schiebeschild.

Die Werfereinrichtung gleicht im Wesentlichen dem BM-21, hat 40 Rohre und eine Nachladeeinrichtung, die es ermöglicht, zusätzlich zu den Geschossen im Rohrpaket weitere 40 Raketen mitzuführen. Das Kaliber der Abschussrohre beträgt 122,4 mm, sie sind glatt und haben für den Anfangsdrall und die Führung der Rakete eine Nut eingearbeitet. Verschossen wird der Geschosstyp M210F, dieser wiegt 66,35 kg und hat einen Gefechtskopf mit 20 kg Oktogen. Die Reichweite der Geschosse beträgt bis zu 20.380 m. Man kann die Entfernung mittels Bremsringen beeinflussen: von 1.400 m – großer Bremsring – bis 21.000 m ohne Bremsring. Das Geschoss wird 400 m nach dem Abschuss scharf. Das Abfeuern einer Werfersalve dauert 22 Sekunden. Von einer Werfersalve wird ca. 1 ha Fläche bestrichen.

Die Besatzung, bestehend aus Werferführer, Werferfahrer und Richtkanonier (K1) ist während des Abschusses entweder im Fahrerhaus oder in ausgehobener Deckung hinter dem Werfer (Fernzündung mit Kabeltrommel). Man benötigt 35 Sekunden, um nach Aktivieren der Nachladeeinrichtung eine zweite Salve zu laden. Bei der NVA ergänzten ein, im Mobilmachungsfall zwei Munitionskanoniere (K3 und K4) die Werferbesatzung außerhalb der Feuerstellung. Das Gefechtsgewicht bei voller Beladung beträgt 25.500 kg.

Der RM-70/85, die NVA führte ihn als Geschoßwerfer RM-70M, basiert auf dem Tatra 815, hat dieselben Gefechtsparameter, ist aber nicht gepanzert. Er wurde von 1988 bis 1989 eingeführt und sollte in Etappen den RM-70 in der Bewaffnung der NVA ablösen.

RM-70
T813 army2.JPG
RM-70 der tschechischen Landstreitkräfte, montiert auf einem Tatra 813-LKW
Typ Selbstfahrende Mehrfachraketenwerfer
Herkunftsort Tschechoslowakei
Einsatzgeschichte
Im Einsatz 1972 bis heute
Benutzt von Siehe Benutzer
Kriege Westsaharakrieg
Russisch-Georgischer Krieg
Bürgerkrieg in Sri Lanka
Erster Libyscher Bürgerkrieg
Afghanistan-Konflikt (1978 bis heute)
Jemenitischer Bürgerkrieg (2014-heute)
2020 Berg-Karabach-Krieg
2022 Russische Invasion in der Ukraine
Spezifikationen
Masse 33,7 Tonnen (74.295 lb)
Länge 8,75 m (28 Fuß 8 Zoll)
Breite 2,5 m (8 ft 2 in)
Höhe 2,7 m (8 ft 10 in)
Besatzung 6

Kaliber 122,4 mm (4,8 Zoll)
Läufe 40
Maximale Schussweite 20 km (12 mi)

Panzerung Stahl
Sekundäres
Bewaffnung
Universal-Maschinengewehr vz. 59
Motor T-903-3 V-12 Multikraftstoff
250 PS (184 kW)
Aufhängung 8×8 Räder
Einsatzfähig
Reichweite
400 km (250 mi)
Höchstgeschwindigkeit 85 km/h (53 mph)

Überblick

Der RM-70 wurde in der Tschechoslowakei als Nachfolger des RM-51 entwickelt und erreichte 1972 seine erste Einsatzfähigkeit bei der tschechischen Armee. Der Werfer wurde in Dubnica nad Váhom (Slowakei) hergestellt. Ursprünglich war sie an die DDR verkauft worden. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Teilung der Tschechoslowakei in die Tschechische Republik und die Slowakei wurde sie an mehrere Länder in Afrika, Amerika, Asien und Europa verkauft.

Die RM-70 ersetzte den 6x6-Lkw Ural-375D durch einen 8x8-Lkw Tatra T813 "Kolos" als Trägerplattform für den 40-Schuss-Werfer. Das neue Trägerfahrzeug bietet ausreichend Platz für die Mitnahme von 40 zusätzlichen 122-mm-Raketenpaketen zum Nachladen. Dennoch bleibt die Leistung des RM-70 in Bezug auf Geschwindigkeit und Reichweite nahezu identisch mit der des Grad. Dieser Raketenwerfer kann sowohl einzelne Geschosse als auch Salven abfeuern, vor allem durch indirektes Feuer. Er ist für den konzentrierten Beschuss großer Flächen (bis zu 3 Hektar (30.000 m2) in einer Salve) durch hochexplosive Splittergranaten ausgelegt. Das Feuer ist robust, wobei in einer Salve von 40 Raketen fast 256 kg Sprengstoff verwendet werden. Bei den verwendeten Raketen handelt es sich entweder um die ursprünglichen sowjetischen 9M22 und 9M28 oder um lokal entwickelte Modelle. Dabei handelt es sich um die JROF mit einer Reichweite von 20,75 km, die JROF-K mit einer Reichweite von 11 km, die "Trnovnik" mit 63 HEAT-Bomben und einer Reichweite von 17,5 km, die "Kuš" mit fünf PPMI-S1-Antipersonenminen oder die "Krizhna-R" mit vier PTMI-D-Panzerabwehrminen und einer Reichweite von 19,45 km.

Das Fahrzeug ist mit einem zentralen Reifendruckregelsystem (zur Anpassung an die Beschaffenheit des befahrenen Geländes), einem Scheinwerfer mit weißem Licht auf dem vorderen Kabinendach und bei Bedarf mit einem Schneepflug SSP 1000 oder einem Räumschild BZ-T ausgestattet, um seine eigene Einlagerung zu organisieren oder Hindernisse zu beseitigen.

Varianten

RM-70 Vampir 4D

Tschechische Republik und Slowakei

  • RM-70 - Basismodell, wie beschrieben.
  • RM-70/85 - Ungepanzerte Version des RM-70, basierend auf dem Tatra T815 VPR9 8x8.1R LKW mit 265 PS Motor T3-930-51. Gefechtsgewicht: 26,1 t. Manchmal auch RM-70M genannt.
  • RM-70/85M - Modernisiertes Fahrzeug mit neuer Feuerleit- und Navigationsausrüstung, kann einen neuen Raketentyp mit einer Reichweite von 36 km einsetzen. Die Slowakei hat 50 Aufrüstungspakete bestellt.
  • RM-70 Modular - Im Dezember 2000 starteten das slowakische Verteidigungsministerium und Delta Defence das deutsch-slowakische Modernisierungsprojekt RM-70 Modular. Mit RM-70 Modular kann dieses Artilleriesystem entweder achtundzwanzig 122-mm-Raketen oder sechs 227-mm-Raketen, wie sie beim M270 MLRS verwendet werden, abfeuern. Auf diese Weise wurde das System vollständig NATO-interoperabel. Die Fahrzeugkabine ist vollständig gepanzert. Die Slowakische Republik unterzeichnete einen Vertrag über 26 aufgerüstete Artilleriesysteme, von denen das erste am 20. Mai 2005 geliefert wurde. RM-70 Modular wird als Upgrade für RM-70-Besitzer angeboten.
  • Vz.92 "Križan" VMZ (velkokapacitní mobilní zatarasovač) - Pionierfahrzeug, basierend auf dem Tatra T815 36.265 mit leicht gepanzerter Kabine. Das Fahrzeug ist in verschiedenen Konfigurationen erhältlich, die Standardausstattung besteht aus einem 40-Schuss-Raketenwerfer (für "Kuš"- und "Krizhna-R"-Raketen), einem mechanischen Minenleger für Panzerabwehrminen (PT Mi-U oder PT Mi-Ba-III) und zwei Dispensern für Antipersonenminen (PP Mi-S1).
  • RM-70 Vampire - Aufgerüstete Version auf einem Tatra T-815-7-LKW-Fahrgestell, angetrieben von einem Tatra T3C V8-Motor mit 270 kW Leistung, gekoppelt mit einem Tatra 10 TS 210 N-Getriebe, mit halbautomatischem Tatra Norgen-Antriebssystem und einem zusätzlichen Getriebe Tatra 2.30TRS. Er hat eine Reichweite von ca. 1.000 km und eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h und verfügt über eine gepanzerte und ABC-geschützte Mannschaftskabine.

Betreiber

Karte der RM-70-Betreiber in blau mit ehemaligen Betreibern in rot
RM-70 Slowakische Armee.
Indonesisches Korps Marinir RM-70 Einheit beim Schießen

Derzeitige Betreiber

  •  Angola - 40 (Stand: 2016)
  •  Aserbaidschan - RM-70 Vampire
  •  Kambodscha - 120 RM-70 (Stand: 2016)
  •  Demokratische Republik Kongo
  •  Ecuador - 6 RM-70 (Stand: 2016)
  •  Finnland - 36 RM-70/85 (lokal bekannt als 122 RakH 89) ehemalige DDR, geliefert 1991
  •  Georgien - 18 aufgerüstete RM-70 im Einsatz (Stand: 2016)
  •  Griechenland - 158 RM-70 zusammen mit 205.000 122mm-Raketen aus ehemaligen Beständen der DDR-Armee Mitte der 1990er Jahre. 111 RM-70 (Stand: 2016)
  •  Indonesien - 9 um 2003 beschafft, 8 neue RM-70 Vampir im Jahr 2016 beschafft
  •  Libyen - 36 (zwischen 1975 und 1976 von der Tschechoslowakei verkauft)
  •  Nigeria - Unbekannte Anzahl, 2 bestätigte Auslieferungen
  •  Nordkorea - Unbekannte Anzahl, während des Kalten Krieges aus zweiter Hand erworben und im Inland hergestellt
  •  Polen - 30 RM-70/85 (Stand: 2016). Im Jahr 2018 wurde eine unbekannte Anzahl RM-70 und BM-21 Grads an die Tschechische Republik verkauft und anschließend an unbekannte nordafrikanische Länder (Libyen ?) gespendet
  •  Ruanda - 5 (Stand: 2016)
  •  Demokratische Arabische Republik Sahraoui
  •  Slowakei - 4 RM-70 und 26 RM-70/85 (Stand: 2016)
  •  Sri Lanka - 22 RM-70 (Stand: 2016)
  •  Uganda - 6 (Stand: 2016)
  •  Ukraine - Nicht spezifizierte Anzahl, gespendet von der Tschechischen Republik im Jahr 2022
  •  Simbabwe - 60 RM-70 (Stand: 2016)
  •  Angola – 40
  •  Ecuador – 6
  •  Finnland – 34
  •  Georgien – 18
  •  Griechenland – 111
  •  Indonesien – 17
  •  Demokratische Republik Kongo – unbekannte Anzahl
  •  Nigeria – 7
  •  Polen – 30
  •  Ruanda – 5
  •  Simbabwe – 60
  •  Slowakei – 30
  •  Sri Lanka – 22
  •  Turkmenistan – 6
  •  Uganda – 6

Frühere Betreiber

  •  Bulgarien - 12 im Jahr 2009 importiert (Reexport, nicht in der bulgarischen Armee eingesetzt)
  •  Tschechische Republik - 60 RM-70 (seit Ende 2011 ersatzlos ausgemustert)
  •  Tschechoslowakei - nach der Auflösung der Tschechoslowakei an die Tschechische Republik und die Slowakei weitergegeben
  •  Ostdeutschland - 265 RM-70 und RM-70M; nach dem Zusammenbruch der DDR an Griechenland geliefert. 36 wurden 1991 an Finnland verkauft.
  •  Deutschland - Von der DDR geerbt, an Griechenland verschenkt.